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Ein letztes Konzert im Kurpark: Hilgermisser Kolkmusikanten lösen sich auf

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Von: Nala Harries

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Die Hilgermisser Kolkmusikanten treten am 19. Juni noch ein letztes Mal auf. Dann wollen sie den Gästen im Kurpark ausgewählte Stücke aus ihrem mehr als 70 Werke umfassenden Repertoire präsentieren.
Die Hilgermisser Kolkmusikanten treten am 19. Juni noch ein letztes Mal auf. Dann wollen sie den Gästen im Kurpark ausgewählte Stücke aus ihrem mehr als 70 Werke umfassenden Repertoire präsentieren. © ulrich scholz fotostudio

Hilgermissen – Ein letztes Mal Märsche, Polkas und Walzer. Ein letztes Mal gemeinsam musizieren. Die Vorfreude bei den Hilgermisser Kolkmusikanten auf den Auftritt am 19. Juni um 15 Uhr im Kurpark in Bruchhausen-Vilsen ist groß. Doch danach ist Schluss. Die 1984 gegründete Gruppe löst sich auf. Trompeter und Kassenwart Reinhard Henkel spricht mit der Kreiszeitung über die Gründe und wirft einen Blick auf die vergangenen Jahrzehnte.

Los ging die Geschichte der Hilgermisser Kolkmusikanten im Jahr 1979, damals jedoch noch nicht unter dem heutigen Namen. Herbert und Hartmut Henkel sowie Michael Müller traten in den Wecholder Posaunenchor ein und lernten dort, ein Instrument zu spielen. Doch statt ausschließlich kirchliche Lieder zum Besten zu geben, wollten sie sich auch der zünftigen Blasmusik hingeben. Der verstorbene Heinz Bösche nahm die Drei unter seine Fittiche und probte mit ihnen, sodass 1980 der erste Auftritt erfolgen konnte. „Danach ging es richtig los, und Mitglieder aus dem Posaunenchor sowie Außenstehende stießen dazu, sodass die Gruppe schon bald auf zehn bis zwölf Personen wuchs“, erzählt Reinhard Henkel, der 1985 in die Reihen der Musiker, die sowohl aus Wechold, Eitzendorf, Ubbendorf, Schierholz, Heesen und Mehringen stammten, aufgenommen worden ist.

Ein Jahr vor seinem Eintritt kam dann auch der Name Hilgermisser Kolkmusikanten ins Spiel. „Hilgermissen liegt am Kolk, einem Nebenarm der Weser. Dort hat man auch des Öfteren mal geübt. Das hat einfach gepasst“, erklärt Henkel die Hintergründe.

In den darauffolgenden Jahren ist der Posten des musikalischen Leiters unter anderem von Rudolf Boss und Lothar Kittlaus besetzt worden. 2003 erschien dann Hermann Heimbucher aus Scholen, vielen bekannt als der „Hüttenwirt“, auf der Bildfläche. „Er hat uns beigebracht, richtig Noten zu lesen und sie zu zählen“, erinnert sich der leidenschaftliche Trompeter. In den besten Zeiten war der Terminkalender der Hilgermisser Kolkmusikanten prall gefüllt: 25 bis 30 Auftritte absolvierten sie pro Jahr. Ausgestattet mit Tuba, Trommel, Bariton, Trompete, Saxofon, Klarinette und Tenorhorn begeisterten sie Fans unter anderem bei Geburtstagen, Schützen- und Erntefesten, den Loger Musiktagen oder beim „Hüttenwirt“ in Scholen. In ganz besonders guter Erinnerung hat Reinhard Henkel die gemeinsame Konzertreihe mit dem Shanty Chor Hoya, die über ein Jahr andauerte. „Das hat richtig Spaß gemacht“, sagt er. Aber auch die Auftritte zum Saisonstart im Gasthaus Kleindienst seien stets ein absolutes Highlight gewesen. „Da waren die Leute wirklich wild drauf“, meint Henkel. Darüber hinaus gab die Gruppe ihr Können vor Senioren verschiedener Pflegeeinrichtungen zum Besten. „Als die Damen und Herren die Stücke hörten und diese bei ihnen Erinnerungen hervorriefen, liefen einigen tatsächlich ein paar Tränen über das Gesicht. Das war so ergreifend und hat die Motivation natürlich noch verstärkt“, erinnert sich der Kassenwart an einen ganz besonderen Moment.

Über die Jahre hinweg wurden die Auftritte jedoch immer weniger. Zudem hatten die Hilgermisser Kolkmusikanten unter anderem aus Altersgründen mit einem erheblichen Mitgliederschwund zu kämpfen. Um überhaupt noch Konzerte geben zu können, musste sich die Truppe sogar Musiker „leihen“. Daher stand man 2015 dann das erste Mal kurz vor der Auflösung. Der Zusammenschluss mit der Schützenkapelle Kleinenborstel konnte diesen Schritt jedoch verhindern. „Durch sie sind wir dann auch an die Konzerte am Brokser-Markt-Dienstag gekommen. Dort war stets eine Masse an Menschen“, erzählt der Kassenwart weiter. Allerdings sei mit dem Zusammenschluss auch das Durchschnittsalter weiter in die Höhe geschnellt. Die stetigen Versuche, junge Menschen für das gemeinsame Musizieren zu akquirieren, scheiterten meist aus Zeitgründen. „Bei denen liegen die Prioritäten in dem Alter meist woanders“, meint der Trompeter.

Die Pandemie machte das Ganze dann nicht besser. „Einige Mitglieder fürchteten sich vor dem Ansteckungsrisiko und kamen nicht mehr, was auch total verständlich ist. Andere hörten ganz auf“, erläutert Henkel das Problem. Da die Einnahmen in der Corona-Zeit gen null gingen, entschied sich die Gruppe zudem, keine Musiker mehr zu „leihen“. „Es führte dann eins zum anderen“, so Reinhard Henkel.

Doch am 19. Juni treten die Hilgermisser Kolkmusikanten noch ein letztes Mal auf. Dann wollen sie den Gästen ausgewählte Stücke aus ihrem mehr als 70 Werke umfassenden Repertoire präsentieren. „Nach zwei Jahren Pause lechzt man fast danach, wieder auf der Bühne zu stehen. Wir haben das vermisst und freuen uns auf diesen Tag“, meint der Kassenwart. Danach ist allerdings Schluss. Nach Angaben von Henkel werden einige Mitglieder zwar noch in anderen Kapellen weiterspielen, „doch den Namen Hilgermisser Kolkmusikanten wird es dann nicht mehr geben“.

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