Katharinenmarkt-Verein verkauft Grafentaler / Gießen morgen live zu erleben

Neue Taler kommen der alten Martinskirche zugute

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Hans Soltau (l.) und Harald Koppermann (r.) vom Katharinenmarkt-Verein übergaben jetzt dem Vorsitzenden der Stiftung Martinskirche, Stadtdirektor Detlef Meyer, die ersten Erlöse aus dem Verkauf des Grafentalers.

Von Michael Wendt. Der Marktvogt ist skeptisch: Von allen Seiten beäugt er den Grafentaler, mit dem der Gast sein Abendmahl bezahlen will – ist der wirklich echt oder nur eine gut gemachte, letztendlich wertlose Blei-Kopie? Ein Biss bringt Gewissheit. Die Zähne hinterlassen keinen Abdruck, die Münze ist ein echter Zinntaler des Hoyaer Grafen Otto III. Der Gast hat Glück, und der Marktvogt auch, denn anders als Blei ist Zinn ungiftig.

So könnte es sich zugetragen haben, damals zu Lebzeiten von Otto III. zu Hoya. Fast 600 Jahre nach dem Tod des Grafen (1428) belebt der Katharinenmarkt-Verein die gräfliche Währung neu. Bei der Zwergenweihnacht morgen von 14 bis 19 Uhr in Hoya können die Besucher die Herstellung der Grafentaler miterleben. Hobby-Zinngießer Harald Koppermann aus Hoya fertigt sie im Heimatmuseum und verkauft sie für einen guten Zweck.

„Die Idee für den Grafentaler kam uns vor dem letzten Katharinenmarkt. Als Zinngießer wollen wir dort immer wieder etwas Neues anbieten“, sagt Harald Koppermann. Das „Wir“ schließt Zinngießer Stephan Meyer aus Altenmarhorst bei Twistringen ein, der früher in Hoyerhagen wohnte. „,Warum machen wir nicht mal etwas, um andere zu unterstützen?‘, fragten wir uns, und dabei fiel unser Blick auf die alte Martinskirche“, erzählt Koppermann.

Kurz darauf war die Idee geboren, einen Grafentaler zu gießen und den Verkaufserlös der Stiftung Martinskirche zu spenden. Das Geld soll dazu beitragen, die Grabplatten von Otto III. und seiner Frau im Zuge der geplanten Kirchenrenovierung zurück in das Gotteshaus zu verlegen, in dem der Graf einst seine letzte Ruhe fand. 2002 hat die Stiftung Martinskirche die Platte außen an der Kirchenmauer aufstellen lassen – eine Entscheidung, die heute viele bedauern.

Allein mit dem Erlös aus dem Verkauf der Münzen wird die Stiftung die Verlegung der Grabplatte aller Wahrscheinlichkeit nach nicht finanzieren können. „Wir müssten zentnerweise Zinn vergießen, um die Platten reinzukriegen“, sagt Harald Koppermann. Hans Soltau, der Vorsitzende des Katharinenmarkt-Vereins, ist vom Projekt Grafentaler dennoch begeistert: „Egal, welche Summe zusammenkommt: Es ist auch ein Zeichen für die Verbundenheit des Katharinenmarkt-Vereins mit der Stadt Hoya.“

Beim Katharinenmarkt im September wechselten bereits elf Grafentaler den Besitzer. Den dabei generierten ersten Erlös übergaben Koppermann und Soltau nun Detlef Meyer, der als Hoyas Stadtdirektor Vorsitzender der Stiftung Martinskirche ist. „Wir freuen uns über jede Unterstützung“, sagt er. „Das Geld für die Grabplatten zu verwenden, das passt.“

Hans Soltau, der beim Markt die Rolle des Vogts spielt, betont: „Wir geben keine unserer Sponsorengelder weiter.“ Der Stiftung Martinskirche kommt vielmehr die ehrenamtliche Arbeit von Harald Koppermann und Stephan Meyer zugute.

Deren Umfang ist beträchtlich. Zunächst galt es, den Grafentaler zu gestalten. Das Motiv für die Vorderseite stand fest: die Bärentatzen aus dem Wappen der Hoyaer Grafen. Darunter weist ein Kreuz auf die Spende zugunsten der Grafenkirche hin. Und das Motiv für die Rückseite fanden Koppermann und Meyer in einer Zeichnung des 1994 verstorbenen Hoyaer Künstlers Wolfgang Osterhage. Es zeigt die Martinskirche.

Aus den Motiven entstanden Vorlagen für eine CNC-Maschine, die einen ersten Taler fräste. Daraus wiederum wurde eine Zinngießform aus Silikonkautschuk gefertigt. Darin werden nun die Grafentaler gegossen. Das ist eine langwierige Sache: Rund 45 Minuten dauert die Herstellung eines Talers. Nach dem Erhärten des verwendeten Reinzinns, das bei rund 240 Grad schmilzt, muss die Münze entgratet und poliert, die Gussform gereinigt werden.

Allein deshalb dürfte der Grafentaler kein Massenprodukt werden – vielleicht aber ein Sammlerstück. Der Katharinenmarkt-Verein hat angedacht, künftig weitere Taler mit anderen Motiven herauszugeben.

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