Ausstellung mit Märchenfiguren im Hoyaer Schloss eröffnet

Es kommt auf den Ton an

Hoyaer Grundschul-Zwerge mit der Künstlerin Katrin Geilenkirchen. - Foto: Bert Strebe

Hoya - Die Künstlerin war gnädig. Der dumme Kaiser aus Andersens Märchen „Des Kaisers neue Kleider“ sitzt nicht nackt vor uns. Es wäre ja nicht nur unschicklich, sondern obendrein vertrackt: Immerhin kann diese neuen Kleider niemand sehen, der nicht für sein Amt taugt oder unverzeihlich dumm ist. Wir dürfen uns also an Wams und Glitzerhose des Kaisers erfreuen, nur ein Fuß ist unbedeckt – und wir sind klug. Oder?

Am Sonnabend wurde im Hoyaer Schloss eine Märchenausstellung eröffnet. In der ersten Etage versammeln sich etliche Figuren aus Märchen von Hans Christian Andersen, gestaltet von der Künstlerin Katrin Geilenkirchen aus Jülich. Es handelt sich also um das Personal aus Kunstmärchen, es sind keine Volksmärchen wie die, die die Brüder Grimm gesammelt haben. Aber die Märchen von Andersen kennt man auch: „Die Prinzessin auf der Erbse“, „Das kleine Mädchen mit den Schwefelhölzchen“, „Die kleine Seejungfrau“ und andere. Sie sind, wie Bürgermeisterin Anne Sophie Wasner bei der Eröffnung sagte, Zeitdokumente. Das Schwefelhölzchen-Märchen etwa erzählt von der teilweise bitteren Armut im 19. Jahrhundert.

Die Märchen sind prächtig in Szene gesetzt, mit Spitzen und Rüschen und anderen Requisiten. Und mit Gesichtern, die mehr erzählen als mancher Text.

Katrin Geilenkirchen, die aus einem künstlerischen Elternhaus stammt, hatte ursprünglich mit einer Theatertruppe Märchen aufgeführt und sich dabei auch um die Kostüme gekümmert. Die fand sie irgendwann zu schade zum Wegwerfen. Schließlich überlegte sie, Puppen zu den Kostümen zu fertigen. Schon bald begann sie, es andersherum zu machen. Das ist jetzt 15 Jahre her.

Die Gesichter (und die Hände und den nackten Kaiserfuß) formt Katrin Geilenkirchen aus Ton, der bei 1 300 Grad gebrannt und glasiert wird. Sie versucht immer, das jeweilige Wesen der Figur herauszuarbeiten. Dabei betont sie Gesichtszüge, Ausdruck, Habitus. Die Falten sind tief, die Lippen rot, die Augen groß – aber nie sind die Gesichter überzeichnet. Sie erinnern an Karikaturen, aber sie sind keine. Es sind expressive Charakterstudien, und man merkt jeder an, mit wie viel Liebe die Künstlerin zu Werk gegangen ist.

Die meisten ihrer Figuren, vor allem die zu Grimms Märchen, haben inzwischen eine Museumsheimat im hessischen Schloss Steinau gefunden. Deswegen gibt es im Hoyaer Schloss auch kaum Grimm-Figuren. Für die anderen, die Andersen-Gestalten oder die von Wilhelm Hauff (in Hoya ist „Zwerg Nase“ dabei) sucht Katrin Geilenkirchen noch eine Heimstatt. Ihr Haus, sagt sie, sei inzwischen einfach zu voll.

Im Hoyaer Schloss ist dauerhaft auch kein Platz, denn da leben die Zwerge. Am Samstag waren sie in die Körper von ein paar Grundschulkindern geschlüpft. Zwei von ihnen, Theeske-Jordis Asendorf und Carl-Friedrich Gilster, lasen die alte Sage vor. - str

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