Tierschutz Dauerthema

Nachgefragt auf dem Geißblatthof: Kein Tag gleicht dem anderen

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Bernd und Linda Christof engagieren sich für den Tierschutz.

Windhorst - Beinahe täglich flattern neue Rechnungen per Post beim Geißblatthof in Windhorst (Gemeinde Warpe) ein. Viele von ihnen sind Arztkosten für die unterschiedlichen Behandlungen der auf dem Tierschutzhof lebenden Vierbeiner. 

Für Bernd und Linda Christof, Betreiber des Geißblatthofs, steht jedoch eines ganz klar im Vordergrund: das Wohl der Tiere. Wir haben mit Linda Christof über die Arbeit und die Herausforderungen im Tierschutz gesprochen.

Seit wann gibt es den Geißblatthof und wie ist er entstanden?

Den Verein gibt es seit 2004. Zuvor hatten wir vier Jahre lang eine Hundepension, aber schon damals haben wir einige Tierschutzhunde aus Hamburg, Bremen und Hannover sowie von der Umwelt- und Tierhilfe Terra Mater aufgenommen. Als es immer mehr wurden, haben wir uns mit den Nachbarn besprochen und den Verein gegründet.

Wie sieht ein typischer Tag auf dem Geißblatthof aus?

Der Tag beginnt für die Mitarbeiter um 8 Uhr mit einer Dienstbesprechung. Zuvor, zwischen 6.30 und 8 Uhr, füttern mein Mann oder ich die Hunde. Während der Besprechung schauen wir dann, welche Termine anstehen. Dienstags kommt zum Beispiel immer die Tierärztin. Dann gibt es noch interne Schulungen für unsere Auszubildenden. Termine mit Interessenten sind nicht vor 10 oder 11 Uhr, denn erst dann ist die Grundversorgung der Tiere fürs Erste abgeschlossen. Fellpflege und Leinentraining mit den Hunden gehören ebenso zum Tagesablauf. Ab Mittag wiederholt sich alles, die Tiere müssen wieder gefüttert und die Ställe gereinigt werden. Die Mitarbeiter sind in der Regel von 8 bis 17 Uhr vor Ort. Ab 16 Uhr starten die Vorbereitungen für die Nacht. Dazu gehören unter anderem die Reinigung der Katzenklos, die Futterbereitstellung für die Weidetiere und der Auslauf der Hundegruppen.

Ab und an ruft auch das Veterinäramt an, dass wir Tiere aus schlechten Haltungsbedingungen aufnehmen sollen. Es gibt im Grunde wenig Pausen, kein Tag gleicht dem anderen.

Wie viele Mitarbeiter hat der Geißblatthof und arbeiten sie ehrenamtlich?

Wir sind vier Tierpfleger, vier Azubis und ein Jahrespraktikant. Mein Mann und ich erhalten keinen Lohn und arbeiten zu 100 Prozent ehrenamtlich, zudem stellen wir die Räumlichkeiten zur Verfügung. Wir haben noch ein Gewerbe und führen eine Hundepension, womit wir unsere privaten Ausgaben decken. Die Mitarbeiter erhalten natürlich alle einen Arbeitslohn.

Wie finanziert sich der Verein?

Größtenteils über Spenden und Mitgliedsbeiträge, und es gibt einige Paten. Die größten finanziellen Posten machen die Tierarzt- und Personalkosten aus.

Seit Oktober 2018 hat die Samtgemeinde Hoya ein Fundtiervertrag mit dem Geißblatthof, was hat sich seither verändert?

Es sind seitdem erheblich mehr Tiere bei uns aufgenommen worden. Vom 1. Januar bis 15. Dezember 2019 waren es alleine 109 Katzen aus der Samtgemeinde Hoya. Die Fundkatzen aus Bruchhausen-Vilsen und amtlich sichergestellte Katzen sowie vom Halter abgegebene kamen noch hinzu. Zudem einige Hunde, welche aber wieder abgeholt worden sind.

Jede zweite Katze kam mit einer Pilzinfektion zu uns, deren Behandlung jeweils mindestens fünf Wochen gedauert hat. Außerdem waren einige Katzen mit Calici-Viren, einer Art von Katzenschnupfen, infiziert. Eine Tröpfcheninfektion, die sich schnell verbreitet. Dadurch hatten wir einen enormen Rückstau in der Quarantäne. Es gab zwar Interessenten für die Katzen, aber wir konnten diese aufgrund der Krankheiten nicht vermitteln.

Liegt es unter anderem auch an der fehlenden Kastrationspflicht im Landkreis Nienburg, dass es aus der Samtgemeinde Hoya so viele Katzen waren?

Jein, natürlich wäre eine Kastrationspflicht sinnvoll. Aber dann am besten in Zusammenhang mit Kastrationsaktionen wie es sie in Bruchhausen-Vilsen gibt. Dort bietet die Samtgemeinde in Zusammenarbeit mit der Organisation „Vier Pfoten“ solche Aktionen an. Zum Vergleich: Aus der Samtgemeinde Bruchhausen-Vilsen, mit der wir schon einige Jahre einen Fundtiervertrag haben, kamen im vergangenen Jahr nur etwa 20 Katzen zu uns. Wenn es so etwas auch in der Grafschaft Hoya geben würde, könnten die größtenteils verwilderten Katzen kastriert werden, damit Ruhe einkehrt. Dafür muss man aber erst einmal eine Notwendigkeit feststellen – dazu könnten die Fundkatzenzahlen aus dem letzten Jahr eine Anregung sein.

Was sind die Herausforderungen im Tierschutz?

Es sind ganz Unterschiedliche. Im vergangenen Jahr waren es ganz klar die Katzen in der Quarantäne. Mal sind es die Tiere, die das Veterinäramt zu uns bringt. Aber auch als gefährlich eingestufte Hunde stellen eine Herausforderung dar. Denn sie behalten diesen Status ihr Leben lang. Halter müssen eine Sachkundeprüfung machen und die Tiere einen Wesenstest. Wer einen solchen Hund besitzt, kann ihn nicht mal kurz bei den Nachbarn abgeben, denn auch diese bräuchten einen Sachkundenachweis. Oft sind diese Hunde dauerhaft in Tierheimen untergebracht und haben lange kein richtiges Zuhause. Das ist nicht fair, denn oftmals liegt ein Beißverhalten nicht am Hund, sondern am Halter.

Und was sind die schönen Momente Ihrer Arbeit?

Immer dann, wenn ein Tier vermittelt werden kann. Oder wenn es ein Verhaltensdefizit aufweist und wir durch ein Training dieses positiv entwickeln können. Zum Beispiel, wenn ein Hund extrem scheu ist und er sich langsam beginnt zu öffnen. Natürlich ist es auch immer schön, wenn Patienten wieder gesund werden, nachdem man für sie gekämpft hat. Das sind wahre Glücksmomente.

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