Pianist Paolo Francese und die Klassische Philharmonie NordWest brillieren in der Hoyaer Martinskirche

Italienisches Temperament trifft auf Klassik

Paolo Francese (links), Pianist von Weltrang, und Chefdirigent Ulrich Semrau begeisterten am Sonntag im Kulturzentrum Martinskirche in Hoya. Foto: Horst Friedrichs

Hoya - Von Horst Friedrichs. Ein Konzertflügel erwachte zu jubilierendem Leben: Paolo Francese, international renommierter Pianist aus Salerno in Italien, gastierte am Sonntag gemeinsam mit der Klassischen Philharmonie NordWest unter der Leitung ihres Dirigenten Ulrich Semrau im Kulturzentrum Martinskirche Hoya. Am Rameau-Flügel begeisterte Francese das Publikum mit einer temperamentvoll akzentuierten, brillanten Interpretation des Klavierkonzerts e-Moll op.11 von Frédéric Chopin (1810-1849).

Besucherandrang im Kulturzentrum

Im zweiten Teil des Sinfoniekonzerts am späten Sonntagnachmittag stand die fünfte Sinfonie c-Moll op. 67 von Ludwig van Beethoven (1770-1827) auf dem Programm. Der gute Ruf des Orchesters und seiner Solisten hatte abermals seine Wirkung nicht verfehlt. So entwickelte sich der Besucherandrang zu unerwarteter Stärke, und es mussten kurz vor Konzertbeginn noch zusätzliche Stühle aus dem Lagerraum herbeigeschafft werden, damit allen Chopin- und Beethoven-Freunden, die aus der Grafenstadt und ihrer Umgebung den Weg in die Martinskirche gefunden hatten, noch Plätze geboten werden konnten.

So war das zum Konzertsaal umfunktionierte ehemalige Kirchenschiff buchstäblich bis auf den letzten Quadratmeter ausgebucht, als Georg Sättler, Vorsitzender des Kulturkreises Grafschaft Hoya, die zahlreichen Liebhaber klassischer Musik unter der neu gestalteten Beleuchtung der Martinskirche begrüßte. Sättler wies auf die kommenden herbstlichen Konzerte hin. Für das Adventskonzert am 15. Dezember und das Neujahrskonzert am 4. Januar gebe es bereits ab 25. November Karten im Vorverkauf in der Kanzlei Petereit und Sättler, Lange Straße 4.

Mit seinem überragend virtuosen und gefühlsbetonten Klavierspiel zog Paolo Francese das Publikum augenblicklich in den Bann, nachdem das Orchester den ersten Satz – Allegro maestoso – eingeleitet hatte. Mit süditalienischem Temperament und meisterhafter Leichtigkeit perlten die Tonfolgen, vom Komponisten mit hohem Schwierigkeitsgrad ausgestattet, aus der geradezu zauberhaften Fingerarbeit des weltweit hochgeschätzten Pianisten Francese. Wenn aus dieser Meisterleistung überhaupt noch eine Steigerung möglich war, so bewies Francese ebendies im zweiten Satz, Romance: Larghetto, und schließlich mit dem Höhepunkt im dritten Satz, Rondo: Vivace.

Das Schicksal klopft an die Tür

Beifall und Bravo-Rufe des Publikums brandeten zum Überschwang auf, und wallten dann noch einmal zu neuer Intensität auf, als Solist und Dirigent sich gemeinsam vor den Zuhörern verneigten. Mit einem Blumenstrauß bedacht, verabschiedete sich Paolo Francese nach seinem grandiosen Auftritt. Nach der Pause klopfte das Schicksal an die Tür – in musikalischer Gestalt von Beethovens „Fünfter“, die mit dem berühmten Anfangsmotiv „Ta ta ta – taaa“ zu einem der populärsten Stücke der klassischen Musik wurde. Überlieferungen zufolge symbolisierte Beethoven unter der Schwere des Eindrucks seiner beginnenden Taubheit ebenjenes „Ta ta ta – taaa“ als Anklopfen des Schicksals.

Gewohnt souverän und mit ausdrucksstarker Empathie führte Ulrich Semrau das Orchester der Klassischen Philharmonie NordWest durch die vier Sätze der fünften Sinfonie Beethovens. Galt der erste Satz – Allegro con brio – der Variation des Anfangsmotivs, so vermochte das Orchester in den darauffolgenden Sätzen die ganze monumental-majestätische Klangwelt Beethovens auf überzeugende Weise wiederzugeben. Lang anhaltender Beifall belohnte die Musiker.

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