„LocationTenA“ verschönert die Grafenstadt

Legale Graffiti-Kunst in Hoya

„LocationTenA“ arbeitet derzeit an einem Auftrag der Feuerwehr: Das Bild auf dem Container der Bootsgruppe ist zu 80 Prozent fertig. „Die Feuerwehr bekommt in dieser Szene noch einen Einsatz“, verrät der Künstler.
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„LocationTenA“ arbeitet derzeit an einem Auftrag der Feuerwehr: Das Bild auf dem Container der Bootsgruppe ist zu 80 Prozent fertig. „Die Feuerwehr bekommt in dieser Szene noch einen Einsatz“, verrät der Künstler.

Hoya – „Vor mehr als 20 Jahren stand ich schon einmal in der Zeitung“, erinnert sich „LocationTenA“. Damals hat er allerdings negative Schlagzeilen gemacht. „Ich habe das Weser-Kaufhaus mit Graffiti besprüht“, erzählt er. Zwei Jahrzehnte später sprüht er noch immer. Der Unterschied zu damals: Heute bewegt er sich auf legalem Boden und erledigt Auftragsarbeiten.

„LocationTenA“ ist ein Künstlername. Seinen bürgerlichen Namen will der Hoyaer nicht nennen. „Es ist meine Kunst, die die Leute interessiert, nicht mein Name“, kommentiert er. Sein Pseudonym ist ein Relikt aus seiner Anfangszeit als Sprayer und bezieht sich auf eine ehemalige Adresse.

Als junger Mann entdeckte er die Leidenschaft für Graffiti. Er habe jemanden aus der Szene kennengelernt und sich gedacht: „Hey, das kann ich auch, denn Malen konnte ich schon immer.“ Danach habe er einfach losgelegt – illegal. Bis heute ist er beim Sprühen geblieben: Der Unterschied zu damals: Der jugendliche Leichtsinn wich der Vernunft: „Ich habe damals nicht viel besprüht. Ich konnte mir durch so etwas ja nicht meine Zukunft verbauen“, sagt er rückblickend.

„Man muss seinen Ruf sauber halten“, erklärt der Künstler. Deswegen besprühe er nur noch das, was er auch besprühen darf. Größtenteils über Mundpropaganda bekomme er seine Aufträge. Groß im Kommen sei das Gestalten von Stromkästen. „Viele wollen das“, meint der Sprayer. Deswegen sollen Interessierte den Betreiber des Kastens kontaktieren und sich eine Genehmigung einholen. „Den Rest erledige ich dann“, sagt „LocationTenA“.

Das derzeit größte Projekt des Hoyaers ist die Gestaltung des Containers der Feuerwehr-Bootsgruppe an der Weser. „Die Feuerwehr Hoya kam auf mich zu und hat mich gefragt, ob ich ihr neues Feuerwehrhaus verschönern will“, erinnert er sich. Weil es aber noch etwas dauere bis das neue Gerätehaus fertig ist, sei die Gestaltung des Containers beim Wohnmobilstellplatz ein guter Kompromiss. „Dann sehen die Leute, dass der Container zur Feuerwehr gehört“, sagt er.

Dass er auf die Wünsche seiner Kunden eingehe, sei für ihn selbstverständlich. Dabei sei ihm eine Sache aufgefallen: „Immer mehr ältere Menschen fangen an, sich für meine Kunst zu interessieren.“ Während sich jüngere Kunden eher abstrakte Kunst von „LocationTenA“ wünschen, würden ältere vermehrt Landschaftsbilder in Auftrag geben.

Es freut ihn, dass seine Kunst nach und nach mehr Anerkennung erhält. „Die Resonanz ist sehr positiv“, sagt er. „Diese Kunst hat sich in den vergangenen Jahren entwickelt.“ Dennoch: „Graffiti ist eine Art von Kunst, die erst einmal in der Gesellschaft ankommen muss.“ Derzeit wären anerkannte Graffiti-Künstler mit gutem Ruf noch rar gesät. „Sie kommen meistens von weit weg und sind sehr teuer“, kommentiert er.

Um diese Art der Kunst auch in Hoya zu fördern und gezielt in legale Bahnen zu lenken, müsse die Stadt den Künstlern eine Möglichkeit bieten, sich zu entfalten. „Wenn man Graffiti hier her holen will, dann braucht man natürlich Fläche dafür“, erläutert er. „Für den Anfang würde auch eine große Holzplatte reichen, die man irgendwo öffentlich aufstellt.“

Als Graffiti-Künstler hat „LocationTenA“ bereits für die Zukunft Pläne: „Ich habe vor, einen QR-Code an meine Werke anzubringen.“ Der Code lasse sich dann durch das Smartphone scannen, um auf seine Kanäle in den Sozialen Netzwerken zu gelangen. „Dann kann man sich zum Beispiel ein Video angucken, wie das Kunstwerk entstanden ist“, erklärt er.

Graffiti soll allerdings nicht sein Hauptberuf werden. „Ich will regional bleiben und dafür gibt es hier wahrscheinlich einfach nicht genug Fläche“, sagt er.

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