Lückenschluss Hoyerhagen-Gehlbergen auf Warteliste

Kommt der Radweg vor 2036?

Über diese hohe Kuppe muss er kommen, der Radfahrer, der den Sellingsloh passiert. - Foto: Michael Wendt

Hoyerhagen - Von Michael Wendt. Man ist ja so naiv als Bürger, als Journalist. Als das Land Niedersachsen 2012 ankündigte, einen neuen Radwege-Bedarfsplan aufzulegen und der Bau eines Wegs von Hoyerhagen durch den Sellingsloh nach Gehlbergen darin aufgenommen wurde, da dachte sich nicht nur die Redaktion der Kreiszeitung: Jetzt ist es absehbar, dass der seit Jahrzehnten von Bürgern geforderte Radweg entlang der Landesstraße 330 nach Bruchhausen-Vilsen endlich gebaut wird. Pustekuchen! Wer vier Jahre später beim Verkehrsministerium nachfragt, wann der Radweg nun gebaut wird, erhält zur Antwort: „Das lässt sich derzeit nicht absehen.“ Dennoch kommt gerade Bewegung in die Sache.

Die Hoyerhägerin Brigitte David ist bezüglich des Radwegs schon lange nicht mehr naiv. Sie versucht, dem Land und den zuständigen Planern bei der Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr in Nienburg auf die Füße zu treten, damit sie in Sachen Radwegbau in Bewegung kommen. „Ich habe schon sämtliche Stellen angerufen“, sagte sie kürzlich als Zuhörerin einer Gemeinderatssitzung und forderte vom Gremium: „Ihr dürft nicht nachgeben und müsst Druck machen!“ Mit dem Rad auf der Straße durch den Sellingsloh zu fahren „ist lebensgefährlich“, sagte sie.

Die Unfallzahlen sprechen zum Glück eine andere Sprache: In den vergangenen drei Jahren gab es laut Auskunft der Polizei keinen Verkehrsunfall mit Personenschaden im Sellingsloh – dafür aber allein dieses Jahr bereits zehn Wildunfälle.

Dennoch: Wegen der Bewaldung ist es auf der Strecke oft dunkel, und durch die Kuppe mitten im Sellingsloh unübersichtlich. Den Wald zu umfahren, erfordert einen erheblichen Umweg.

Eine mögliche Gefahr für Radfahrer im Sellingsloh sahen 2012 auch die Gemeinden Bücken und Hilgermissen. Sie haben selbst Radweg-Wünsche an das Land, stellten diese aber zugunsten von Hoyerhagen zurück, denn aus der Samtgemeinde konnte nur ein Weg auf die Prioritätenliste des Landes kommen. Hilgermissen hat seinen Wunsch-Radweg übrigens mittlerweile aus eigenen Mitteln gebaut (wir berichteten). Wann der Lückenschluss zwischen Bücken und Nordholz verwirklicht wird, steht in den Sternen.

Vier Jahre sind mittlerweile seit der Aufnahme Hoyerhagens in die Planungen des Landes vergangen. Der Radweg steht seitdem im „vordringlichen Bedarf“. In einer Rangliste des Landes ist der Bau damit auf einen Schlag von Platz 47 auf Platz 7 hochgerutscht. Wohlgemerkt: Platz 7 nicht im Land, sondern im Geschäftsbereich Nienburg der Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr. Sie ist zuständig für die Kreise Nienburg und Diepholz.

Warteliste ist lang 

Vor der Strecke durch den Sellingsloh sollen noch Radwege in Bassum, Lavelsloh, Brockum, Rehburg und Heiligenfelde entstehen. Hoyerhagen hat es also in vier Jahren einen Platz nach vorne geschafft und wäre, bliebe es bei diesem Tempo, 2036 an der Reihe.

Aber es geht ja voran. Im Juni vermeldete das Land via Pressemitteilung: „Niedersachsen forciert den Radwegebau an Landesstraßen und setzt das Radwegekonzept aus 2012 fort.“ Was das konkret bedeutet, wollte die Kreiszeitung daraufhin von der Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr in Nienburg wissen. Daraufhin antwortete deren stellvertretender Leiter Dietmar Thomsik im Juni: „Wir klopfen jetzt bei allen [Gemeinden] auf der Liste an und fragen sie, ob und wenn ja, wie sie sich in den Bau einbringen können.“ Bedeutet: Die Gemeinden sollen die Wege mitfinanzieren. Das ist auch aus der Liste ersichtlich: Hinter allen Radweg-Projekten steht „mitfinanziert durch Kommunen“.

Im November erreichte die betroffenen Kommunen tatsächlich ein Schreiben der Straßenbauhörde. Das teilen die Bauämter der Samtgemeinden Hoya und Bruchhausen-Vilsen übereinstimmend mit. „Wir bringen das Thema in die nächste Ratssitzung ein“, sagte gestern Hoyas Bauamtsleiter Rolf Walnsch auf Nachfrage unserer Zeitung. Hoyerhagens Bürgermeister Henning Thorns hatte bereits in der vergangenen Sitzung gesagt: „Wir beteiligen uns finanziell“ – obwohl das eigentlich nicht Aufgabe der Gemeinde sei.

Bruchhausen-Vilsen würde sich beteiligen 

Auch der Flecken Bruchhausen-Vilsen, auf dessen Gebiet 500 der insgesamt 1 800 Meter Radweg verlaufen würden, kann sich eine Beteiligung vorstellen. „Wir halten den Weg für sehr wichtig“, sagte gestern Fachbereichsleiter Torsten Beneke und verwies auf die im Januar anstehenden Haushaltsberatungen.

Die hat das Land Niedersachsen bereits hinter sich. Heute debattiert der Landtag abschließend über den Haushalt für 2017/2018. Wird er beschlossen, dann steht auch fest, „wie viele Projekte des ,vordringlichen Bedarfs‘ landesweit in den nächsten zwei Jahren baulich umgesetzt werden können“, hieß es im November vom Verkehrsministerium auf eine Anfrage des Hoyerhäger Gemeinderats Heiner Behrens. Man wird sehen.

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