1. Startseite
  2. Lokales
  3. Landkreis Nienburg
  4. Grafschaft Hoya

10 000 Euro für die Flüchtlingshilfe: Jagdgenossen spenden an „Lebenswege begleiten“

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Nala Harries

Kommentare

Bei der Spendenübergabe: (von links) Heinfried Rohlfs, Conny Derboven und Ulf Schmidt von der Jagdgenossenschaft Helzendorf sowie der Vorsitzende Klaus-Dieter Kasper, die Integrationsbeauftragte Antje Alberts und Uwe Jöstingmeier von „Lebenswege begleiten“.
Bei der Spendenübergabe: (von links) Heinfried Rohlfs, Conny Derboven und Ulf Schmidt von der Jagdgenossenschaft Helzendorf sowie der Vorsitzende Klaus-Dieter Kasper, die Integrationsbeauftragte Antje Alberts und Uwe Jöstingmeier von „Lebenswege begleiten“. © „Lebenswege begleiten“

Helzendorf – Die Jagdgenossenschaft Helzendorf zeigte sich jetzt extrem großzügig und entschied sich, das angesparte Jagdgeld in die Ukraine-Hilfe zu investieren.

Die Hilfsbereitschaft, ukrainische Flüchtlinge zu unterstützen, ist sowohl in der Samtgemeinde Hoya als auch in Bruchhausen-Vilsen weiterhin groß. Zahlreiche Aktionen wurden in den vergangenen Wochen kurzfristig aus dem Boden gestampft (wir berichteten). Nun zeigte sich auch die Jagdgenossenschaft Helzendorf extrem großzügig und entschied sich im Rahmen ihrer diesjährigen Jahreshauptversammlung, das angesparte Jagdgeld in Höhe von 13 000 Euro in die Ukraine-Hilfe zu investieren.

10 000 davon gehen an den Verein „Lebenswege begleiten“ aus Bruchhausen-Vilsen, der sich neben der Betreuung von Kindern und Jugendlichen in der täglichen Schülerhilfe seit 2015 im Auftrag der Samtgemeindeverwaltung Bruchhausen-Vilsen auch um die Koordinierung der Flüchtlingshilfe sowie die sozialpädagogische Betreuung von Flüchtlingsfamilien kümmert. Der restliche Betrag in Höhe von 3 000 Euro kommt der Arbeit von „Ärzte ohne Grenzen“ in der Ukraine zugute.

Angesichts der neuen Aufgaben durch den Krieg und der zahlreichen Menschen, die mittlerweile in die Samtgemeinde Bruchhausen-Vilsen gekommen sind, hat „Lebenswege begleiten“ kürzlich beschlossen, seine Personalstunden in der Flüchtlingssozialhilfe und der Integrationsarbeit auszuweiten. „Ziel ist, weiterhin effektiv und nachhaltig arbeiten zu können, Behördengänge zu begleiten, Anträge auszufüllen, Sprachkurse zu vermitteln beziehungsweise selbst aufzulegen, in Beschäftigungen zu vermitteln, Freiwillige zu unterstützen sowie deren unersetzliche Hilfe zu koordinieren“, erklärt Axel Hillmann, zuständig für die Öffentlichkeitsarbeit des Vereins. Konkret heißt dies, dass der Integrationsarbeitsanteil von Gottfried Voß, der sich bei „Lebenswege begleiten“ für die Schülerhilfe und die Integration einsetzt, um zehn Wochenstunden aufgestockt werden soll.

„Mitten in der Planung einer Spendenaktion, die dies realisieren sollte, kam ein Anruf von der Jagdgenossenschaft Helzendorf mit der Ankündigung einer äußerst großzügigen Spende“, erinnert sich Hillmann. Die geplante Personalerweiterung sei durch die Spende der Jagdgenossen für mindestens ein Dreivierteljahr gesichert, freut er sich und bedankt sich im Namen des gesamten Vereins für die Unterstützung.

In der Samtgemeinde Bruchhausen-Vilsen hätten sich bisher insgesamt 163 ukrainische Flüchtlinge bei der Verwaltung angemeldet (Stand: Montag). Es gebe jedoch eine Dunkelziffer und die sei vermutlich erheblich höher, fügte Axel Hillmann hinzu und gab damit einen ungefähren Überblick über die aktuelle Situation.

