Kartoffelanbau

Im Kampf gegen Blattläuse: Hassler Landwirt setzt auf Paraffinöle

Sie setzen im Kampf gegen die Blattlaus-Viren auf Paraffinöle: Landwirt Heinrich Heimsoth (rechts) und sein Sohn Wilken.
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Sie setzen im Kampf gegen die Blattlaus-Viren auf Paraffinöle: Landwirt Heinrich Heimsoth (rechts) und sein Sohn Wilken.

Hassel – Heinrich Heimsoth macht Blattläusen den Garaus: Er wendet nicht nur klassische Insektizide an, um sie zu bekämpfen, sondern auch organisch abbaubare Paraffinöle.

Wenn die Blattlaus zusticht, gibt sie ihren Speichel ab – und damit auch allzu oft Kartoffelviren. Diese werden auch in die Knollen der Kartoffel abgeleitet und treiben den Kartoffelbauern die Sorgenfalten auf die Stirn: Denn als Vermehrungskartoffeln können die Erdäpfel in diesem Fall nicht mehr genutzt werden, weil der Ertrag viel zu gering ist, wenn die Kartoffeln das Virus erst einmal in sich tragen.

Landwirte wie Heinrich Heimsoth aus Hassel steuern gegen: Sie wenden nicht nur klassische Insektizide an, um den Blattläusen den Garaus zu machen, sondern auch Paraffinöle. „Diese bilden einen Film auf den Blättern. Sticht eine Laus ein Blatt an, werden an dem Legestachel haftende Viren abgestreift“, erläutert der Landwirt. „Das Öl wird von der Pflanze nicht aufgenommen, sondern liegt nur auf der Oberfläche und ist organisch abbaubar“, erläutert Lüder Cordes, Berater Pflanzenbau und Pflanzenschutz bei der Bezirksstelle Nienburg der Landwirtschaftskammer Niedersachsen.

Besonders in der ersten Wachstumsphase sei es wichtig, genau zum richtigen Zeitpunkt zu handeln. Wenn der Frühjahrsflug der Blattläuse beginne und 50 bis 60 Prozent der Kartoffeln aufgelaufen seien, gehe es los, so Lüder Cordes. „Dann muss der Landwirt mit den Insektizidspritzungen beginnen.“ Da die Kartoffel gerade in der ersten Phase stark wachse und für die Blattläuse besonders attraktiv sei, müssten Landwirten bis zu zwei Mal pro Woche Pflanzenschutzmaßnahmen starten, damit alle Blätter vor den Stichen der Blattläuse geschützt seien. Dabei passen sie die Aufwandmengen den jeweiligen Spritzabständen an und experimentieren mit neuen Wirkstoffen: In der Regel komme in der frühen Wachstumsphase der Kartoffeln bei engen Applikationsabständen nur die Hälfte der normalen Aufwandmenge der Insektizide zum Einsatz, so Cordes.

Heinrich Heimsoth hat im vergangenen Jahr eine seiner Flächen ausschließlich mit Paraffinöl behandelt. „Damit starten wir auch diesmal wieder“, sagt der Hasseler Landwirt, der auch seine Kartoffeläcker zwischen Hoya und Hassel sowie in Schweringen mit dem organischen Öl spritzt. Eine Mischung aus Insektizid und Paraffinöl sei indes die optimale Wahl, findet Lüder Cordes. „Nutzt man ausschließlich Öle, geht man trotzdem noch das Risiko ein, dass sich persistente Viren ansiedeln“, sagt der Pflanzenschutzexperte und unterstreicht: „Die Insektizide haben einen Einfluss auf die Schädlinge, nicht aber auf die Kartoffel.“ Der Schutz letzterer sei deshalb so wichtig, weil die Kartoffelsorten anfällig seien.

Heinrich Heimsoth baut auf insgesamt 115 Hektar Erdäpfel für ganz unterschiedliche Einsatzzwecke an: Speisekartoffeln wie Regina, Saturna und Jelly gehören genauso zu seinem Portfolio wie Stärkekartoffeln und eben Vermehrungskartoffeln. Letztere wachsen auf insgesamt 50 der 115 Hektar. „Da steckt viel Arbeit dahinter“, sagt Heinrich Heimsoth. Die Bekämpfung möglicher Virusüberträge ist dabei eine zentrale Aufgabe. Um einzuschätzen, wann und in welchem Umfang die verschiedenen Blattlaus-Arten aktiv werden, informiert der Blattlauswarndienst des Pflanzenschutzamtes die Landwirte. „Ohne diese Zuarbeit wäre der Kartoffelanbau nicht mehr leistbar“, sagt Heinrich Heimsoth. Denn der Newsletter enthält Informationen darüber, wie viele und welche Blattläuse jeweils aktiv sind. Darauf können die Landwirte dann ihre Pflanzenschutzmaßnahmen ausrichten.

„Ich verzichte bewusst auf viel Ertrag, um die richtige Sortierung zu bekommen“, erläutert Heinrich Heimsoth. Denn die Pflanzkartoffel soll nicht zu groß werden. Kommen die Pflanzenschutzmaßnahmen indes zu spät, hat das auch erhebliche wirtschaftliche Konsequenzen. „Konnte eine Ausbreitung der Kartoffelviren nicht verhindert werden, ist die Kartoffel kein Pflanzgut mehr, sondern geht in die Konsumverwertung.“ Statt eines Preises von bis zu 285 Euro pro Tonne Pflanzkartoffeln erhält der Landwirt dann nur noch zwischen 60 und 80 Euro pro Tonne – und das, obwohl er zuvor viel Zeit und Geld in Maßnahmen zum Schutz der Pflanze investiert hat.

Deswegen sieht Heinrich Heimsoth sich mit der Anwendung von Paraffinölen in der richtigen Spur: Die sollen die Ausbreitung der Viren vertreiben und die Ausbringung von Insektiziden deutlich verringern.

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