Lena Hopmann aus Wienbergen lebte ein Jahr bei einer Gastfamilie in den USA

„In Amerika ist alles größer – auch die Portionen“

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Lena Hopmann mit ihren Gastgeschwistern Carson und Jennica.

Wienbergen - Von Charlotte Reinhard. Elf Monate können eine sehr lange Zeit sein. Vor allem, wenn man erst 16 Jahre alt ist und plötzlich das Leben eines US-amerikanischen Teenagers führt, obwohl man eigentlich aus dem kleinen Wienbergen stammt. Lena Hopmann hat genau das gerade hinter sich. Sie hat fast ein Jahr lang in einer Gastfamilie in Indianapolis gelebt und dort ihren High-School-Abschluss gemacht. Für sie verging die Zeit allerdings wie im Flug.

„Ich wollte schon immer ins Ausland. Seit der fünften Klasse“, sagt die 18-Jährige. Vor drei Jahren nahm ihr Wunsch allmählich Formen an. Sie begann, Prospekte zu studieren, sich zu informieren und weihte ihre Mutter in ihre Pläne ein. Ihr Vater wusste bald auch Bescheid. „Aber der hat nur gelacht und gesagt: ‚Das machst du eh nicht!‘“, meint Lena Hopmann.

Von wegen: Nachdem sie sich bei verschiedenen Sprachreise-Anbietern beworben und etliche Interviews mit den Verantwortlichen hinter sich gebracht hatte, unterschrieben sie und ihre Eltern im September 2012 einen Vertrag mit EF-Sprachreisen. Von da an ging es Schlag auf Schlag: Im März 2013 besuchte Lena Hopmann ein Vorbereitungscamp in Hamburg, dann besorgte sie sich in Berlin ein Visum. Am 24. Juli flog sie nach Rhode Island, wo sie wieder an einem zehntägigen Vorbereitungscamp teilnahm.

Dann war es soweit: Lena bestieg ein Flugzeug nach Indianapolis, um ihre Gasteltern und -geschwister kennenzulernen. Die warteten mit einem Willkommensschild auf sie und empfingen sie so herzlich, dass sich auch das letzte bisschen Nervosität in Luft auflöste. „Ich hatte gleich einen Draht zu ihnen“, erzählt die 18-Jährige. Ihre Gastmutter und ihr Gastvaters, sie Lehrerin, er Gefängniswärter, nahmen sie wie eine Tochter auf und zeigten ihr den amerikanischen Alltag. Der unterschied sich sehr von dem in Deutschland.

„Das begann schon beim Frühstück“, meint Lena Hopmann. Statt Brötchen und Brot gab es in den USA Rührei, Pfannkuchen und Würstchen. Nur wenn es schnell gehen musste, kamen Cornflakes auf den Tisch. Deutsche Brötchen vermisste Lena sehr.

Auch in der Schule war alles anders. Einfacher. Ob Chemie, Mathe, Sport oder Spanisch: „Auch wenn wir fast jeden Tag einen Test schrieben, kam ich trotz anfänglicher Sprachschwierigkeiten gut klar. Vieles hatte ich schon in der Schule in Deutschland gehabt. Ich musste nicht viel für die Schule tun“, sagt Lena. „Nur Geschichte war anfangs schwierig.“ In diesem Fach hatte sie ihren Mitschülern zumindest eines voraus: Sie wusste, dass Hitler tot ist. Einige ihrer Mitschüler fragten Lena, ob sie Hitler schon einmal getroffen habe. „Die Amerikaner kennen die amerikanische Geschichte ganz gut, aber nicht die der Welt“, sagt Lena.

Nicht bestätigen kann sie das Klischee, dass alle US-Amerikaner dick sind: „Es gibt einige sehr Dicke und einige sehr Schlanke, aber kaum jemanden dazwischen.“ Ersteres könne auch daran liegen, dass die Portionen einfach größer sind. „Die Amerikaner sagen ‚Everything‘s bigger in America‘, und das trifft auch auf das Essen zu“, meint Lena. Schlank könne nur bleiben, wer viel Sport treibe. Sie selbst habe in der Schule Softball, Basketball und Volleyball gespielt. „Der Sport war das Highlight“, schwärmt die 18-Jährige. „Die Stimmung ist beim Sport in den USA ganz anders. Jeder feuert jeden an.“ Lena machte in den USA ihren High-School-Abschluss und ging auch zur Prom, also zum Abschlussball.

Seit Ende Juni ist sie wieder zu Hause. Allerdings wird ihr US-Abschluss in Deutschland nicht anerkannt. Lena wird nach den Sommerferien das Johann-Beckmann-Gymnasium in Hoya besuchen, wo sie 2013 die zehnte Klasse abgeschlossen hat. In zwei Jahren will sie ihr Abitur machen. Danach würde sie gerne in den USA studieren. „Ich habe mich bereits nach Stipendien erkundigt“, erzählt sie. Ob sie Tiermedizin, Architektur oder auf Lehramt studiert, weiß sie noch nicht. „Aber ich könnte mir vorstellen, in den USA zu leben“, sagt die 18-Jährige.

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