Nach Schwertransport zu Smurfit Kappa ist noch einmal Millimeter-Arbeit gefragt

Kessel-Koloss angekommen

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Zwei Autokräne hievten den Kessel vom Schwerlast-Waggon (rechts unten), setzten ihn auf einen freien Platz vor der Halle und hoben ihn dann so weit an, dass die Mitarbeiter einer holländischen Spedition „Möbelrollen“ runterstellen konnten. Den Boden hatten sie zuvor mit Stahlplatten geschützt. Mittels zweier Gapelstapler zogen sie den 88-Tonnen-Kessel Richtung Halle. Dort wird er liegend eingebaut. ·

Hoya - Von Alexandra Hübscher und Michael WendtHoya · Ein Autokran kann so sanft sein. „53 Tonnen hab ich jetzt am Haken“, meldet der Kranfahrer, nachdem er langsam ein Ende des Container-großen Kessels angehoben hat. „Einen Tick höher noch“, fordern die Mitarbeiter der holländischen Schwerlast-Spedition, und Millimeter um Millimeter hebt der Autokran das 88-Tonnen-Ungetüm weiter an. Schließlich können die Transport-Rollen untergeschoben werden – die vorletzte Etappe einer abenteuerlichen Reise des Druckkessels ist geschafft! In der Hoyaer Papierfabrik von Smurfit Kappa muss er jetzt „nur noch“ an seinen endgültigen Platz gezogen werden.

Nachdem der Druckkessel einige Tage auf einem Schiff im Hoyaer Hafen lag und vorgestern zum Bahnhof transportiert wurde (wir berichteten), brachten ihn die Verkehrsbetriebe Grafschaft Hoya (VGH) gestern morgen auf der Schiene ins Smurfit-Kappa-Werk. Der in Deutschland gefertigte Kessel war bei einem Schwesterwerk in Frankreich ausgemustert worden und soll nun in Hoya weiterverwendet werden. Der darin erzeugte Dampf (30 Tonnen pro Stunde) heizt Zylinder auf, über die zur Trocknung das frische Papier läuft.

Der Transport zum Betriebsgelände war problematischer als angenommen. Projektleiter Frank Rosebrock erklärt: „Der Dampfkessel wurde schon am 8. Januar in Frankreich auf das Schiff geladen und liegt bereits seit letzter Woche Montag in Hoya im Hafen.“ Ursprünglich hatte er am alten Schiffsanleger von Smurfit Kappa entladen werden sollen. Doch der vorgesehene Schwerlastkran bekam keine Genehmigung, das Bremer Autobahnkreuz zu passieren. Eine andere Lösung musste her.

Dummerweise befinden sich die Anlieger im Hoyaer Hafen auf der westlichen Flussseite, die Papierfabrik aber auf der Ostseite. Ein Transport auf der Straße war nicht möglich, weil die Weserbrücke für die Last des Kessels nicht ausgelegt ist und zudem einer ihrer Querbalken im Weg gewesen wäre. Blieb nur der Weg über die 2008 erneuerte Eisenbahnbrücke.

„Vergangene Woche Donnerstag fragte der niederländische Transporteur an, ob wir das machen können“, sagt der VGH-Betriebsleiter in Hoya, Christian Schröder. Die Verkehrsbetriebe konnten, auch Dank der neuen Brücke. Sie bestellten einen Schwerlast-Waggon aus Hagen. „Das ist das Größte, was wir hier auf der Bahn bislang transportiert haben“, sagt Schröder. Zum Glück ist die Strecke nicht elektrifiziert, sonst hätte der Kessel nicht unter die Oberleitung gepasst.

„Am Mittwoch bekamen wir die Genehmigung für den Bahntransport“, sagt Frank Rosebrock. Doch um auf den Zug zu kommen, musste der Kessel-Koloss zunächst per Lkw zum Bahnhof transportiert werden. Dafür sperrte die Polizei am Mittwochnachmittag für rund eine Stunde die Landesstraße 330 (Weserstraße).

Gestern Vormittag nun setzte sich der Zug Richtung Smurfit Kappa in Bewegung. Dort hoben zwei Autokräne den Kessel vom Zug.

„Das Team hat gut zusammengearbeitet“, lobt Christian Schröder und meint damit seine drei Kollegen von den VGH, die jeweils zehn Mitarbeiter von der Spedition und dem Autokran-Spezialisten sowie die Beteiligten von Smurfit Kappa.

Einbau seit Sommer  vorbereitet

    Letztere haben den Kesseltransport bereits seit dem Sommer vorbereitet. Die Halle, in der der Kessel stehen soll, musste teilweise geräumt und ein Fundament gelegt werden. Darauf wird der Kessel voraussichtlich am Sonnabend gestellt. Die Turbine, die ihn befeuert, sowie am anderen Ende der Schornstein sind bereits installiert. Deshalb ist beim „Dazwischenschieben“ noch einmal Millimeter-Arbeit angesagt.

„Dann wird es noch circa zwei Monate dauern, bis der Dampfkessel in Betrieb genommen werden kann“, sagt Projektleiter Rosebrock. Weitere größere Probleme erwartet er nicht: „Es steht noch ein Schild im Weg, das wir dann abschneiden müssen, und wir mussten ein Rolltor aus der Wand der Halle entfernen. Aber das sind alles nur noch Kleinigkeiten.“

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