Im Interview mit Sabine Lützelschwab

Von der Köchin über die Lehrkollegin zur Vorgesetzten

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Sabine Lützelschwab leitet seit einigen Wochen die THW-Bundesschule in Hoya. Die gebürtige Bonnerin lebt seit 23 Jahren in Duddenhausen. Sie kennt sich auch in der Schokoladenproduktion und der Pferdezucht aus.

Hoya - Aus der Küche ins Leitungsbüro: Sabine Lützelschwab hat eine beeindruckende Laufbahn in der THW-Bundesschule in Hoya. Seit einigen Wochen ist sie deren Leiterin. Gekommen war sie zum THW als Angestellte in der Küche.

Im Anschluss daran war sie drei Jahre lang Sachbearbeiterin „Hygiene“ und anschließend Technische Beraterin „Hygiene“. Bei Kollegen und Kolleginnen ist sie auch unter dem Spitznamen „Sagrotanchen“ bekannt. Sabine Lützelschwab lebt seit etwa 23 Jahren auf einem Resthof in Duddenhausen. Die gebürtige Bonnerin ist Diplom-Ökotrophologin, also Haushalts- und Ernährungswissenschaftlerin. Nach dem Abschluss ihres Studiums in Bonn arbeitete sie in Bremen und später in Lörrach (Regierungsbezirk Freiburg) für den Nahrungsmittelhersteller Mondelez (früher Jacobs Suchard). Jetzt ist die 55-Jährige Leiterin der THW-Bundesschule in Hoya. Wie es zu allem kam, erzählt sie im Interview mit unserer Redakteurin Vivian Krause.

Frau Lützelschwab, welchen Weg schlugen Sie nach Ihrem Schulabschluss ein?
Ich habe direkt nach dem Abitur beim Bundesverwaltungsamt eine Ausbildung als Regierungsinspektorin-Anwärterin begonnen. Das ist ein dreijähriges Fachhochschulstudium. Aber das war nicht so wirklich das, was mir Spaß machte. Ich bin mehr naturwissenschaftlich ausgerichtet. Meinen Eltern zuliebe habe ich dann aber erst mal weitergemacht. Letztlich habe ich das dann abgebrochen.

Wie haben Ihre Eltern reagiert?
Sie konnten beide sehr gut nachvollziehen, was es heißt, für sein Leben etwas zu lernen, obwohl es einem keinen Spaß macht. Meine Mutter Anneliese hat mit 16 Jahren Buchhalterin lernen müssen, obwohl sie gerne in eine medizinische Richtung wollte. Aber ihr Vater war früh gestorben, ihr Bruder war damals erst vier Wochen alt. Die Wahl der Ausbildung fiel rein aus Vernunftgründen.

Und anschließend begannen Sie ihr Studium?
Genau! Ich habe bis zum Start des Studiums ein wenig gejobbt und dann in Bonn Ernährungswissenschaft studiert. Was ich lieber gemacht hätte, wäre Tiermedizin. Doch die Bonner Universität hat das nicht angeboten, ich hätte mindestens nach Gießen ziehen müssen. Meine Eltern wären nicht bereit gewesen, mir ein Zimmer zu finanzieren, nachdem ich die bezahlte Ausbildung hingeschmissen hatte. Und Studium und Arbeiten parallel kam für mich nicht infrage.

Wie kam es zu dem Job in Bremen?
Ich hatte mich während der Diplom-Arbeit in Bremen bei Jacobs Suchard beworben, allerdings auf eine ganz andere Stelle: für das Marketing für Schokoladen-Produkte. Ich wurde auch zum Gespräch eingeladen, habe aber für diese Stelle eine Absage bekommen. Doch es bestand Personalbedarf im Bereich Technisches Produktmanagement. Das war letztendlich die technische Umsetzung der Ideen, die das Marketing hatte. Dort bin ich eingestellt worden.

Und dort geblieben …
Genau, für vier Jahre. Ich war etwas mehr als zwei Jahre in Bremen. Der gesamte Bereich ist dann nach Lörrach gegangen. Dann ist mein Sohn Ratje geboren worden. Vor 24 Jahren waren die Zeiten so, dass die Vereinbarkeit von Familie und Beruf überhaupt nicht denkbar war. Die Entscheidung für die Familie war somit eine Entscheidung für oder, in meinem Fall, gegen den Beruf. Mein damaliger Mann Heiner, der ebenfalls bei dem Unternehmen ist, hatte die Möglichkeit, sich wieder nach Bremen versetzen zu lassen. Dann haben wir einen Resthof gekauft.

