Teilnahme beim „CeresAward“

Tim Friedrichs setzt auf Innovation und geht in der Landwirtschaft eigene Wege

Landwirt Tim Friedrichs vor dem außen sichtbaren Teil der Erdwärmetauschanlage. Über das System gelangt frische Luft in die Ställe.
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Landwirt Tim Friedrichs vor dem außen sichtbaren Teil der Erdwärmetauschanlage. Über das System gelangt frische Luft in die Ställe.

Hilgermissen – 2020 holte er sich den „Innovationspreis Tierwohl“. Jetzt nimmt Tim Friedrichs aus Hilgermissen erneut an einem landwirtschaftlichen Wettbewerb teil, dem „CeresAward“.

Innovation wird auf dem Hof der Familie Friedrichs in Hilgermissen schon seit vielen Jahren großgeschrieben. Es kommt daher nicht von ungefähr, dass Tim Friedrichs im vergangenen Jahr beim „Innovationspreis Tierwohl“ der Initiative Tierwohl den zweiten Platz erringen konnte. Er ist der jetzige Inhaber des landwirtschaftlichen Betriebs, der sich neben dem Ackerbau auch der Schweinehaltung widmet.

Auch in diesem Jahr nimmt der 42-Jährige an einem landwirtschaftlichen Wettbewerb teil, dem „CeresAward“. Dieser nach der römischen Göttin des Ackerbaus und der Fruchtbarkeit benannte Preis wird alljährlich im deutschsprachigen Raum in zehn Kategorien ausgeschrieben. Der Gesamtsieger wird zudem zum „Landwirt des Jahres“ gekürt. Tim Friedrichs freut sich, es in der Kategorie Schweinehaltung auf Anhieb bis ins Finale der besten Drei geschafft zu haben.

Bei denen handelt es sich nach seinen Worten allerdings um völlig unterschiedliche Betriebe: „Für uns ist die Finalteilnahme allein schon ein Riesenerfolg und wir sehen sie als besondere Wertschätzung unserer Arbeit, der eingebrachten neuen Ideen und deren erfolgreichen Umsetzung an“, ergänzt er. Nachdem die Jury dem Betrieb Anfang des Jahres einen ersten Besuch abgestattet hatte, wurde dieser nach der erreichten Finalteilnahme, über die man im Juni informiert worden war, anschließend noch einmal gründlichst unter die Lupe genommen. Jetzt wartet der Landwirt gespannt auf das Ergebnis, das anlässlich der „Nacht der Landwirtschaft“ im November in Berlin bekannt gegeben werden soll.

Im Tierbereich werden auf dem Hof in klassischer Stallhaltung mit durchschnittlich 170 Muttersauen Schweine gezüchtet. Beim Bau des Sauenstalles vor 25 Jahren wurde eine angrenzende neu eingesäte Wiese mit in das Konzept einbezogen. Diese ist den in Gruppen von bis zu 30 Individuen gehaltenen Tieren seither direkt zugänglich. Auf der fühlen sie sich im besten Sinne des Wortes „sauwohl“.

Dieses Prinzip ist in der konventionellen Landwirtschaft eher ungewöhnlich und führt dazu, „dass bei uns morgens die Sau rausgelassen wird“, wie Tim Friedrichs schmunzelnd erklärt. Allerdings ist es auch über kurze Wege möglich, die durchaus witterungsempfindlichen Tiere – etwa bei zu starker Sonneneinstrahlung – schnell wieder in den Stall zurückzubeordern. Bei den Schweinen handelt es sich um dänische Genetik, die gleichermaßen über erstklassige Eigenschaften als Muttertiere und Fleischlieferanten verfügt. Ihre Gruppenhaltung ist zwar mit Mehrarbeit verbunden, allerdings hält sich diese in Grenzen und rechnet sich zudem auch wirtschaftlich.

In einem weiteren, einige hundert Meter vom eigentlichen Hof entfernt gelegenen, 2015 gebauten Aufzucht- und Maststall mit einer Kapazität von 1 660 Mastplätzen, werden alle auf dem Hof geborenen Tiere aufgezogen und gemästet. Bewusst habe man sich damals nach mancherlei gemeinsam mit Vater Dieter angestellten Überlegungen und Tüfteleien für einen geschlossenen Stall entschieden, in dem das Klima besser zu führen ist.

