Gruppe „Schlendrian“ präsentiert in Bücken ihr neues Programm „Ich brauche keine Millionen“

Komponist, Pianist und Dirigent Peter Kreuder im Fokus

Horst Hahlbohm von „Schlendrian“ ahmte in Bücken die berühmte Pose Marlene Dietrichs als Lola-Lola aus dem Film der „Der blaue Engel“ nach. Foto: Uwe Campe

Bücken – Nach zuletzt 2017 war es am Samstagabend wieder soweit, dass Peter Klein den erwartungsvollen Gästen seiner bis auf den letzten Platz besetzten Kleinkunstdiele in Bücken die Gruppe „Schlendrian“ präsentieren konnte. „Schlendrian“, der Begriff steht laut Duden umgangssprachlich für Schlamperei, ist eine sechsköpfige Formation, deren Mitglieder Horst Hahlbohm (Gesang), Natascha Befort (Piano, Gesang), Günter Lau (Schlagzeug), Andreas Kruse (Bassgeige), Artur Sadowski (Piano) und Jörg Sommerfeld (Gitarre) alle in der näheren Umgebung beheimatet sind. Nach Bücken mitgebracht hatten die Musiker ihr neues Programm „Ich brauche keine Millionen“, das dem deutsch-österreichischen Komponisten, Pianisten und Dirigenten Peter Kreuder (1905-1981) gewidmet ist.

Mit viel Witz und Charme ließen der den Part des Conférencier übernehmende Hahlbohm und seine Musikerkollegen noch einmal Leben und Werk des in Aachen als Sohn eines Opernsängers geborenen Kreuder Revue passieren. Dabei kamen neben einer Vielzahl musikalischer Darbietungen der Gruppe auch Ausschnitte aus Tonfilmen und weiteres Bildmaterial der 1920er- bis 1950er-Jahre zum Einsatz.

Darüber hinaus rezitierte die Gruppe immer wieder aus den Aufzeichnungen und Erinnerungen Kreuders und seinem familiären und künstlerischen Umfeld sowie aus früheren Presseveröffentlichungen. Dabei wurden zahlreiche Anekdoten zu Tage gefördert, etwa wenn der Protagonist erzählte, bei seinem ersten Liebeserlebnis gleich in Minuten nachgeholt zu haben, was er in den Jahren zuvor an Aufklärungsunterricht versäumt habe.

Aber auch Begegnungen mit Stars der Universum Film AG (Ufa) wie beispielsweise Marlene Dietrich, Marika Röck, Zarah Leander oder Hans Moser lieferten reichlich Stoff für viel Erheiterndes.

Allerdings wurden auch ernstere und zeitkritische Passagen wiedergegeben, etwa wenn der Völkische Beobachter zu einem Auftritt der Jazzband von Peter Kreuder sinngemäß feststellte, „… dass dieser entartete Neger-Jazz jedem anständigen Menschen die Schamröte ins Gesicht treiben würde …“. Genau diese wiederholten Einschübe waren es, die, wie Peter Klein hinterher völlig zu Recht feststellte, dem Programm eine lebendige Authentizität verliehen.

Aber „Schlendrian“ musizierte an diesem Abend auch viel, und zwar ganz keinesfalls schlampig, sondern ganz hervorragend. Dabei gelang es besonders den beiden für den Gesang zuständigen Akteuren Hahlbohm und Befort, auch schwierig zu singende Passagen auf eindrucksvolle Weise zu meistern. Den Auftakt machte das Lied „Haus am Michigan-See“, dem bekannte Kreuder-Schlager wie „Für eine Nacht voller Seligkeit“, „Kann denn Liebe Sünde sein“ oder „Musik, Musik, Musik“ folgten. Den Höhepunkt vor der Pause bildete dann „Ich bin von Kopf bis Fuß auf Liebe eingestellt“, bei dem Hahlbohm gekonnt die berühmte Pose Marlene Dietrichs als Lola-Lola aus dem Film der „Der blaue Engel“ nachahmte.

Den zweiten Teil des Programms eröffnete Befort mit der von ihr wunderschön vorgetragenen Rumba „Eine Insel aus Träumen geboren“ aus dem Film des Jahres 1938 „Eine Nacht im Mai“. Weitere Höhepunkte bildeten dann noch das die Rollenverteilung von Mann und Frau auf die Schippe nehmende „Ich wollt ich wär ein Huhn“, das im Original von Zahrah Leander gesungene „Ich weiß es wird einmal ein Wunder geschehn“ und das Duett „Genau wie du“ aus der Operette „Blume von Hawaii“.

Bei den wohl mehr oder weniger aus eingefleischten „Schlendrian“-Fans bestehenden Besuchern kamen Lieder und Beiträge erwartungsgemäß sehr gut an, sodass sie nicht mit sehr viel berechtigtem Beifall geizten. Mit den drei Zugaben „Das gibt’s nur einmal“, „Capri-Fischer“ und „Reich mir zum Abschied noch einmal die Hände“ klang die sehr gelungene Veranstaltung nach mehr als zweieinhalb Stunden aus.

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