Jubiläum

75 Jahre Landfrauenverein Hoya: Was sich geändert hat und was nicht

Eintauchen in die Geschichte: Imke Wicke, Vorsitzende der Hoyaer Landfrauen, blättert in historischen Dokumenten.
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Eintauchen in die Geschichte: Imke Wicke, Vorsitzende der Hoyaer Landfrauen, blättert in historischen Dokumenten.

Hoya/Br.-Vilsen – Vor 75 Jahre hat sich der Landfrauenverein Hoya gegründet. Das Jubiläum ist für Vereinsvorsitzende Imke Wicke ein Anlass, tiefer in die Geschichte einzutauchen.

Es gibt Projekte, für die ist ein Schreibtisch einfach zu klein. Imke Wicke ist deshalb in die Stube umgezogen. Vor ihr auf dem Esstisch liegen kleine Büchlein, dicke, ledergebundene Bände, alte Fotos, vergilbte Dokumente und Zeitungsausschnitte. Die Unterlagen schildern die Anfänge des Landfrauenvereins Hoya heute vor 75 Jahren. Das Jubiläum ist für die Vereinsvorsitzende ein willkommener Anlass, tiefer in die Geschichte einzutauchen.

„Ich finde es spannend zu sehen, dass sich die Themen in all den Jahren gar nicht so sehr verändert haben“, sagt Wicke. Vor 75 Jahren wurden schon Trockenkränze gemacht. Es folgte ein Referat zu dekorativem Blumenschmuck. Und natürlich ging es auch damals schon um Ernährung, wenn auch unter völlig anderen Vorzeichen. „Heute beschäftige ich mich mit Kochen, weil es mich interessiert“, sagt Wicke. Kurz nach dem Krieg ging es vor allem darum, die Familie überhaupt sattzubekommen.

Entsprechend karg fiel sicherlich die Kaffeetafel aus bei der Gründungsversammlung des Landwirtschaftlichen Hausfrauenvereins Hoya, so der ursprüngliche Name der Landfrauen, am 8. November 1946 im Lindenhof. Doch auch ohne überbordendes Büfett dürfte die Stimmung im Saal an diesem Nachmittag ziemlich gut gewesen sein. Das Datum markierte einen Aufbruch in eine neue Zeit. Etwa 100 Frauen waren gekommen und trugen ihre Namen in die Mitgliederlisten ein – heute sind es fast 900. Von Behr, zum Mallen, Quensell, Kuhlmann, Immoor oder Lehmkuhl: viele Namen aus dem ersten Vorstand und Beirat waren und sind in Hoya und Umgebung wohlbekannt.

Die Anfänge der Hoyaer Landfrauen reichen sogar noch weiter zurück. Am 5. Dezember 1930 berichtete die Hoyaer Zeitung ausführlich von der ersten Adventsfeier des Landwirtschaftlichen Hausfrauenvereins: „Hunderte von Kerzen aus Adventskränzen und den mit Tannengrün geschmückten Aepfeln erfüllen den Raum mit natürlicher, strahlender Helle.“

Drei Jahre später war es vorbei mit dem schönen Schein. Mit der Machtergreifung der Nationalsozialisten 1933 begann die Gleichschaltung aller gesellschaftlichen Akteure, der auch die Landwirtschaftlichen Hausfrauenvereine zum Opfer fielen. Das Reichsernährungsministerium ordnete im Dezember ihre Auflösung an.

Dass die Nazis gar nicht versuchten, die Organisation für sich zu vereinnahmen, sondern stattdessen frühzeitig in den Reichsnährstand eingliederten, kann ein Hinweis darauf sein, dass die Landfrauen von Anfang an für mehr standen als Kinder, Kochen, Kerzenschmuck.

„Es ist eine Interessenvertretung von Frauen für Frauen auf dem Land“, beschreibt Wicke die politisch-gesellschaftliche Bedeutung ihres Vereins. Und das war auch schon früher so, davon ist die Vorsitzende der Hoyaer Landfrauen überzeugt. In der Tat: Bereits der erste landwirtschaftliche Hausfrauenverein, gegründet 1898 im ostpreußischen Rastenburg, hatte sich das Ziel gesetzt, Ausbildungs- und Fortbildungsmöglichkeiten von Frauen auf dem Land zu fördern und dafür gekämpft, hauswirtschaftliche Tätigkeiten als Berufsarbeit anzuerkennen. Themen, die auch im 21. Jahrhundert noch aktuell sind.

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Geändert hat sich in den Jahrzehnten das Rollenverständnis der Frauen. Folgerichtig ist die Hausfrau schon lange aus dem Vereinsnamen verschwunden. Die Organisation versteht sich nicht mehr als Vertretung der Frauen von Landwirten. Prinzipiell ist jede Tätigkeit, jeder Beruf in ihren Reihen willkommen. Dieser Wandel ist nicht zuletzt ein Ergebnis der neuen Realität im ländlichen Raum. Längst sind Landwirte in der Region Hoya in der Minderheit. Und so manche Frau eines Bauern verfolgt selbstbewusst ihre eigene Karriere.

Beim Stöbern durch alte Unterlagen fallen Imke Wicke ein paar spannende Veranstaltungen auf: eine Modenschau etwa, ein Bohrmaschinen-Seminar oder ein Kursus im Reparieren von Fahrrädern. Besonders beeindruckt hat sie ein Bericht über einen Nachmittag, an dem ein Gruppe Hoyaer Landfrauen auszog, zu lernen, wie man ein Schwein zerlegt.

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