Rat lehnt Pläne des Unternehmens ab

Schweringer wollen kein neues Kieswerk in Stendern

Ein Teil des Kiesabbaugebiets zwischen Schweringen und Stendern: An dieser Stelle könnte zukünftig das neue Werk stehen. Im Hintergrund ist das Unternehmen Cemex Kies & Splitt zu sehen, welches an der Ostseite bereits den Rohstoff abbaut.
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Ein Teil des Kiesabbaugebiets zwischen Schweringen und Stendern: An dieser Stelle könnte zukünftig das neue Werk stehen. Im Hintergrund ist das Unternehmen Cemex Kies & Splitt zu sehen, welches an der Ostseite bereits den Rohstoff abbaut.

Schweringen – Lange Zeit war es still um die Kieswerk-Pläne in Stendern geworden. Jetzt nun nahm der Schweringer Rat das Thema wieder auf seine Tagesordnung. 

Lange Zeit war es still um die Pläne geworden, zwischen Schweringen und Stendern ein neues Kieswerk zu errichten. Doch nun nahm der Schweringer Gemeinderat das Thema wieder auf seine Tagesordnung. Denn die Firma Heidelberger Sand und Kies (HSK), zuvor Wika, hat ihren Planfeststellungsantrag für die Genehmigung eines Kiesabbaugebiets im Bereich der Gemarkung Bücken/Gemarkung Holtrup überarbeitet.

Zuvor lehnten die Gemeinden Schweringen und Bücken es ab, Flächen zur Verfügung zu stellen, und forderten eine hundertprozentige Abfuhr des Rohstoffes über die Weser. Ein weiterer Antrag der Firma ging jetzt bei der Niedersächsischen Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr für die Herstellung eines neuen Anschlusses an die Landesstraße 351 ein. Darüber hinaus bittet das Unternehmen den Flecken Bücken sowie die Gemeinde Schweringen um ihre Zustimmung für die geplante Erschließung. Doch die Schweringer schienen von diesen Plänen am Dienstagabend während der Ratssitzung ganz und gar nicht begeistert zu sein.

Bereits 2018 stellte die Gemeinde klar, dass sie für den Bodenabbau grundsätzlich keine Flächen zur Verfügung stellen werde und dieses Vorhaben vollumfänglich ablehne. Da bereits das Unternehmen Cemex Kies & Splitt auf der Ostseite Kies abbaue, sei ein weiterer Bodenabbau nicht gewollt und durch die zusätzliche Belastung durch Gänsefraß auch für die Landwirtschaft nicht zumutbar. Weitere Sorgen bereitete dem Rat bei dem Vorhaben das Thema Hochwasserschutz sowie der zusätzlich entstehende Verkehr durch den Abtransport des Rohstoffes mit Lastwagen sowie die von der Firma gewünschte Erschließung.

Auf diese Bedingungen ist das Unternehmen mit dem überarbeiteten Antrag jedoch nun eingegangen. Der Abtransport solle beispielsweise zu 100 Prozent über den Schiffsweg abgewickelt werden, lediglich in Ausnahmefällen wie bei einer Nichtpassierbarkeit der Weser werde dieser über Lkw erfolgen. „Daher wird sicherlich in einem späteren Bauantragsverfahren die Genehmigung zum Bau einer Hafenanlage gefordert“, meinte Gemeindedirektor Detlef Meyer. In puncto Ausnahmefälle sah Christian Meyer (Wählergemeinschaft „Wir für Schweringen“, WGWFS) allerdings ein Problem, denn wer kontrolliere, in wie vielen Fällen der Abtransport per Lkw erfolge? „Wir sollten das daher grundsätzlich untersagen und einer Erschließung an der L351 ebenfalls nicht zustimmen“, schlug er vor.

Detlef Meyer äußerte zudem Bedenken darüber, dass schlussendlich vier Abbaukiesseen entstehen und die Rohstoffe mit großen Förderbändern abtransportiert würden, wodurch das Landschaftsbild erheblich verändert werde. Zwar habe die Firma die gewünschte Fläche von anfangs 130 Hektar auf 65 Hektar reduziert, aber man müsse die Gesamtfläche betrachten. Es werde an der Ostseite bereits Kies abgebaut, hinzu käme das Werk des Unternehmens Heidelberger Sand und Kies. Außerdem könnte ein weiterer Investor auf der im Regionalen Raumordnungsprogramm dargestellten Restfläche ebenfalls etwas umsetzen. Der Druck sei groß, denn Kies gelte als Mangelware.

„Es gibt nur einen Planeten, das sollte uns bewusst sein, aber das zählt an dieser Stelle nicht. Das Dilemma ist das Raumordnungsprogramm, an das wir gebunden sind“, machte der Gemeindedirektor deutlich. Laut Beschlussvorlage sei der Landkreis bei der Prüfung des Antrages auch nicht an die Stellungnahme der Gemeinde gebunden, die Entscheidung sei vielmehr im Zuge einer sachgerechten Abwägung der unterschiedlichen Belange zu treffen. Detlef Meyer wies jedoch darauf hin, dass nach der Genehmigung noch der Planfeststellungsbeschluss folge. In diesem Rahmen könnte dann eine Klage eingereicht werden.

„Wir müssen den Plänen so viele Steine wie möglich in den Weg legen“, betonte Elisabeth Kurowski (CDU). Und sie war im Rat nicht die Einzige, bei der das Vorhaben auf Ablehnung stieß: Schlussendlich lehnten nämlich alle Mitglieder den Antrag der HSK auf Nutzung gemeindlicher Straßen zur Erschließung des Kiesabbaus in Stendern ab.

Zudem ging es am Dienstagabend auch um die straßenrechtliche Einziehung der im Kiesabbaugebiet östlich der Weser gelegenen Straßen und Wege. Bereits im März hatte der Rat darüber beraten. Damals wies ein Zuhörer jedoch darauf hin, dass seine Flächen beim Wegfall nicht mehr erschlossen seien, sodass die Entscheidung vertragt wurde. Der Verkauf der Wege an die Klosterkammer Hannover sei bereits 2017 abgeschlossen worden, heißt es in dem Beschlussvorschlag. „Die Erschließung ist gesichert, jetzt geht es um die Umsetzung des Kaufvertrags“, erklärte Detlef Meyer. Carsten Immoor (Wählergemeinschaft Schweringen, WG) war allerdings noch wichtig, wie diese Alternativwege später aussehen würden. Seiner Meinung nach müsse festgelegt werden, wie diese auszubauen seien. Stefan Verheyen (WGWFS) fügte hinzu, dass darauf zu achten sei, dass auch 40-Tonner darauf fahren könnten. „Die Art des Ausbaus wird Gegenstand des Planfeststellungsverfahrens sein“, versicherte Detlef Meyer. Schlussendlich stimmte das Gremium mit zwei Enthaltungen für die sofortige Einziehung.

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