Knete führt Norbert Thoss aus Hoya zur Bildhauerei / „Mache nur, was mir gefällt“

Durch Spielzeugmangel fand er seine Leidenschaft

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Bildhauer Norbert Thoss aus Hoya.

Von Horst Friedrichs. Mit dem liegenden Hund fing alles an. Norbert Thoss hatte gerade das schulpflichtige Alter erreicht, und Spielzeug gab es so gut wie gar nicht, denn in Deutschland herrschte Krieg. Aber Knetgummi war vorhanden, und als sein Vater ihm zeigte, wie man daraus einen liegenden Hund formen konnte, gab es für den Jungen kein Halten mehr. „Von da an“, erinnert sich Norbert Thoss heute, „habe ich alles aus Knetgummi gemacht: Tiere, Flugzeug- und Schiffsmodelle und mein eigenes Spielzeug.“

Fast sechs Jahrzehnte später verwirklichte er sich als inzwischen renommierter Architekt und Bildhauer einen Traum und baute sich am Allerufer in Verden-Eitze ein Zuhause für sein künstlerisches Schaffen. Das war Ende der 90er-Jahre. „Aus dem Atelier auf eine Flussniederung blicken, klassische Musik hören und dabei modellieren – damit wurde mein Traum zur Realität“, sagt Norbert Thoss. Vor kurzem zog Thoss mit seinem Atelier nach Hoya um. Nach seinem Rückzug aus dem Berufsleben boten sich dafür die Räume in seinem ehemaligen Architekturbüro „Studio 3“ an.

Dort, in seinem neuen, lichtdurchfluteten Atelier, zeigt der Künstler bei einem Rundgang neben seinen jüngsten Werken auch Skulpturen aus seinen bildhauerischen Anfängen, und die Vergangenheit wird wach: Nach den ersten Arbeiten mit den minimalistischen Mitteln des Knetgummis begann Norbert Thoss nach Kriegsende zunächst, zu zeichnen und zu malen. „Mit dem Ergebnis war ich aber oft nicht zufrieden“, erinnert er sich. „Deshalb habe ich angefangen, mit Ton zu modellieren.“

Dann aber war es mit der Malerei und den bildhauerischen Anfängen erst einmal vorbei, denn nach dem Abitur 1957 in Nienburg absolvierte Norbert Thoss an der Universität Hannover ein Architekturstudium, das er 1965 mit einem Diplom abschloss. Im Rahmen des Studiums lernte Thoss auch Architekturzeichnen, Aktzeichnen, Modellieren und Aquarellmalen. Nach dem Studium machte er sich als freischaffender Architekt selbstständig und begann 1972, sich der Bildhauerei zu widmen.

Zwischen der Architektur und seinem Schaffen als Bildhauer sieht der 80-Jährige durchaus Gemeinsamkeiten: „In der Architektur ergänzt das gestalterische Moment die Funktionalität. Ich wollte immer schöne Häuser bauen.“

Rückblickend hält er es für wichtig, neben dem künstlerischen Schaffen einen Hauptberuf gehabt zu haben. Seine Mutter, so erzählt er schmunzelnd, habe ihn schon früh auf äußerst subtile Weise davon abzubringen versucht, ein freischaffender Künstler zu werden – wohl ahnend, dass er in dieser Richtung ambitioniert war. „Sie schilderte mir das Leben eines Freischaffenden so drastisch mit all seinen negativen Seiten, dass ich nie auf die Idee gekommen bin, den Weg einzuschlagen.“

Als Bildhauer widmet Norbert Thoss sich der Darstellung des menschlichen und des tierischen Körpers. Mit seinen Arbeiten wurde er zugleich Begründer des Subtraktionismus, einer Form der Gestaltung, die durch Weglassen von Körperteilen den Betrachter zu eigenen Vorstellungen und Assoziationen anregt.

Eines seiner Werke, der „Paartanz“, steht vor dem Kulturzentrum Martinskirche in Hoya. Vier Skulpturen sind im Londypark in Rethem an der Aller zu sehen, weitere vor den Sparkassengebäuden in Syke und Leeste.

Norbert Thoss arbeitet mit den klassischen Materialien Bronze und Marmor sowie mit einem Materialmix, dessen Oberfläche hochglänzend lackiert wird. Seine Skulpturen haben eine beträchtliche Größe. Auftragsarbeiten führt er nicht aus. „Ich mache nur, was mir gefällt“, sagt er.

www.norbertthoss.de

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