„Klein, aber fein“: Das Dampfmaschinenfest in Eystrup begeistert die Besucher / „Diese Maschinen erzählen von früher“

Wenn die „Models“ fauchen und pfeifen

+
Der zwölfjährige Frank Schriever mit seinem Modelldampftraktor.

Eystrup - Von Julia Kreykenbohm. Geschickt wischt Frank Schriever über den Leib des Modelldampftraktors, der ungefähr die Größe eines Bobbycars hat. Die sicheren Handgriffe des Zwölfjährigen verraten: Er weiß genau, was er da tut. Von den neugierigen Blicken der Besucher des zweiten Dampfmaschinenfests in Eystrup und vom Klicken der vielen Kameras lässt Frank sich nicht beeindrucken. Wie ein Profi überprüft er noch einmal sämtliche Funktionen, schwingt sich dann auf den Sitz des Traktors und braust knatternd auf die andere Seite des Krafthauses der Senffabrik Leman.

Frank ist in diesem Jahr der jüngste Aussteller beim zweitägigen Dampfmaschinenfest – und wohl auch der mit der weitesten Anreise. Denn er ist gemeinsam mit seiner Mutter Carolina und deren Freundin Illona extra aus den Niederlanden gekommen. Auch Carolina Schriever, die zum zweiten Mal in Eystrup dabei ist, hat ein echtes Schmuckstück mitgebracht: einen Dampftraktor, der 1905 in der Landwirtschaft eingesetzt wurde und von dessen Reihe es nur noch sechs Stück gibt. „Die Technik hat mich schon immer fasziniert“, gesteht die gelernte Masseurin. „Diese Maschinen erzählen uns von früher, als es noch keine Computer gab. Sie haben eine Schönheit, die den modernen Maschinen meiner Meinung nach fehlt.“

So wie Schriever scheinen auch alle anderen Teilnehmer des Fests zu empfinden. Das Gelände der Senffabrik hat sich in eine Art Laufsteg verwandelt, denn überall klicken kleine und große Kameras und Smartphones. Das Alter der Fotografen reicht vom Jugendlichen bis zum Senior. Doch sie alle haben eines gemeinsam. Die Augen leuchten beim Anblick der „Models“, die – anders als ihre menschlichen Kollegen – tonnenschwer und vor allem laut sind: Sie fauchen, pfeifen, rattern und hüllen die Gäste hin und wieder in dichte Qualmwolken ein.

Ein Hingucker ist die Straßenlokomotive von Peter Schilling, der zum ersten Mal dabei ist und aus Bielefeld kommt. Die Lok ist ein Modell, das der Maschinenbauer selbst gebaut hat, und einzigartig in Deutschland. Die Originale haben im 19. Jahrhundert in England Karussells von Ort zu Ort gezogen und auch den Strom dafür erzeugt. „Die Leute fragen mich oft, was man braucht, um solch eine Maschine bauen zu können. Dann sage ich: eine Frau, die mitspielt“, erzählt Schilling und lacht. Er hat schon zahlreiche Dampfmaschinenfeste besucht, aber das in Eystrup gefällt ihm besonders gut. „Ich bin wirklich begeistert, wie familiär es hier zugeht. Ich werde in jedem Fall wiederkommen.“ Auch andere Aussteller, etwa aus Grasberg bei Bremen oder Recklinghausen, loben die besondere Atmosphäre und dass sie in Eystrup liebevoll empfangen worden seien.

Diese gute Laune tröstet ein wenig darüber hinweg, dass sich am Sonnabend, dem ersten Veranstaltungstag, nicht ganz so viele Gäste wie erhofft zum Dampfmaschinenfest verirren. „Wir vermuten, die Wettervorhersage hat viele abgeschreckt“, meint Horst Müller-Kuntzer, zweiter Vorsitzender der Interessengemeinschaft Industriedenkmal Senffabrik Leman des Heimatvereins Eystrup, die das Dampfmaschinenfest zum zweiten Mal organisierte. Doch diejenigen, die gekommen sind, haben ihre Freude an der Veranstaltung, wie Günther Helfers aus Neustadt am Rübenberge. „Ich bin einfach mal hergefahren, um es mir anzuschauen und bereue die Entscheidung nicht. Es ist klein, aber fein.“

Und während es auf dem Fabrikgelände und rund um den Bahnhof, wo unter anderem die Oldtimerfreunde aus Rodewald stationäre Motoren präsentieren, noch immer laut rattert, werden in der Senffabrik auch leise Töne angeschlagen. Es klickt und surrt, denn dort werden Modelldampfer gezeigt. Am Stand von Ulrich Schulz aus Immensen (Region Hannover), der Landwirtschaftsmaschinen liebevoll und detailgetreu in Klein nachbaut, wartet sogar ein besonderes Klangerlebnis. Der zweijährige Finley aus Holtrop hat es entdeckt. Hingerissen betrachtet er das Mini-Karussell, das eine Melodie spielt, wenn man an der Kurbel dreht. Schulz zeigt dem kleinen Jungen, wie das Ganze funktioniert, und kurz darauf schweben zarte Töne durch die Halle, während draußen die Straßenwalze des Straßenbauunternehmens Dallmann aus Bramsche vorbeidröhnt und die großen Jungen zum Strahlen bringt.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema:

Ursachenforschung nach tödlichem Hubschrauberabsturz in Mali

Ursachenforschung nach tödlichem Hubschrauberabsturz in Mali

Klingende Sehenswürdigkeiten: Gescher Glocken im Münsterland

Klingende Sehenswürdigkeiten: Gescher Glocken im Münsterland

Flughäfen zwischen Abflug- und Ausflugsziel

Flughäfen zwischen Abflug- und Ausflugsziel

Das ist der Gipfel: E-Mountainbiking am Dachstein

Das ist der Gipfel: E-Mountainbiking am Dachstein

Meistgelesene Artikel

Löschen mit den Waldbrandexperten

Löschen mit den Waldbrandexperten

Feuerwehrleute aus dem Landkreis unterstützen Hochwasser-Helfer

Feuerwehrleute aus dem Landkreis unterstützen Hochwasser-Helfer

Gosse fertig, Leitungen im Bau, Asphalt kommt

Gosse fertig, Leitungen im Bau, Asphalt kommt

Kommentare