Maßgeschneidertes Klangerlebnis

Interview: Pianist Haiou Zhang über seinen Auftritt in Bücken und das Land der Klassik

Haiou Zhang spielt am 25. Oktober in Bücken an einem Bechstein-Flügel. Foto: Haiou Zhang
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Haiou Zhang spielt am 25. Oktober in Bücken an einem Bechstein-Flügel.

Bücken – Der 35-jährige Starpianist Haiou Zhang hat in Peking am Central Conservatory of Music bei Professor Guangren Zhou und an der Musikhochschule Hannover bei Professor Bernd Goetzke Klavier studiert. Er tourt international und hat bereits mehrere CD-Einspielungen beim Label „hänssler CLASSIC“ aufgenommen. Die Presse feiert ihn als großes Talent und als Klavier-Poeten. Am Freitag, 25. Oktober, um 20 Uhr ist Haiou Zhang am Bechstein-Flügel zu Gast in der Stiftskirche in Bücken. Redakteurin Rebecca Göllner-Martin hat im Vorfeld mit ihm gesprochen und erfahren, worauf sich die Konzertgäste freuen können.

Berlin, Brasilien, Bücken – Herr Zhang, wie kommt es dazu, dass Sie in Bücken ein Konzert geben? Normalerweise stehen Sie auf weitaus größeren Bühnen.

Das kam durch einen gemeinsamen Bekannten von Michaela Lange und mir zustande, ich habe ein Foto von der Stiftkirche gesehen, sie ist wunderschön. Es ist etwas Besonderes, an solchen Orten aufzutreten. Überwiegend spiele ich in größeren Hallen, beispielsweise in der Elbphilharmonie in Hamburg oder Berliner Philharmonie. Aber ich konnte mir auf Anhieb musikalisch vorstellen, in Bücken aufzutreten. Das Ambiente einer Kirche ist besonders. Klassische Musik von Mozart oder Bach ist durch die Jahrhunderte gegangen, sie passt also in ein historisches Ambiente und ist oftmals inspiriert durch Kirchliches.

Das Programm, dass Sie am 25. Oktober präsentieren, heißt „Meine Welt“. Wie beschreiben Sie Ihre Welt?

Das Programm ist maßgeschneidert für dieses Konzert, ich spiele Stücke von Beethoven und Liszt. Ich möchte an dem Abend ein Klangerlebnis aufbauen, das vorher noch nie gehört wurde. Meine eigene Welt ist sehr künstlerisch und geprägt von Malerei, Fotografie und schöner Musik. Ich verspüre ein großes Interesses und eine Verbundenheit mit diesen Dingen. Ich kann mir ein Leben ohne Musik und Kunst nicht mehr vorstellen.

Sie sind in China geboren, wie sind Sie zur westlichen Musik gekommen und was sind die Unterschiede zwischen diesen beiden Welten?

Ich bin in den 1980er-Jahren geboren und aufgewachsen und habe noch ein ganz anderes China kennengelernt. Es hat sich seitdem viel verändert. Damals war die musikalische Ausbildung noch introvertierter. Ich habe bis 2002 acht Jahre Klavier lang am Konservatorium in Peking studiert. Danach hatte ich die beiden Optionen: Julliard School in New York oder die Aufnahme an der Musikhochschule Hannover. Die Entscheidung, nach Hannover zu gehen, war ein wichtiger Knotenpunkt in meinem Leben. Ich wollte immer nach Deutschland kommen, weil die Wurzeln der klassischen Musik hier liegen. Und ich war schon immer Liebhaber der deutschen Literatur.

Klassische Musik ist nicht diejenige, die Jugendliche am liebsten hören. Sie engagieren sich aber seit Jahren, zum Beispiel mit dem internationalen Musikfestival in Buxtehude, für die Förderung Jugendlicher. Warum?

Das stimmt, bei den Konzerten ist das Publikum zumeist alt. Man sieht silberne Haare in den Konzertsälen. Als ich jung war, habe ich die Beethoven-Symphonien Tag und Nacht gehört. Heute gibt es eine generelle Amerikanisierung, die Jugendlichen sind von den sozialen Medien geprägt. Dabei haben sie schon Interesse an klassischer Musik, sie müssen nur geführt werden, sie brauchen einen Zugang. In China lernen heute 40 Millionen Jugendliche Klavier spielen. Sie beschäftigen sich viel mehr damit. In Deutschland muss man das in der Gesellschaft stärker fördern, schließlich ist es das Land der Klassik.

Sie sind das erste Mal in Bücken, werden Sie sich dort noch etwas anschauen?

Ich war schon öfters in Bremen, ich kenne die Region etwas. Aber ich werde mir auch noch Zeit nehmen, mich in Bücken ein wenig umzuschauen.

Zur Person

Haiou Zhang, geboren 1984 in Hohhot, Hauptstadt des autonomen Gebiets Innere Mongolei in China, studierte bereits mit zehn Jahren am Konservatorium in Peking. Nach seinem Abschluss kam er 2002 an die Hochschule für Musik und Theater Hannover und studierte in der Klasse von Professor Bernd Goetzke. Neben seiner internationalen Konzerttätigkeit gründete er 2010 das Musikfestival Buxtehude und Altes Land, das jüngeren Menschen klassische Musik näherbringen und junge Talente fördern möchte. Der Pianist bietet zudem international Meisterklassen an.

Vorverkauf

Der Einlass zum Konzert in der Stiftskirche am 25. Oktober erfolgt ab 19 Uhr. Die Karten gibt es für 20 Euro im Vorverkauf in der Leserei in Hoya (Lange Straße 14), bei der Bäckerei Habermann in Bücken (Marktstraße 2) sowie im Pfarramt Bücken (Marktstraße 23).

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