Kevin Kamermann arbeitet auf Farm und konstruiert 30-Meter-Sämaschine

Länger, breiter, Australien: Eystruper lebt seinen Traum

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Kevin Kamermann vor einem Mähdrescher mit doppeltem Mähwerk. In Australien arbeitete der 21-Jährige auf einer Farm (hauptsächlich als Monteur) sowie bei einem Lohnunternehmer (als Monteur und Fahrer).

Eystrup - Von Anette Steuer. Schlangen im Haus und Außentemperaturen bis 46 Grad Celsius bringen Kevin Kamermann nach seiner Zeit in Australien, nicht mehr wirklich aus der Fassung. Der 21-jährige Eystruper setzte sich gegen die Hitze einfach einen Hut auf, und auf die Schlangen macht er Jagd. Neun Monate lang arbeitete er als Monteur auf einer Farm sowie bei einem Lohnunternehmen – und hat dabei viel erlebt.

Kevin Kamermann ist gelernter Land- und Baumaschinenmechaniker. Schon während seiner Ausbildung träumte er von einem Job in Australien.

Kevin Kamermann ging als gelernter Land- und Baumaschinenmechaniker nach Australien und entwickelte dort unter anderem eine Saatbett-Kombination für drei Arbeitsgänge in einem. „Schon während meiner Ausbildung hatte ich den Wunsch, dort zu arbeiten“, erzählt Kamermann. Er suchte einen Weg und fand im Deutschen Bauernverband den passenden Partner. Der DBV vermittelt Arbeitsstellen und hilft bei grundsätzlichen organisatorischen Fragen. Im Juli 2014 trat Kevin Kamermann den 22-stündigen Flug nach Perth in West-Australien an. Nach einer Einweisungswoche zu den Gepflogenheiten im Land ging es nach Port Lincoln im Süden, wo Kamermann für die nächsten Monate lebte.

„Zu Hause haben wir Landwirtschaft im Nebenerwerb. Da ist mir die Arbeit, auch mit Tieren, nicht fremd. Aber jetzt stand ich auf einem Betrieb mit etwa 2000 Hektar Fläche und 3000 Schafen“, erzählt er. „Diese Betriebsgröße ist für australische Verhältnisse noch nicht mal groß.“

Nach kurzer Zeit lernte Kevin Kamermann einen benachbarten Lohnunternehmer kennen. „Wir verstanden uns auf Anhieb, und so war es keine Frage, dass ich helfe, als bei ihm eine Arbeitskraft ausfiel.“ Daraus wurde dann ein zweiten Arbeitsplatz. „Auf der Farm arbeitete ich größtenteils als Monteur und beim Lohnunternehmer als Monteur und Fahrer.“

Als die Erntezeit begann, wurden die benötigten Maschinen auf große Lastwagen verladen und zunächst gut 200 Kilometer in den Norden gefahren, weil dort die Ernte früher als im Süden beginnt. „An die Flächengröße musste ich mich richtig gewöhnen. Aus Deutschland kannte ich eher kleinere Flächen. In Australien hingegen arbeitete ich auf Ackerflächen, die so groß waren wie halb Eystrup“, sagt der 21-jährige.

Diese überlange Saatbett-Kombination von Kevin Kamermann bearbeitet den Boden, säat ein und düngt die Fläche in nur einem Arbeitsgang. Bei den riesigen Feldgrößen in Australien bringt dies eine echte Zeitersparnis.

Auch die Erntemenge überraschte ihn. „Wir ernteten dort gerademal ein Viertel von dem, was ich von zu Hause kenne. Das musste ich mir erstmal erklären lassen.“ So erfuhr er, dass klimabedingt die Erntemenge immer weniger wird, weil es weniger regnet. „Der Rückgang geht zwar langsam, aber doch merklich vonstatten.“ Bei Temperaturen um 46 Grad Celsius fielen oft Maschinen aus, oder Teile gingen kaputt. „Die halten das nicht aus, wenn sie rund um die Uhr im Einsatz sind.“ So hatte der Eystruper Mechaniker viel zu tun. „Um das Geld für teure Ersatzteile zu sparen, sammelten meine Arbeitgeber alte Technik auf eigenen ‚Schrottplätzen‘ auf ihren Höfen. Sie ersteigern sogar kaputte oder ausrangierte Landtechnik. So können Reparaturen kurzfristig und kostengünstig erledigt werden.“

Wenn Kevin Kamermann gerade nicht mit riesigen Landmaschinen unterwegs war oder diese wieder flott machte, kümmerte er sich um die Tiere auf der Farm: „3000 Schafe – das war schon eine Herausforderung. Aber es hat geklappt.“

Irgendwann entstand dann die Idee zu einer wohl einmaligen Bestellkombination, die Kamermann selber baute. Bisher nutzte die Farm zum Säen eine Kombination aus Bodenbearbeitungseinheit und Sämaschine. An diese Kombination baute der Eystruper Tüftler ein Feldspritze an. Sie ermöglichte zusätzlich zur Bodenbearbeitung und Aussaat eine Flüssigdüngung – und das alles in einem Arbeitsgang. „Alle benötigten Teile fand ich auf dem farmeigenen Schrottplatz.“

Drei Wochen benötigte Kamermann, um die nunmehr 30 Meter lange Saatbett-Kombination auf den Acker zu bekommen und erfolgreich einzusetzen.

Neben all der Arbeit gab es natürlich auch Freizeit. Ein längerer Urlaub führte ihn beispielsweise vom südlichen Adelaide bis in den Norden nach Cairns. „Ein Freund aus Deutschland kam für vier Wochen nach Australien. Das war klasse“, sagt Kevin Kamermann.

Seine Eltern verschafften sich ebenfalls einen Eindruck von der Farm in Australien. Für sie waren nicht nur die Ruhe sondern auch die Schlangen im Haus eine besondere Erfahrung.

Irgendwann war es dann so weit, und Kevin Kamermann musste den Heimweg antreten. „Die Monate vergingen viel zu schnell. Aber es war eine supergute Zeit.“

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