Interessengemeinschaft Synagoge erinnert an die Geschichte der Familie Elias

Erstes und letztes Treffen in geschichtsträchtigem Haus

+
Heike Huth (links) begrüßte die Teilnehmer im Elias-Haus.

Von Horst Friedrichs. Das erste Treffen an diesem Ort war wohl auch das letzte: Im Elias-Haus, der Nummer 16 an der Deichstraße in Hoya, versammelten sich jetzt zahlreiche Mitglieder der Interessengemeinschaft (IG) Synagoge und der evangelischen Kirchengemeinde Hoya. Anlass war eine Gedenkveranstaltung zum 77. Jahrestag der Pogromnacht (wir berichteten). Die jüdische Familie Elias hatte in dem Haus lange Zeit gelebt und gewirkt. Zuletzt stand es viele Jahre lang leer und wurde nicht gepflegt. Seit Kurzem hat es neue Eigentümer, die es abreißen wollen.

Heike Huth begrüßte die Teilnehmer der Zusammenkunft im Namen der IG Synagoge. Die Geschichte des Elias-Hauses schilderten in kurzen, sich ergänzenden Vorträgen Elfriede Hornecker, Werner von Behr, Herma Kroppach und Hilli Seidler.

Im 18. Jahrhundert, vermutlich schon in dessen erster Hälfte, erwarb die Familie Elias das Anwesen an der Deichstraße. Sechs Generationen der Elias handelten dort mit Textilien. Letzter Inhaber des Familien-Geschäfts in dem jetzt noch vorhandenen Haus war Julius Elias, der 1873 in Hoya geboren worden war. Er und seine aus Nienburg stammende Ehefrau Grete sowie ihr Sohn Adolf wurden Opfer des Holocaust. Der zweite Sohn, Ernst, konnte 1939 in die USA auswandern, wo er sich eine Existenz aufbaute.

Werner von Behr zitierte aus einem Zeitungsbericht vom 28. Oktober 1910. Darin wurde beschrieben, wie der damalige Eigentümer des Grundstücks Deichstraße 16, Adolf Elias, seinem Haus einen Anbau mit Balkon hinzugefügt hatte. „Der neue, sehr große Laden ist mit fünf großen Schaufenstern versehen“, heißt es in dem Bericht des Hoyaer Wochenblatts. „Der Besitzer ließ alle Arbeiten zu dem Neubau – die Maurer-, Zimmerer-, Tischler-, Schlosser-, Klempner-, Maler- und Glaserarbeiten – von Hoyaer Meistern ausführen.“

Der Gymnasiast Niklas Bonk erläuterte im Elias-Haus die „Stolperstein-App“, die von Lehrern und Schülern des Johann-Beckmann-Gymnasiums entwickelt worden ist (ausführlicher Bericht folgt).

Überraschungsgäste des Treffens waren die Eheleute Tjalke und Lokke Notermans aus Workum im niederländischen Friesland (wir berichteten). Tjalke Notermans hatte Marion Blumenthal Lazans Sohn Michael in London kennengelernt und später auch das Buch „Four perfect pebbles“ (Vier perfekte Kieselsteine) gelesen, in dem die in Hoya aufgewachsene, heute in den USA lebende Jüdin vom Holocaust schreibt.

Als Tjalke Notermans dann von einer Lesung Marion Blumenthals in der holländischen Kozak-Gedenkstätte Westerbork hörte, fuhr er kurzentschlossen hin, überreichte der Autorin vier rote Rosen und ließ sein Exemplar ihres Buchs signieren. Er kam mit Marion Blumenthal ins Gespräch und traf sie später bei einem ihrer Besuche in Hoya wieder. Dort schloss er Kontakte mit Mitgliedern der IG Synagoge. Seitdem reisen Tjalke und Lokke Notermans jedes Jahr zur Pogromnacht-Gedenkfeier nach Hoya, und schon Tradition ist ihr Gastgeschenk, das sie für die Marion-Blumenthal-Schule mitbringen: 365 Tulpenzwiebeln.

Mehr zum Thema:

London: Fast alle Festgenommenen wieder frei

London: Fast alle Festgenommenen wieder frei

Werk-Kunst Ausstellung im Verdener Rathaus

Werk-Kunst Ausstellung im Verdener Rathaus

Unglücksfähre "Sewol" vor Südkorea auf Lastschiff verladen

Unglücksfähre "Sewol" vor Südkorea auf Lastschiff verladen

"Schwung und Kraft": Vettel jagt Hamilton in Australien

"Schwung und Kraft": Vettel jagt Hamilton in Australien

Meistgelesene Artikel

70-Jähriger in Nienburg vermisst

70-Jähriger in Nienburg vermisst

Weil andere ihre Haare dringender brauchen als sie

Weil andere ihre Haare dringender brauchen als sie

Zugverkehr zwischen Bremen und Hannover gestört 

Zugverkehr zwischen Bremen und Hannover gestört 

Keine Leiche auf dem Grund der Weser

Keine Leiche auf dem Grund der Weser

Kommentare