Heimatmuseum Hoya zeigt Ausstellung „Mit Pfeil und Bogen“

„Ich komme aus der Steinzeit“

Pfeile wurden früher teilweise bunt geschmückt. Beispiele dafür zeigt Museumsleiterin Elfriede Hornecker. - Fotos: Horst Friedrichs

Hoya - Von Horst Friedrichs. Heutzutage sehen sie aus wie von Kindern gebastelt: Die Pfeile und Bögen, die in Vitrinen und an den Wänden des Heimatmuseums Hoya zu betrachten sind, stammen aus anderen Zeiten. Damals, etwa in steinzeitlich anmutenden Kulturen Südostasiens, waren es tödliche Waffen – tödlich für die Tiere, die damit gejagt wurden. Tödlich aber auch für die Menschen, die sich mit solchem Schießgerät gegenseitig umbrachten.

Im Heimatmuseum der Grafenstadt ist das jetzt ein Thema, nämlich in der Ausstellung „Mit Pfeil und Bogen – Waffen aus zwei Welten“. Und es kann den Besuchern beim Anblick von Giftpfeilen schon einmal eiskalt über den Rücken laufen, wenn ihnen vor Augen geführt wird, mit welcher Raffinesse die Bogenschützen der Urwälder oder der Steppen ihre Pfeilspitzen mit Substanzen präparierten, die auf der Stelle töteten – selbst dann, wenn das getroffene Opfer nur leicht „angekratzt“ wurde.

Geöffnet ist die Ausstellung – bei freiem Eintritt – noch bis zum 21. August jeweils sonntags von 15 bis 18 Uhr. Gesonderte Besichtigungstermine können telefonisch (04251/671679) vereinbart werden.

„Die zwei Welten, von denen im Untertitel der Ausstellung die Rede ist“, erklärt Museumsleiterin Elfriede Hornecker, „gehen zurück auf einen berühmt gewordenen Satz von Heinrich Harrer.“ Der österreichische Forschungsreisende (1912-2006) kam vor etwa 50 Jahren von einem längeren Aufenthalt in Neuguinea (Südsee) zurück und umriss seine Erfahrungen dort mit jenem Satz: „Ich komme aus der Steinzeit.“ Die Ausstellung im Hoyaer Heimatmuseum spiegelt sein dortiges Leben anhand von Waffen wider.

Der eine Teil der Ausstellung repräsentiert das Leben vereinzelter Dorfgemeinschaften in der Südsee, nachzuvollziehen an der in Hoya gezeigten Sammlung von Pfeilen und Bögen aus dem 19. Jahrhundert. Der zweite Teil stellt den Bogen zur Steinzeit dar – ebenfalls mit einer Sammlung von Waffen. Die europäische Steinzeit ging mit der Verwendung von Metall für Waffen und Werkzeuge zu Ende. „Anthropologen verwenden immer wieder den Begriff ,steinzeitlich‘ für die zeitlich und geografisch so weit voneinander entfernten Lebensräume“, sagt Elfriede Hornecker. „Dabei beziehen sich die Wissenschaftler auf die Waffentechnik, und die ist Inhalt unserer Ausstellung.“

Die ersten Waffen der alten Europäer waren Speere. Beispiele für deren Entwicklung zeigt die Ausstellung im Heimatmuseum. Zudem werden die Unterschiede zu den Speeren aus der Südsee herausgearbeitet. Vielfältig sind auch die ausgestellten Pfeile, die entweder als Wurfpfeile verwendet wurden oder mit einem eigens dafür konzipierten Gerät, sprich Blasrohr, Bogen oder Armbrust.

In den Vitrinen des Heimatmuseums sind viele Beispiele für Pfeilspitzen zu sehen, die je nach Zeit und Gegend aus Stein, Holz, Knochen oder Eisen hergestellt wurden. „Durch Knochenfunde“, erläutert Hornecker, „wurde bewiesen, dass Pfeile schon vor 20 000 Jahren auch für den Kampf Mensch gegen Mensch benutzt wurden. Das bekannteste Opfer ist ,Ötzi‘, der Mann aus dem Gletschereis, in dessen Rücken eine Pfeilspitze gefunden wurde.“ Unterschiedliche Formen von Pfeilspitzen werden in Hoya ebenso gezeigt wie Bögen aus verschiedenen Epochen und Gebieten.

Wolfgang Asendorf-Walther aus Hoya, dem die Sammlung, die zurzeit im Heimatmuseum zu sehen ist, gehört, ist aktiver Sportbogenschütze. Er lieferte dem Museumsverein umfangreiche fachliche Erklärungen. Wie sich Begeisterung für den Schießsport vermitteln lässt, bewies kürzlich Asendorfs Tochter Theeske, die beim Hoyaer Bürgerschießen Kinderkönigin wurde.

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