Leichtathlet Olaf Strangmann aus Bücken sammelt Urkunde um Urkunde

Landesmeister in Bescheidenheit

Leichtathlet Olaf Strangmann trainiert bei jeder Witterung, auch im Winter. - Fotos: Bert Strebe

Bücken - Sport ist gnadenlos, wenn es um das Alter geht. Hat man die 30 überschritten, ist man Senior. Basta. Tatsächlich halten sich die meisten Menschen ab einer gewissen Zahl von Jahren klaglos an diese Einsortierung und beschränken sich in Sachen Sport fortan eher auf die gleichnamige Schau. Doch nicht alle. Manche fangen jenseits der 40 sogar erst richtig an. Wie Olaf Strangmann.

Strangmann ist Leichtathlet beim MTV Bücken, Altersklasse M(änner) 45 (betrifft die Jahrgänge 1967 bis 1971). Also ist er Senior. Aber seine Leistungen hören sich nicht nach Senior an: 2011 ist er die 100 Meter in 13,30 gelaufen, hat den Diskus 23,68 Meter und den Speer noch exakt zwölf Meter weiter geworfen. 2013 erreichte er beim Hochsprung 1,77 Meter, 2014 wurde er mit 1,74 Metern Norddeutscher Meister in seiner Klasse. Gleich im ersten Versuch meisterte er diese Höhe. Dann sogar Deutscher Meister. 1,78 Meter. Wie macht er das? Olaf Strangmann winkt ab. „Sport ist mir schon immer leichtgefallen.“

Abwinken kann er fast genauso gut wie hochspringen. Das geht schon bei der Terminabsprache für das Interview los. Er? In die Zeitung? Wieso das denn. Er habe doch gar nichts gemacht. Man muss ihn regelrecht überreden.

Olaf Strangmann ist Leichtathlet beim MTV Bücken.

Olaf Strangmann ist im September 1969 geboren, verbrachte seine ersten Jahre in Bücken, wohnte später in Hoya, kehrte Mitte der 90er-Jahre nach Bücken zurück. Dort lebt er seitdem mit seiner Frau, seinen beiden Töchtern und dem Sohn. Der Weg zur Arbeit gehört schon fast zum Training: Täglich geht es mit dem Rad nach Hoya, wo Olaf Strangmann in einer Autolackiererei arbeitet, und mittags saust er zwischendurch auch noch schnell zum Essen nach Hause. Er ist ein großer, sehniger, kräftiger Mann, 1,95 Meter, 83 Kilo. Man glaubt ihm sofort, wenn er erzählt, dass ihm der Lehrer beim Schulhandball verboten hat, aufs Tor zu werfen. Verletzungsgefahr. Für den Torwart.

Ja, Sport fiel im leicht. Und auch wieder nicht: Als Jugendlicher hat er es eine Weile ganz gelassen, und als er wieder anfing, fand er über Jahre nicht die richtige Disziplin. Fußball, Handball – zu viel Drumherum, zu viel Leute. Jiu-Jitsu – gut, aber zu weit weg von zu Hause. Dann irgendwann begann der MTV Bücken, seine Sportler wieder bei Leichtathletikwettkämpfen anzumelden. Und das war die Chance für Olaf Strangmann. Wettstreit, das war gut. Leistung, Ehrgeiz, was erreichen, sich beweisen. Das wollte er. Und das tat er dann auch. Vor allem im Hochsprung.

Plötzlich stand er auf der Landesbestenliste. Dann einmal nicht, wegen Verletzung, also meldete er sich zu einem Zehnkampf in Hannover an, dann stand er wieder drauf. Hat die Titel bei den Norddeutschen und den Landesmeisterschaften abgeräumt, den Deutschen Meister gemacht. Danach saß, als er zu Hause aus der Dusche kam, der Vereinsvorstand bei ihm auf dem Sofa.

Jetzt fährt Olaf Strangmann regelmäßig zum Tageszehnkampf nach Hamburg, und für dieses und das nächste Jahr hat er einen Haufen Pläne: Spargellauf in Nienburg, im Mai die Landesmeisterschaften, im Juli die Deutschen. Bei Celle wird im Sommer ein Hindernislauf veranstaltet, „Tough Mudder“, was schmutzig klingt und auch so werden wird. Mit dabei: Olaf Strangmann. 2017 soll dann der Triathlon kommen, zusammen mit seinem Sohn.

Das ist doch toll, oder? Olaf Strangmann winkt wieder ab. In seinem Alter gebe es nicht so viel Konkurrenz, sagt er, andere seien viel bemerkenswerter, die M-75-Leute etwa. Er tue ja auch kaum was, bisschen Gewichtheben im Keller, bisschen Laufen zweimal die Woche.

Hallo? Deutscher Meister? Olaf Strangmanns Antwort: „Ja. Aber 2015 war nicht so gut.“

Er ist nicht nur Meister im Hochsprung. Er ist auch Meister in Bescheidenheit. Kreismeister in Bescheidenheit. Ach was, Landesmeister. Mindestens.

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