Justus Frantz gastiert auf seiner Weltreise in Hoya / Zugaben schon vor der Pause

Musikalischer Globetrotter in roten Schuhen

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Überraschendes Duett: Gemeinsam mit seinem zehnjährigen Sohn Justus spielte Justus Frantz „Drei Militärmärsche“ von Franz Schubert.

Von Dagmar Voss. Genial wie immer präsentierte der weltbekannte Pianist Justus Frantz Sonaten, Menuette und Märsche in seinem selbst ernannten musikalischen Wohnzimmer, der ehemaligen Martinskirche in Hoya. Seinen Soloabend – der überraschenderweise kurz zu einem Duo-Vortrag wurde – startete Frantz am Sonnabend mit einem Kurzbericht über seine Auftritte als Dirigent in den vorangegangenen Tagen. Er war in Hongkong zu Gast, in Dubai, dann in Hamburg, Tel Aviv und Moskau. „Und heute bin ich in Hoya“, sagte er und erntete begeisterte Lacher.

„Morgen bin ich dann unterwegs nach Südafrika“, sagte er. Den Höhepunkt sah der 71-Jährige in dem Gastspiel in Rom beim Papst, ebenfalls im Oktober, bei der er Mahlers Auferstehungssymphonie dirigieren wird.

Ganz nebenbei erfuhren die Zuhörer auch noch ein kleines Modedetail des Globetrotters: „Sensation sind ja bei meinen Auftritten die roten Schuhe, schon ein Markenzeichen. Dieses Mal sind es bequeme Turnschuhe, ein Geschenk aus China zum Neujahrskonzert.“

Erwartungsgemäß begeisterte Frantz, eingeladen vom Kulturkreis Grafschaft Hoya, auch dieses Mal sein Publikum mit virtuosem Klavierspiel; der gern gesehene Gast füllte das Kirchenschiff mit meisterhaften Etüden und bravourösen Stücken von verschiedenen Komponisten – und das alles ohne Noten.

Zum fünften Mal gastierte er bei fast vollem Haus im Kulturzentrum und plauderte locker über altbekannte Komponisten, deren Werke und deren möglicherweise kleinere Irrtümer. Zu diesen zählte die Anzahl der „Variationen in c-moll WoO 80“ von Ludwig van Beethoven (1770-1827). Frantz ließ das Publikum raten, um wie viele es sich wohl handele. Der Schöpfer dieses Werks hat sie mit 32 angegeben, geraten wurden 30 bis 39, eine Zuhörerin lag richtig mit 34 und gewann eine CD des Weltmusikers Justus Frantz. „Beethoven hat gegen Ende einfach aufgehört zu zählen“, sagte er schmunzelnd.

Zuvor hatte er lang anhaltenden Beifall geerntet mit der wunderbaren Klaviersonate Nr. 11 A-Dur KV 331, einer der bekanntesten von Wolfgang Amadeus Mozart. Der schrieb sie 1783/84 in Wien; vor allem der dritte Satz, der Türkische Marsch, macht das Stück populär.

Schon bevor es in die Pause gehen sollte, gelang es den Anwesenden, ein paar Zugaben zu erklatschen. Und dann gab es noch einen Überraschungsauftritt: Justus Frantz bat seinen zehnjährigen Sohn Justus an den Flügel, und vierhändig zauberten sie Franz Schuberts (1797-1828) „Drei Militärmärsche (Op. 51) D 733“ ins Kirchenschiff.

Nach der Pause widmete sich Frantz dem großen Beethoven und dessen hervorragenden Werken wie der Mondscheinsonate.

„Das ist einfach ein tolles Programm“, sagte der begeisterte Zuhörer André Lackmann aus Riede. Schon das Orchester der Nationen, von Justus Frantz ins Leben gerufen, habe ihn in der Bremer Glocke fasziniert, aber der Soloabend gefiel ihm noch mehr. Hörbar auch dem restlichen Publikum des gelungenen Klavierabends, das frenetisch Applaus spendete.

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