Kirche gedenkt der unter den Nazis gestorbenen Zwangsarbeiter und Heimkinder

Das Schicksal führte sie nach Hoya und in den Tod

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Ein schlichtes Kreuz steht an der Stelle auf dem Friedhof in Hoya, an der in wenigen Wochen eine Gedenkstätte für Zwangsarbeiter entstehen soll, die dort zwischen 1939 und 1945 begraben wurden. Hinter dem Haus im Hintergrund stand früher das Kreiskrankenhaus, in dem mehrere der Zwangsarbeiter starben.

Von Horst Friedrichs. Wladimir Kaczmar feierte seinen 40. Geburtstag am 1. Juli 1944 in Hoya – vielleicht. Ob er diesen runden Geburtstag fern seiner ukrainischen Heimat wirklich gefeiert hat, ist nicht überliefert. Das Schicksal dieses Mannes und seiner Leidensgefährten war jetzt Thema des Männerstammtischs der evangelischen Kirchengemeinde Hoya im Gemeindezentrum.

Pastor Andreas Ruh berichtete über den Stand der Planungen für eine Ehrengräberstätte zum Gedenken an Zwangsarbeiter, die in Hoya starben und beerdigt wurden. Ausführlich schilderte Ruh wenig bekannte Hintergründe über die Lebensbedingungen der zur Zeit der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft Verschleppten aus Polen, Russland und der Ukraine, aber auch aus westeuropäischen Ländern.

Die Teilnehmer der Gesprächsrunde im Gemeindezentrum erfuhren, wie die Zwangsarbeiter an ihre „Arbeitgeber“ in Hoya und Umgebung verteilt wurden. Stadtarchivar Henry Meyer schilderte Einzelheiten darüber und steuerte authentisches Anschauungsmaterial bei, so etwa ein Arbeitsbuch, wie es jeder Zwangsarbeiter bei sich haben musste.

Rolf Evers, der mit der Umsetzung der Gedenkstätten-Pläne von Architektin Marianne Wehr betraut ist, kündigte an, dass mit der Fertigstellung in acht bis neun Wochen zu rechnen sei.

Wladimir Kaczmar, geboren am 1. Juli 1904 in Kalzarja, Ukraine, sollte nie in seinen Geburtsort zurückkehren. Als Zwangsarbeiter kam er nach Deutschland; drei Monate nach seinem 40. Geburtstag starb er im Kreiskrankenhaus Hoya an den Folgen eines Selbstmordversuchs. Als Todesursache steht in den Akten: „Sepsis bei Verbrennung (Selbstmordversuch)“.

Wladimir Kaczmar ist einer von 21 Toten aus der Zeit von 1939 bis 1945; außer ihm ruhen auf einer separaten Fläche des Hoyaer Friedhofs die sterblichen Überreste zehn weiterer Zwangsarbeiter und Zwangsarbeiterinnen sowie von zehn Kleinkindern polnischer, ukrainischer und russischer Zwangsarbeiterinnen in nicht gekennzeichneten Gräbern.

Fünf dieser Kinder waren in einem sogenannten Kinderheim in Oerdinghausen gestorben. Im damaligen Sprachgebrauch hießen solche Verwahrungsstätten für Kleinkinder „Auslandskinderheim“, waren jedoch meist nichts weiter als ein unbeheizter Schuppen oder eine Stallung. Die übrigen fünf Kinder waren im Hoyaer Krankenhaus gestorben. Häufige Todesursachen waren Lungenentzündung oder „Entkräftung“.

In der Gräberliste des Friedhofs Hoya sind die Namen und Lebensdaten jener 21 Toten enthalten. Daher werden Namenstafeln ein wesentlicher Bestandteil der entstehenden Gedenkstätte sein: An Granit-Stelen für Kinder, Frauen und Männer sollen die Tafeln angebracht werden.

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