Landschaftsverband fördert in 25 Jahren 1000 Projekte/Festakt in Hoya

Mäzen für die Kultur

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Ehrengäste: Landtagspräsident Bernd Busemann und Landschaftspräsident Werner von Behr (v.l.)

Hoya - Von Anke Seidel. Dort, wo vor fast neun Jahrhunderten die Grafen von Hoya kirchliche Familienfeste begingen, feierte gestern eine ganz andere „Familie“ den 25. Geburtstag des Landschaftsverbands Weser-Hunte. Gemessen an der gräflichen Ära war es ein Wimpernschlag der Zeit, aber ein gehaltvoller. Denn in nur einem Vierteljahrhundert hat der Landschaftsverband mit sage und schreibe sechs Millionen Euro rund 1000 kulturelle Projekte gefördert – nicht wenige davon in der Tradition der Grafen von Hoya.

In der sonnendurchfluteten Martinskirche zu Hoya begrüßte der Nienburger Landrat Detlev Kohlmeier Gäste aus Politik und Verwaltung, Wirtschaft und Wissenschaft, Kultur und Heimatpflege. Glänzender Blickfang: Der eindrucksvolle Barock-Altar, der mit finanzieller Unterstützung des Landschaftsverbands restauriert worden war. „Wir ziehen in aller Bescheidenheit eine stolze Bilanz“, sagte Kohlmeier – und blickte unter anderem auf die ehemaligen Oberkreisdirektoren Hans-Michael Heise (Diepholz) und Dr. Wilfried Wiesbrock (Nienburg), die den Landschaftsverband seinerzeit „ins Werk“ gesetzt hatten – ermuntert von Berthold von Behr, dem damaligen Präsidenten der Hoya-Diepholz‘schen Landschaft.

Als Präsident des Niedersächsischen Landtags bot Bernd Busemann einen unterhaltsamen Exkurs in Politik und Geschichte, dem es weder an Nachdenklichkeit noch Impulsen mangelte. „Herausragende Bedeutung für die Pflege der Landes-Identität“ attestierte der Landtagspräsident den Landschaften. Denn sie wurzeln unendlich tiefer in der Geschichte als das Land Niedersachsen selbst. Letzteres sei nach dem Zweiten Weltkrieg auf „schnöden Befehl der englischen Militärregierung“ gebildet worden, während die Landschaften, die Vertretung der Stände, schon im Mittelalter dem Landesherren gegenüberstanden. Busemann schlug seinen historischen Bogen von den Sachsen zu den Welfen und dem Sturz Heinrichs des Löwen bis zu den Grafschaften Diepholz und Hoya, deren Territorium in ihrer Blütezeit von Minden bis vor die Tore Bremens reichte – das Gebiet der heutigen Landkreise Diepholz und Nienburg: Wirkungsbereich des Landschaftsverbands Weser-Hunte. Als Verein fördert er in einem Lebensraum mit 330000 Menschen auf 3400 Quadratkilometern Kulturprojekte mit den unterschiedlichsten Schwerpunkten und Facetten – gespeist aus Mitteln des Landes, der Versicherungsgruppe VGH und den Mitgliedsbeiträgen.

Landtagspräsident Busemann konnte sich durchaus vorstellen, dass sich Land und Landschaftsverbände als Partner weiter entwickeln: „Man muss ja nicht alles selber machen“, erklärte er – und rieb Daumen und Zeigefinger.

Vor 25 Jahren war der Landschaftsverband Weser-Hunte eine schwere Geburt gewesen – besser gesagt eine späte Schwangerschaft. Während der erste der sieben Landschaftsverbände in Niedersachsen bereits 1963 gegründet worden war, setzten erst am 25. Februar 1991 sieben kommunale Mitglieder im Diepholzer Kreishaus ihre Unterschrift unter den Gründungsvertrag.

Es war der Diepholzer Landrat Cord Bockhop, der nicht ohne stolz das jüngste „Kind“ des Landschaftsverbands präsentierte: Ein 336 Seiten starkes Buch mit dem Titel „Zwischen Weser und Hunte“, die kleine Landeskunde für die Landkreise Diepholz und Nienburg. Regionale Autoren stellen darin Natur und Geschichte dieses Lebensraums vor, aber auch dessen Wirtschaft, Kunst und Kutur sowie Gesellschaft. Den Schülern der siebten Klassen in den beiden Landkreisen soll das Buch kostenlos für den Unterricht zur Verfügung gestellt werden, sagte Bockhop – und dankte der Projektleiterin Jana Thiele genauso wie den Autoren und Sponsoren des Projektes.

Landschaftspräsident Werner von Behr erinnerte abschließend an den Gründungs-Geschäftsführer, den verstorbenen Rainer Ehlers: „Er wäre mit Sicherheit stolz auf seinen Landschaftsverband gewesen!“

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