Hoyerhagens Schneckenhaus

Svenja Witte züchtet und sammelt seit Kindheitstagen Schnecken

Svenja Witte liebt ihre Schnecken, sie besitzt viele verschiedene Arten. Nur den Wunsch von einer Wolfsschnecke konnte Witte sich noch nicht erfüllen.

Hoyerhagen - Von Karin Neukirchen-Stratmann. Idyllisch liegt das alte Haus an der Grenze zwischen Hoyerhagen und Bruchhausen-Vilsen. Bereits am Eingang erkennt der Besucher: Hier wohnt jemand, der ein Herz für Tiere hat. Dass diese Tiere Schnecken sind, ist ebenfalls nicht zu übersehen, denn es gibt sie nicht nur lebend, sondern auch aus Ton, als Plüschtier, Uhr, Keksdose, Kerze, Aufziehtier, Handpuppe und sogar als Fruchtgummi.

Svenja Witte wohnt hier mit ihrer Familie. Ihre Leidenschaft für Schnecken hat sie im zarten Alter von neun Jahren entdeckt, das war vor 40 Jahren. Sie blickt zurück, wie alles begann: „Ostern 1977 bekam ich mit meiner Zwillingsschwester je eine Schildkröte geschenkt. Leider überlebte meine den Winterschlaf nicht. Mein Vater wollte mir dann eine Neue besorgen, aber das dauerte mir zu lange. Ich bin nach draußen gegangen und habe ein paar Schnecken gesammelt.“ Damit war der Grundstein der neuen Leidenschaft gelegt. Drei Schnecken, Peterle, Mausi und Gina, zogen in ein Bassin ihres Bruders ein. „Der hatte damals schon Salamander und Blindschleichen“, erinnert Witte sich.

Bei einem Familienurlaub im Schwarzwald und dem Besuch der Insel Mainau im Bodensee entdeckte Svenja Witte damals eine riesige Schnecke an einem Baum. „Das war eine Achatina fulica, eine ostafrikanische Riesenschnecke. Die mögen das fast tropische Klima der Insel sehr gerne. Damals wusste ich das natürlich alles noch nicht, aber für mich stand fest: So eine Art möchte ich mal haben“, erinnert sich Svenja Witte. Heute, 40 Jahre später, tummeln sich in Hoyerhagen zahlreiche Arten, von Riesenschnecken bis hin zu winzigen Exemplaren, die nicht mal einen halben Zentimeter groß sind. Svenja Witte hat dazu ein Zimmer in ihrem Haus zum „Schneckenzimmer“ umfunktioniert. Dort stehen drei große und ein kleines Terrarium. Alle haben eine Bodenschicht, darauf wird regelmäßig Kalk gestreut. „Das ist wichtig für das Wachstum der Schnecken, für das Gehäuse“, erklärt Svenja Witte. Zu fressen bekommen die Tiere Gurken, Süßkartoffeln, Möhren, Erdbeeren, Papayas, Nektarien oder Löwenzahn.

Die Schnecken haben in ihren Terrarien viel Platz und fühlen sich dort rundum wohl. Fotos: Karin Neukirchen-Stratmann

Ihr Wissen rund um die Schnecken hat sich Svenja Witte im Laufe der Jahre angelesen oder von anderen Schneckenfreunden erfahren. „Meine Schwester wohnt in England, und dort gab es auch eine Züchterin, von der ich die ersten Riesenschnecken und einige andere Arten bekommen habe“, erzählt Svenja Witte. Das war 1994, kurz darauf nahm sie an einem Malwettbewerb von Radio Bremen teil, und bekam für ihr Kreidebild ihrer Schnecken samt Sittich den ersten Preis – ein Tierbuch. „Die Originalzeichnung habe ich dem Tierheim, das zu dem Wettbewerb aufgerufen hatte, geschenkt.“

Eine lustige Begebenheit kann Svenja Witte im Zusammenhang mit ihrer Zwillingsschwester erzählen. „Ich kaufte mir im Urlaub in Österreich eine Schnecke aus Plüsch, meine Schwester erwarb eine gleiche Schnecke zeitgleich in England, ohne dass wir uns abgesprochen oder uns davon erzählt hatten.“

Regelmäßig besucht sie auch Reptilienmessen oder tauscht sich via Internet mit anderen Schneckenfreunden aus. Doch Schnecken sind nicht das einzige Hobby der gelernten Diätassistentin. Töpfern ist ihre zweite Leidenschaft. „Als Kind schon habe ich gerne Figuren geformt. Dann kam irgendwann der Ton.“ Heute sind es, wenig verwunderlich, Schnecken, die so entstehen, aber auch andere Dekorationsartikel wie Schalen. Verkauft werden diese auf Kunsthandwerkermärkten. „Aber mehr als zwei oder drei schaffe ich nicht pro Jahr“, sagt Svenja Witte. Als „Hoyahäger Ton(schn)ecke“ hat sich die 49-Jährige auch damit einen Namen gemacht.

Immer wieder spannend ist für Witte, wenn sie feststellt, dass ihre Schnecken Eier vergraben haben. „Die Achatina fulica kann bis zu 300 Eier legen, aber es gibt auch Arten, die deutlich weniger und zudem größere Eier legen. Und die Achatina Alissa bringt lebende Jungen zur Welt, eine Besonderheit.“

Dass Schnecken nur im „Schneckentempo“ unterwegs sind, ist übrigens nicht richtig. „Diese indonesischen Schnecken sind ganz schön flott“, sagt Svenja Witte und zeigt auf einige Exemplare in einem Terrarium, die sich in der Tat sehr zügig fortbewegen. Einen Wunsch möchte sich die Schneckenfreundin noch erfüllen: „Ich hätte gerne irgendwann die Wolfsschnecke. Das ist die eine fleischfressende Art.“ Letztendlich aber steht für Svenja Witte fest: „Alle sind schön“.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema:

La Strada in Rotenburg - der Sonntag

La Strada in Rotenburg - der Sonntag

jbs-Maisfeldfete - der Oldieabend

jbs-Maisfeldfete - der Oldieabend

28. Jugend-Kart-Slalom in Martfeld 

28. Jugend-Kart-Slalom in Martfeld 

jbs-Maisfeldfete in Westeresch - Teil 2

jbs-Maisfeldfete in Westeresch - Teil 2

Meistgelesene Artikel

Endlich geht’s los: Schiffsliegestelle in Hoya wird saniert

Endlich geht’s los: Schiffsliegestelle in Hoya wird saniert

Handwerkertag versetzt Besucher in Schweringen zurück in die 1950er-Jahre

Handwerkertag versetzt Besucher in Schweringen zurück in die 1950er-Jahre

Erdbeben erschüttert Landkreis Nienburg 

Erdbeben erschüttert Landkreis Nienburg 

Mängel im Kreis Nienburg: Brückenunglück wie in Genua ausgeschlossen

Mängel im Kreis Nienburg: Brückenunglück wie in Genua ausgeschlossen

Kommentare