Dort widmeten Sie sich ganz Ihrem Sohn?
Ich habe mir einen Lebenstraum erfüllt. Als Jugendliche dachte ich schon, es wäre toll, wenn ich ein Haus hätte, rausgucke und meine eigenen Pferde draußen laufen sehen. Das war mit dem Resthof möglich. Neben dem Reiten, auch auf Turnieren, habe ich mit ein bis zwei Stuten gezüchtet. Das Schöne war, dass ich meinen Sohn überall hin mitnehmen konnte.

Wann entwickelte sich Ihre Leidenschaft zu Pferden?
Mit neun Jahren habe ich angefangen, in Bonn zu reiten. Durch einen Umzug innerhalb der Stadt habe ich mit 13 Jahren die Möglichkeit gehabt, durch Pferdepflege am Nachmittag gratis reiten zu dürfen. Das war eine totale Leidenschaft, und ist es auch geblieben. Doch dann wurde mein Sohn eingeschult, und ich dachte: Jetzt bist du seit sechs Jahren hier in diesem Ort, hast dich dem Reiten gewidmet, trainiert, gezüchtet – jetzt kannst du auch mal wieder etwas anderes machen.

In welchem Bereich arbeiteten Sie dann?
Dann entdeckte ich 2001 eine Annonce in der Kreiszeitung: Gesucht wurde eine Mutterschaftsvertretung für die Küche der THW-Bundesschule – für 20 Stunden die Woche. Mir ging es nicht um den Verdienst, um den Status, sondern einfach darum, mal wieder was anderes zu sehen. Ich bin nicht wieder ins Berufsleben eingestiegen mit dem Gedanken, die Karriere fortzusetzen. Ein Kollege, der damals unter anderem für den Lehrgang „Bereichsausbilder Köche“ verantwortlich gewesen ist, fragte mich, ob ich dort den Part Ernährungslehre übernehmen würde. So bin ich in die Lehrtätigkeit reingerutscht. Später bewarb ich mich auf eine Fachlehrer-Stelle, machte eine Grundausbildung im THW und unterrichtete ab 2008 als Lehrkraft im Bereich Bergung und Logistik. Ich bin 2013 zur Gleichstellungsbeauftragten für sämtliche hauptamtliche Kollegen des THW gewählt worden.

Wie kam es dann zur Schulleiter-Stelle?
Es war abzusehen, dass Horst Oetzel als Schulmanager in Rente gehen würde. Ich habe lange überlegt, mich zu bewerben. Die Frage war, ob ich mit dem Rollenwechsel von der Kollegin zur Vorgesetzten klar kommen werde. Dazu kommt, dass ich ein sehr großes Harmoniebedürfnis habe, was mit einer Führungsrolle nicht immer vereinbar ist. Zudem fragte ich mich, ob es für die Einrichtung besser wäre, eine Leitung zu haben, die nicht seit 16 Jahren verstrickt ist. Ich habe mich vorher wirklich gut beraten lassen von einer Kollegin.

Inwiefern hat sie Sie beraten?
Wir haben ein zweistündiges Coaching gemacht – was sie auch beruflich macht. Über meine Befürchtungen, meine Ängste, meine Bedenken. Es ging darum, eine Gedankenklarheit zu kriegen. Danach war klar: Ich möchte das!

Was sind Ihre Aufgaben als Leiterin der Schule?
Die liegen in der gesamten Organisation und Leitung des Schulbetriebs, dessen Hauptaufgabe die Ausbildung von ehrenamtlichen Helfern und hauptamtlichen Kollegen ist. Es geht aber auch um die Qualitätssicherung, Weiterentwicklung und das Repräsentieren der Bundesschule nach Außen.

Was hat Herr Oetzel Ihnen mit auf den Weg gegeben?
Wir sind sehr unterschiedlich. Er ist ein sehr ruhiger, ausgeglichener Mensch, ich bin sehr agil, temperamentvoll. Er sagte mir: Gehen Sie die Dinge mit Ruhe an! Das gelingt mir aber nicht immer. (lacht)

Wie haben die Kolleginnen und Kollegen auf den Wechsel reagiert?
Ich erfahre eine hohe Akzeptanz. Natürlich kommt schon auch mal ein Wort der Kritik. Aber das gehört dazu, ohne die kann man sich nicht weiterentwickeln.

vik

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