Beiden Stallanlagen ist gemein, dass in ihnen Erdwärmetauscher zum Einsatz kommen. Dabei handelt es sich um ein simples, von Vater und Sohn selbst konzipiertes und anschließend mit viel Eigenleistung installiertes System. Dafür wurden Kunststoffrohre in etwa zwei Meter Tiefe – also im Grundwasserbereich – auf einer Länge von jeweils etwa 21 Metern verlegt. Die Gesamtstrecke der ursprünglich für den Abwassertransport auf Start- und Landebahnen von Flughäfen entwickelten Rohre beläuft sich immerhin auf 2,7 Kilometer. Ohne viel Technik, jedoch sehr effektiv wird aufgrund des hohen Grundwasserstandes in den schweren Marschböden nahe der Weser ganzjährig frische Luft in die darüber liegenden Ställe geleitet.

Diese wärmt oder kühlt bei einer gleichmäßigen Temperatur des Grundwassers von 8 bis 10 Grad Celsius. Das auf diese einfache Weise und zudem mit geringen Energiekosten erzeugte perfekte Klima kommt in erster Linie den Tieren zugute, besonders bei langen Hitzeperioden. „Die angesaugte Luft aus dem Erdwärmetauscher hat eine gleichmäßige Temperatur von 20,4 Grad Celsius, bei der sich die Schweine wohlfühlen, nicht mit der Hitze beschäftigt sind, weiter fressen, geringere Atemwegsprobleme haben und damit letztlich auch deutlich weniger Antibiotika benötigen. Eine Win-win-Situation für alle Beteiligten“, fasst der Landwirt zusammen.

Neben der Schweinehaltung wird auf dem Hof mit dem Anbau von Winterraps, Winterweizen, Wintergerste, Mais und Zwischenfrüchten auch klassischer Ackerbau betrieben. „Jedes Jahr in der Landwirtschaft ist anders und wir unternehmen viele Versuche, um jeweils das Optimum für Tier, Mensch und Umwelt anzustreben“, führt Tim Friedrichs, der im Übrigen in Celle eine Ausbildung zum staatlich geprüften Betriebswirt absolviert hat, aus.

Auf diesem Sektor werden ebenfalls zahlreiche neue Wege beschritten, etwa mit Düngeversuchen, bei dem die erzeugte Gülle zu unterschiedlichen Zeitpunkten und in Kombination mit Mineraldünger auf die eigenen Flächen injiziert wird. Auch die angebauten Feldfrüchte gelangen nach der Ernte über das örtliche Mischfutterwerk ganz oder teilweise als Viehfutter auf den Hof zurück. Dort werden sie nach selbst zusammengestellten Rezepturen schließlich wieder an die Schweine verfüttert.

Die Verbundenheit mit dem alten Hilgermisser Hof in der Wesermarsch, den er – vier Generationen unter einem Dach – gemeinsam mit Ehefrau Tessa, den Söhnen Ole und Jonte, den Eltern Dieter und Marie-Luise sowie Oma Elisabeth bewohnt, ist bei Tim Friedrichs schon zu spüren. Schließlich ist der Familienname hier bereits seit 230 Jahren vertreten. Die Vorfahren lassen sich über mütterliche Linien bis in die Zeit vor dem 30-jährigen Krieg zurückverfolgen.

Der ortsübliche Hofname „Görkens“ ist sogar noch älter und geht auf einen hier zwischen 1584 und 1597 ansässigen Goertke Mass zurück. Die enge familiäre Bindung wird deutlich, wenn er feststellt: „Ich habe mich mit meinen Eltern stets gut verstanden und sie haben mir schon früh viele Freiräume gewährt und Verantwortung übertragen. Auch heute noch unterstützen sie uns, wo immer sie können.“ Die jeweilige Herangehensweise wird regelmäßig am gemeinsamen Mittagstisch besprochen.

Man merkt Tim Friedrichs schnell an, dass er Landwirt mit Leib und Seele ist. „Wir haben in Deutschland die höchsten Qualitätsstandards weltweit und sind sehr gut aufgestellt“, fasst er nicht ohne Stolz die Situation in der Agrarwirtschaft hierzulande zusammen und macht mit dem Satz „Ich stehe voll hinter der deutschen Landwirtschaft“ auch seinen persönlichen Standpunkt deutlich. Dass ihm besonders das Tierwohl-Programm am Herzen liegt, bringt er mit den Worten auf den Punkt: „Das ist unser Weg in die Zukunft“. Und wer weiß, vielleicht führt ihn dieser Weg über Berlin sogar noch zu einer besonderen Preisverleihung.

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