Leiter der Dienststelle Hoya verabschiedet

Ein Polizist mit Ruhe – und ohne Uniform

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Martin Lange und seine Ehefrau Petra Maaß freuen sich auf Langes Ruhestand, der formell am 1. Dezember beginnt. Seinen letzten Diensttag hat der Erste Kriminalhauptkommissar allerdings bereits gehabt.

Hoya/Br.-Vilsen - Von Michael Wendt. Er erfüllt so gar nicht das Klischee eines „Tatort“-Kommissars aus dem Fernsehen, und doch war Martin Lange 30 Jahre lang im Fachkommissariat 1 (FK 1) in Nienburg für die Aufklärung von Mord und Totschlag, Sexualstraftaten und Branddelikten zuständig. Seine letzten vier Dienstjahre verbrachte er als Leiter der Dienststelle Hoya. Bei einer Feier mit Familie, Freunden, Kollegen sowie Vertretern von Vereinen, Samtgemeinde, Hilfs- und Rettungsorganisationen verabschiedete sich Lange am Freitag in Bruchhausen-Vilsen in den Ruhestand. Am Vortag hatte er seinen 61. Geburtstag gefeiert.

Langes Nachfolger als Dienststellenleiter wird Frank Kolanoski. Derzeit ist er Schichtführer bei der Polizei in Nienburg. Seinen Dienst in Hoya tritt er am 1. Januar an.

Bei Langes Verabschiedung waren die warmen Worte seiner Gäste keine Schmeicheleien für einen angehenden Pensionär, sondern ernst gemeint. Das wurde schnell deutlich, denn alle Redner hoben das angenehme Wesen von Martin Lange hervor, seine ruhige Art.

„Er macht mit seiner Crew zusammen eine wunderbare Arbeit für Hoya“, lobte Hoyas Bürgermeisterin Anne Wasner.

„Die Jahre mit dir in Hoya gehörten zu meinen schönsten Dienstjahren, und das geht nicht nur mir so“, schloss sein Stellvertreter Detlev Frenzel eine sehr persönliche Rede, die Martin Lange sichtlich bewegte.

Ordnungsamtsleiter Uwe Back schätzt an Lange, dass man mit ihm immer auch den kurzen Dienstweg gehen konnte. „Bei ihm galt: Ein Mann, ein Wort“. Und der Gelobte gab zurück: „Die Zusammenarbeit mit den öffentlichen Bereichen in Hoya ist etwas ganz Besonderes.“

44 Jahre lang trug Martin Lange – keine Uniform. Denn er ist Kriminalpolizist. In Hoya führte das manchmal dazu, dass er bei Einsätzen für den Fahrer eines daneben sitzenden Uniformierten gehalten wurde.

1971 begann der heutige Erste Kriminalhauptkommissar als 16-Jähriger seine Ausbildung bei der Polizeischule in Hannoversch Münden, in einer ehemaligen Kaserne mit jeweils acht Mann in winzigen Zimmern. Sieben Stunden dauerte die Fahrt in seinen Heimatort bei Oldenburg. Anfangs habe er ernsthaft überlegt, die Ausbildung abzubrechen. Doch er biss sich durch. Seine erste berufliche Phase war geprägt von Fortbildungen. Über eine Stelle in Hannover kam Lange 1980 nach Nienburg zum Fachkommissariat 1, das er von 1992 bis 2010 leitete.

Die Arbeit im „FK 1“ hat ihn geprägt. „Man ist sieben Tage die Woche 24 Stunden auf Stand-by“, sagte Martin Lange. Nach dem Tsunami 2004 half er in Südost-Asien bei der Identifizierung der Opfer. Die Arbeit im Fachkommissariat 1 habe Spaß gemacht, blickte er zurück, aber man könne angesichts der Fälle keine Freude empfinden.

Ab 2010 leitete Martin Lange den Streifendienst, ehe er nach Hoya ging – nicht wie ursprünglich vorgesehen zurück ins FK 1. Seine Vorgesetzte, Polizei-Oberrätin Kathleen Arnold, gab die Antwort auf das Warum: „Sie haben alle Abgründe gesehen. Und sie haben etwas sehr Weises gemacht, nämlich nach Hoya zu gehen – nicht zum Ausruhen, sondern für echte, neue, andere Aufgaben.“

Mit einer seiner letzten Aufgaben hat sich vor einigen Monaten ein Kreis für Martin Lange geschlossen. In seiner Zeit vor dem FK 1 hatten er und ein Kollege einst eine ausgerissene Heimbewohnerin gefunden und ihr so wahrscheinlich das Leben gerettet. In diesem Jahr bewahrte er gemeinsam mit einem Kollegen eine Frau quasi in letzter Sekunde vor dem Ertrinken in der Weser – das war dann doch fast wie in einem „Tatort“.

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