Stromtrasse Stade-Landesbergen: Bürgerinitiative fordert weiterhin Erdverkabelung

Keine Stromleitung durch die Weseraue

In einigen Bereichen der Samtgemeinde Hoya laufen bis zu drei Stromkabeltrassen parallel. Diese möchte die Bürgerinitiative in einer Trasse gebündet wissen – am liebsten unter der Erde. - Foto: Anette Steuer

Dedendorf - Von Michael Wendt. Eine komplette Erdverkabelung der Stromtrasse Stade-Landesbergen im Bereich der Samtgemeinde Hoya wird es nicht geben, und auch der von der lokalen Bürgerinitiative „Gegen den Trassenwahnsinn“ vorgeschlagene Verlauf durch die Weseraue ist eher unwahrscheinlich. Das sind aus Sicht der Bürgerinitiative (BI) die Ergebnisse eines Treffens mit den Planern der Stromtrasse.

Über die Zusammenkunft Ende April in Nienburg informierte heute BI-Mitglied Hans Kaufmann aus Dedendorf. Eingeladen zu dem Treffen in Nienburg hatte Dr. Stefano Panebianco vom Amt für regionale Landesentwicklung (ArL) in Lüneburg. Weiterhin anwesend waren Vertreter der für den Bau zuständigen Firma Tennet, des Planungsbüros Sweco, des Landkreises und der Kreislandwirt.

Die BI hatte eine Verlegung der Stromtrasse in die nahezu unbewohnte Weseraue vorgeschlagen – als Erdkabelleitung. Die bei der Zusammenkunft vorgebrachten Hauptargumente der Planer gegen die „Wesertrasse“ machen Kaufmann fassungslos. Laut Gesetz sollen nur dort Erdkabel eingesetzt werden, wo eine Freileitung zu nahe an Siedlungen und Einzelgebäuden entlanglaufen würde. In der Weseraue bestünde also kein Bedarf an Erdverkabelung. Eine Freileitung komme dort aber auch nicht infrage, allein schon, weil davon der Kiesabbau betroffen wäre.

„Unsere Interpretation ist: Hier wird eine Erdverkabelungsverhinderungsplanung betrieben“, folgert Kaufmann. „Nach dem Gespräch waren wir erst mal erschlagen“, gibt er zu, „aber wir haben uns entschieden, einen neuen Vorschlag zu machen“.

Ob der noch Eingang in die Planung findet, ist fraglich. Denn Tennet will demnächst die Planungen für den Trassenverlauf bei „Infomärkten“ vorstellen. Genaue Termine hat die Firma bislang nicht genannt, eine Nachfrage unserer Zeitung blieb diese Woche unbeantwortet.

Die Bürgerinitiative hält derweil an ihren drei Zielen fest: dem Schutz des Menschens und der Natur sowie der Bündelung der vorhandenen Stromtrassen, die teilweise kreuz und quer durch die Samtgemeinde verlaufen. Dabei setzt sie auf Erdverkabelung, weil dadurch die gesundheitsgefährliche elektromagnetische Strahlung, die von den Leitungen ausgeht, sinkt.

Was diese Technik betrifft, kommen Tennet und die BI nicht auf einen Nenner. Hans Kaufmann möchte sich nun als Mitglied von Bündnis 90/Die Grünen bei der Landesregierung in Hannover für eine „progressive Auslegung des Ermessensspielraums“ stark machen, den das Gesetz bietet – immerhin steht darin, dass die Trasse Stade-Landesbergen ein Pilotprojekt für Erdverkabelung ist.

„Unser Wunsch ist es, 30 Prozent der Strecke erdzuverkabeln“, sagt Hans Kaufmann. Die Argumente von Tennet hält er für zu pauschal. Die Landwirte wollten das nicht, habe es im Gespräch geheißen. Außerdem möchte Tennet keine „Hybridverkabelung“, also keinen häufigen Wechsel zwischen Freileitung und Erdkabel. Den wünscht sich auch die Bürgerinitiative nicht, denn der Wechsel von Freileitung auf Erdkabel erfordert eine Fußballfeld-große Übergabestation. Deshalb plädiert Kaufmann für möglichst lange Erdkabelstrecken.

Zuspruch erhofft sich die BI von der Uni Delft (Niederlande). Die hat jüngst ein Tennet-Erdverkabelungsprojekt begleitet und will im Frühjahr dessen Analyse vorlegen.

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