Klockenschooster Peter Mahlstedt repariert alte Uhren

Hundertjährige ticken wieder richtig

Klockenschooster Peter Mahlstedt, hier bei der Arbeit mit einem Zapfenrolliergerät in seiner Werkstatt in Wechold. - Foto: Horst Friedrichs

Wechold - Von Horst Friedrichs. Die Hundertjährige hat es in sich: „Die schafft glatt noch ein paar hundert Jahre mehr. Weil sie eine Standuhr ist“, sagt Peter Mahlstedt. Er weiß, wovon er spricht, denn er ist der „Klockenschooster“ – der Mann, der alte Uhren „zurechtschustert“, was im Plattdeutschen wie im Hochdeutschen liebevoll vereinfacht für „reparieren“ steht. In seiner Werkstatt in Wechold versammeln sich bisweilen mehrere „Hundertjährige“ auf einmal, jene wegen ihrer robusten Technik so langlebigen Meisterstücke der Uhrmacherkunst. Daneben warten andere, deren „Ablaufdatum“ ebenfalls in weiter Ferne liegen wird, auf ihre „Verjüngungskur“: Wanduhren und Tischuhren, aber auch Taschenuhren, Armbanduhren und Schiffsuhren.

Peter Mahlstedt ist der Spezialist für alte Uhren, die wie neu werden sollen. Wenn er das Innenleben zeitmessender Prachtstücke auf Vordermann bringt, weiß er, dass er ihre Laufzeit meist um ein Vielfaches verlängert. Denn ist die alte Uhrwerkstechnik unter den fachkundigen Händen des Klockenschoosters erst einmal auf ihren „Auslieferungsstand“ zurückversetzt, sind ihr kaum noch zeitliche Grenzen gesetzt – außer jenen des natürlichen Verschleißes. Über seine Spezialisierung auf alte Uhren hinaus hat Uhrmachermeister Peter Mahlstedt einen besonderen Alleinstellungswert: Er betreibt die einzige mobile Uhrmacherwerkstatt in seinem Arbeitsgebiet.

Letzteres sind die Landkreise Nienburg, Diepholz, Verden und Rotenburg sowie das Stadtgebiet von Bremen und die Umgebung der Hansestadt. In diesem Gebiet bietet der Klockenschooster Service vor Ort sowie einen Hol- und Bringdienst. „Kleinere Reparaturen erledige ich sofort an Ort und Stelle“, erklärt Peter Mahlstedt. Die Ausrüstung dafür hat er in seinem Firmenfahrzeug mit dem Klockenschooster-Logo. Aufträge, die mehr Zeit erfordern, führt er mit Akribie in seiner Werkstatt in Wechold aus. In jedem Fall aber bietet er seinen Kunden zuvor eine unverbindliche, gründliche Beratung.

„Das Uhrmacherhandwerk ist ein aussterbender Beruf“, sagt Peter Mahlstedt. „Das war schon so, als ich 1984 meine Ausbildung begann.“ Trotzdem hat sich seine Begeisterung für das Metier der winzigen Schrauben und Zahnräder um keinen Deut verringert. Im Gegenteil, heute, als selbstständiger Uhrmachermeister, hat er sein Traumziel erreicht. Und das umfasst mehr als die berufliche Selbstverwirklichung: „Ich kann meine Kinder aufwachsen sehen“, sagt er. „Als Angestellter im Einzelhandel wäre es für mich wesentlich problematischer.“ Gemeinsam mit seiner Ehefrau Heike ist er nun für die Söhne Bennet (7) und Jannes (11) so oft wie nur möglich da.

Als Peter Mahlstedt von 1984 bis 1987 seine Uhrmacherlehre bei Uhren Hemmer in Bruchhausen-Vilsen begann, waren Ausbildungsplätze in dem Beruf bereits selten. Nach dem Umzug seiner Ausbildungsfirma in Hoyerhagen arbeitete Mahlstedt dort noch zwei Jahre als Geselle. Es folgten zwei Jahre Bundeswehr und weitere zwei Jahre in einem Juweliergeschäft in Harz. Bis 2014 arbeitete er dann als Angestellter in Verden. Während dieser Zeit, 1993, besuchte er die Meisterschule in Hildesheim. Ab 2004 reparierte er im Nebenerwerb alte Uhren, und schließlich machte er sich 2014 in dieser Sparte komplett selbstständig. Seitdem arbeitet er sowohl für private Kunden als auch für Firmen. Bei letzteren handelt es sich meist um Uhrmacherbetriebe.

Oft ist Peter Mahlstedt mit einem Stand auf Ausstellungen in Aktion zu sehen. Termine für das kommende Jahr stehen schon fest, so etwa im März im Kreismuseum Syke, im Juni beim Schlossgartenfest in Etelsen, im August beim Brokser Markt und im Oktober bei einer Veranstaltung des Heimatvereins Estorf.

„Ich freue mich, wenn ich einem stillstehenden Uhrwerk wieder Leben einhauchen kann“, zieht Peter Mahlstedt ein Resümee seines Berufs, der zugleich seine Passion ist. „Denn mit einer Uhr wird oft ein Stück Familiengeschichte von Generation zu Generation weitergegeben“, erklärt der Wecholder. Besonders freut es ihn, wenn junge Leute von heute beispielsweise zur Konfirmation Opas aufgearbeitete Taschenuhr oder Omas instand gesetzte goldene Armbanduhr als Geschenk erhalten.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema:

Terror-Finanzierung? Ermittler durchsuchen Berliner Moschee

Terror-Finanzierung? Ermittler durchsuchen Berliner Moschee

Pro und Contra: Promis und Weihnachten

Pro und Contra: Promis und Weihnachten

Das sind die elf wertvollsten Werder-Profis 

Das sind die elf wertvollsten Werder-Profis 

G20-Prozess um Brandstiftungen an der Elbchaussee beginnt

G20-Prozess um Brandstiftungen an der Elbchaussee beginnt

Meistgelesene Artikel

Nikolausmarkt in Bücken macht seinem Namen alle Ehre

Nikolausmarkt in Bücken macht seinem Namen alle Ehre

Alkoholfahrt nach Sex-Aufforderung

Alkoholfahrt nach Sex-Aufforderung

Sterntaler-Aktion: Gewinner stehen fest

Sterntaler-Aktion: Gewinner stehen fest

Schönheitsschlaf beendet: Ziegeleisee ruhte lange Jahre im Verborgenen

Schönheitsschlaf beendet: Ziegeleisee ruhte lange Jahre im Verborgenen

Kommentare