In der Samtgemeinde Grafschaft Hoya sieht es ähnlich aus. Laut Ordnungsamtleiter Uwe Back hätten dort bisher 145 Flüchtlinge aus der Ukraine – zumindest vorläufig – ein neues Zuhause gefunden (Stand: gestern). Mehr als 20 Wohnungen habe die Verwaltung bereits von privaten Anbietern für die Unterbringung anmieten können. Die Mietkosten erstatte später der Landkreis, erläutert Back. Wer diesbezüglich helfen und weitere Räume zur Verfügung stellen möchte, könne sich bei ihm unter Telefon 04251/81530 oder per E-Mail an u.back@hoya- weser.de melden.

Auch in den samtgemeindeeigenen Wohnungen seien schon Menschen einquartiert worden, sodass man bisher auf Sammelunterkünfte verzichten konnte. Diese letzte Möglichkeit müsse auch gar nicht in Anspruch genommen werden, so der Ordnungsamtleiter weiter. Denn bei 200 Personen wolle man die Aufnahme stoppen. Dies sei bereits mit dem Landkreis besprochen worden. „Dann ist die Quote erfüllt und alle verfügbaren Wohnungen belegt.“ Laut Einschätzungen von Uwe Back sei es in rund ein bis zwei Monaten so weit.

Schon jetzt gebe es Probleme, was die Kinderbetreuung angehe. Knapp 20 aufgenommene ukrainische Jungen und Mädchen seien im Alter von null bis sechs Jahren und würden einen Krippen- oder Kitaplatz benötigen. Die seien allerdings rar, weswegen versucht werde, eine Übergangslösung zu finden. „Bei einer Familie mit drei Kindern kann neben der Frau auch der Mann die Ukraine verlassen und beispielsweise bei uns Schutz suchen“, weiß der Ordnungsamtleiter. Da es den Flüchtlingen vor Ort gestattet ist, einen Job anzunehmen, könnte der Vater arbeiten gehen und die Mutter alternativ die Kinder daheim betreuen. Die finanzielle Grundversorgung ist jedoch in jedem Fall durch die Leistungen nach dem Asylbewerberleistungsgesetz gesichert, die der Landkreis auszahlt. „Das ist etwas weniger als Hartz 4“, gibt Uwe Back einen Überblick über das für die Flüchtlinge zur Verfügung stehende Geld.

In der Grafschaft Hoya seien neben den ukrainischen Kindern im Kita-Alter aber auch noch rund 25 Jungen und Mädchen untergebracht, die eine Grundschule besuchen müssten. Weitere 35 seien bereits über zehn Jahre alt und dazu verpflichtet, auf eine weiterführende Schule zu gehen. „Daher wollen wir nach Ostern Sonderklassen einrichten, sowohl an der Gretel-Bergmann-Schule in Eystrup als auch an der Oberschule in Hoya“, sagt der Ordnungsamtleiter mit Blick in die Zukunft. Wie lange diese dann bestehen würden, sei jedoch noch unklar.

Als Pendant zu dem Verein „Lebenswege begleiten“ in Bruchhausen-Vilsen kümmert sich in der Grafschaft Hoya der Arbeitskreis „Brot & Salz“ um die Betreuung der Flüchtlinge. Zu den knapp 300 Asylbewerbern kämen nun noch die 145 ukrainischen Schutzsuchenden hinzu, erläutert Uwe Back. Viel Arbeit, die die Gruppe von Ehrenamtlichen aktuell kaum noch bewältigen kann. Daher werde Unterstützung benötigt. Die ukrainische Sprache müsse man dafür nicht unbedingt beherrschen, meint der Ordnungsamtleiter. Denn es gebe bereits einige Übersetzer und auch entsprechende Geräte, mit denen in verschiedenen Sprachen kommuniziert werden könne. Wichtig seien ein gesunder Menschenverstand und die Bereitschaft, zu helfen.

Wer Lust hat, sich in diesem Rahmen einzubringen, die Flüchtlinge beispielsweise dabei unterstützen möchte, Anträge zu stellen oder ein eigenes Konto einzurichten, der kann sich bei der Arbeitskreisvorsitzenden Renate Paul (Telefon: 04251/983636) oder im Hoyaer Rathaus bei Ann-Kathrin Feddeler (Telefon: 04251/81534) melden.

Auch interessant

Kommentare