Vor 40 Jahren hielt ein Großfeuer bei der Europa Carton die Brandschützer in Atem

Feuerwehrleute stehen einem Flammenmeer gegenüber

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Meterhoch schlagen die Flammen, dicke schwarze Rauchwolken verdunkeln den Himmel in Teilen Hoyas. Der Wind treibt brennende Papierfetzen über die Stadt.

Hoya - Von Anette Steuer. Einem regelrechten Flammenmeer sahen sich die Feuerwehrleute heute vor 40 Jahren beim Brand des Rohstofflagers der Europa Carton gegenüber. Als am 12. August 1975 gegen 14 Uhr die Sirenen in Hoya und umzu schrillten, waren einige Brandschützer aus der Region bereits bei einem anderen historischen Einsatz gefordert: den großen Waldbränden in der Heide. Seit dem Vortag waren Tanklöschfahrzeuge aus Hoya, Hassel und Eystrup in Eschede zur Waldbrandbekämpfung im Einsatz. Bei ihrer Rückkehr griffen sie ohne Verschnaufpause in das Hoyaer Einsatzgeschehen ein. Eine Woche lang sollte der Großbrand der Europa Carton die Einsatzkräfte beschäftigen. Ein Rückblick:

Montag, 11. August 1975: Aus Hoya und Eystrup machen sich Tanklöschfahrzeuge im Verbund mit der Kreisfeuerwehrbereitschaft Nord auf den Weg nach Eschede, um bei der Bekämpfung der verheerenden Waldbrände zu helfen, bei denen bereits fünf Feuerwehrleute in den Flammen umkamen.

Dienstag, 12. August 1975, 13.54 Uhr: Sirenenalarm für 14 Feuerwehren aus den Landkreisen Grafschaft Hoya, Verden und Nienburg. Ihr Einsatzort ist die Hoyaer Papier- und Kartonagenfabrik Europa Carton, heute Smurfit Kappa. Dort brennt das Rohstofflager, bestehend aus Papierballen, lichterloh. Meterhohe Flammen und eine dicke schwarze Rauchsäule stehen über dem Betriebsgelände.

Aufgrund des starken Winds wehen brennende Papierfetzen vom Betriebsgelände in Richtung Stadt und drohen dort, Gebäude in Brand zu setzen. Der Wind und die sengende Hitze erschweren die Löscharbeiten erheblich. Trotzdem gelingt den Feuerwehrleuten das anscheinend Unmögliche: Sie verhindern ein Übergreifen der Flammen auf die Fertigungs- und Maschinenhalle. Eine Lagerhalle hingegen brennt ab.

Um die Flammen bei den seit Tagen in Norddeutschland herrschenden tropischen Temperaturen und der enormen Brandhitze überhaupt bekämpfen zu können, berieseln die Einsatzkräfte ihre Kameraden an vorderster Linie mit Wasser.

Insgesamt beteiligen sich 28 Feuerwehren und weitere Hilfsorganisationen wie das Technische Hilfswerk an der Brandbekämpfung.

Mittwoch, 13. August 1975: Die Kreiszeitung schreibt: „Aus bisher ungeklärter Ursache war ein Papierballen-Stapel in Brand geraten. Das Feuer breitet sich in Windeseile aus und vernichtetet das Rohstofflager völlig. Der Sachschaden beträgt nach ersten Schätzungen zehn Millionen DM [5,11 Millionen Euro].“

Die Löscharbeiten gehen ohne Pause weiter, und in den frühen Morgenstunden beginnen dort, wo es möglich ist, bereits die ersten Aufräumarbeiten.

Die Abfallbeseitigung des Landkreises übernimmt die Abfuhr der verbrannten Ballen auf den Müllplatz in Eystrup-Mahlen. Brandwachen der Feuerwehr beobachten jedwede Arbeiten mit Argusaugen, um aufflackernde Brandnester sofort zu löschen. So begleiten Tanklöschfahrzeuge den Abtransport der verbrannten Ballen und kommen dabei mehrmals zum Löscheinsatz.

Donnerstag, 14. August 1975: Die Kreiszeitung schreibt, dass die Werksleitung nach den Hauptaufräumarbeiten die Produktion schnellstmöglich wieder aufnehmen will und somit die Arbeitsplätze trotz des Großfeuers gesichert seien.

Ein Problem bereiten den Einsatzkräften die zahlreichen Schaulustigen, die für „stärkste Behinderungen“ sorgen. Die Kreiszeitung mahnt: „Im Interesse der Wehrmänner wäre zu wünschen, dieser Unsinn würde endlich aufhören. Das könnte ihre aufopfernde Arbeit wirklich erleichtern.“

Die Ursache des Feuers wird nicht eindeutig geklärt. Feuerwehr und Polizei ziehen 1975 zwei Szenarien in Betracht: einen Kabelbrand sowie eine im Papier liegende Glasscherbe, die wie ein Brennglas wirkte.

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