Hoyerhagen, Hassel und Schweringen betroffen / Vertreter-Versammlung in Verden

Auch die Volksbank schließt kleine Filialen auf dem Land

+
Die Vorstandsmitglieder Wolfgang Dreyer, Elmar Eich und Stefan Ullmann (von links) mit der Referentin Prof. Dr. Jutta Rump.

Von Michael Wendt. Nach der Sparkasse schließt nun auch die Volksbank Aller-Weser kleinere Geschäftsstellen, unter anderem in Hassel, Hoyerhagen und Schweringen. Dabei hatte Vorstand Stefan Ullmann noch am 15. Mai gegenüber unserer Zeitung behauptet: „Aktuell gibt es keine Schließungsnotwendigkeiten“. Bei der Vertreterversammlung am Donnerstagabend in der Stadthalle Verden gab die Bank dann aber bekannt, dass insgesamt sechs Filialen zum 30. September geschlossen werden – und dass ihre Vermögenslage „überdurchschnittlich gut“ ist.

Einer der fast 180 Vertreter, von denen rund zwei Drittel in Verden anwesend waren, ist Heiko Lange aus Hassel. Als stellvertretender Bürgermeister hatte er die Sparkasse wegen ihrer Filialschließung scharf kritisiert (siehe Bericht vom 27. Mai). Nach der Bekanntgabe der geplanten Filialschließungen gab es laut Lange eine kurze, aber emotionale Aussprache. „Dabei konnte man mich in der Stadthalle auch ohne Mikrofon verstehen“, sagt der Hasseler und macht seinem Ärger Luft.

Bargeld-Bringservice für eine Übergangszeit

Die Volksbank führte zur Begründung der Schließung unter anderem das veränderte Nutzerverhalten (Stichwort „Onlinebanking“) und Einbußen aufgrund der aktuell niedrigen Zinsen an. Und: „Die Mitarbeiter werden in den größeren Geschäftsstellen und Kundenservicecentern benötigt, um bessere Servicezeiten und eine höhere Beratungsqualität anzubieten“ – so heißt es in einer gestern verschickten Pressemitteilung. Außer den Geschäftsstellen Hoyerhagen, Hassel und Schweringen werden auch die in Bendingbostel, Völkersen und Westen zum 30. September geschlossen.

Für eine Übergangszeit werde die Volksbank den betroffenen Kunden einen Bargeld-Bringservice anbieten. Bislang sind die Filialen in Hoyerhagen und Hassel montags bis freitags von 9 bis 12 Uhr geöffnet.

Heiko Lange vermutet, möglicherweise selbst dazu beigetragen zu haben, dass die Volksbank ihre Schließungspläne während der Versammlung öffentlich machte. Am Montag hatte er dem Vorstand einen Brief geschrieben, in dem er den Vorstand bat, unter dem Tagesordnungspunkt „Verschiedenes“ Stellung zu nehmen zu folgenden Fragen:

– Wie ist Ihre konkrete Einschätzung zur derzeitigen Situation über mögliche Filialschließungen?

– Welche wirtschaftlichen Parameter oder sonstigen Umstände haben Einfluss auf den Erhalt oder die Schließung einer Filiale?

– Sind Sie bereit, im Vorfeld Maßnahmen mit den politischen Vertretern der betroffenen Kommunen zeitgerecht zu erörtern?

Hintergrund: Heiko Lange arbeitet mit am Zukunftkonzept „Hassel 2030“, mit dem der Ort dem demografischen Wandel begegnen möchte. „Die Bemühungen, den Ort für die Zukunft stark zu machen wird mit solchen, nicht kommunizierten Maßnahmen, ad absurdum geführt“, schimpft er. „Man kann nicht jeden bei der Stange halten, das weiß ich. Aber wir müssen die Möglichkeit haben, reagieren zu können. Hauptsache, man kommuniziert das vorab.“

Er habe hingegen das Gefühl, bewusst hingehalten worden zu sein, wenn die Volksbank entgegnet, man wollte zuerst die Vertreter informieren. Immerhin haben laut Lange Vorstand und Aufsichtsrat bei der Versammlung betont, die Entscheidung zur Filialschließung sei über einen längeren Zeitraum reiflich überlegt und beraten worden. Das passe nicht zu den Aussagen von Stefan Ullmann vom 15. Mai. Aber: „Die Entscheidung sei gefallen, wie uns versichert wurde unwiderruflich“, sagt Heiko Lange und fordert: „Sparkasse und Volksbank sollten im Sinne der Hasseler Kunden zumindest einen Automatenbetrieb zur Verfügung stellen.“

Fritz Lühmann als Aufsichtsrat bestätigt

Die Zeitung war zu der Versammlung nicht eingeladen worden und wurde gestern per Pressemitteilung über die Versammlung und das Geschäftsjahr 2014 informiert. Darin freut sich die Volksbank über positive Zahlen (siehe Kasten) und bezeichnet die Vermögenslage als „überdurchschnittlich gut“.

„Das Vertrauen der Mitglieder nimmt zu“, sagte Vorstand Wolfgang Dreyer angesichts der steigenden Mitgliederzahlen.

Der Aufsichtsratsvorsitzender Fritz Lühmann aus Hoya, wurde erneut in den Aufsichtsrat gewählt, ebenso wie Alexander Grantz (Verden), Harald Hoops (Dörverden), Heinz Hermann Maack (Langwedel) und Hans-Henning Meyer (Marklohe).

Außerdem überreichte der Vorstand dem Eystruper Verein „Hafensänger & Puffmusiker“ eine Spende von 1000 Euro.

Zum Abschluss der Vertreterversammlung referierte die Professorin Jutta Rump von der Hochschule Ludwigshafen darüber, wie die „Generation Y“ (so nennen Soziologen die zwischen 1977 und 1998 Geborenen) tickt.

Das Geschäftsjahr 2014 in Zahlen:

Bilanzsumme: 650,4 Mio. Euro (+ 1,6 Prozent)

Kreditvolumen: 333,5 Mio. Euro (+ 8,4 Prozent)

Eigenkapital: 75,8 Mio. Euro ( 11,6 Prozent der Bilanzsumme)

Dividende: 7 Prozent

Mitglieder: 14045 (+614)

Mitarbeiter: 171

Azubis: 14Steigerungen im Vergleich zum Vorjahr

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema:

Bilder: Keine Nerven vom Punkt - DFB-Frauen siegen gegen Russland

Bilder: Keine Nerven vom Punkt - DFB-Frauen siegen gegen Russland

DFB-Elf mit zwei Elfmeter-Toren ins EM-Viertelfinale

DFB-Elf mit zwei Elfmeter-Toren ins EM-Viertelfinale

Schwimmer Wellbrock erreicht WM-Finale: "Riesig"

Schwimmer Wellbrock erreicht WM-Finale: "Riesig"

Sommerreise durch den Landkreis Diepholz - der Dienstag

Sommerreise durch den Landkreis Diepholz - der Dienstag

Meistgelesene Artikel

Löschen mit den Waldbrandexperten

Löschen mit den Waldbrandexperten

Gefährliche Eingriffe in den Straßenverkehr

Gefährliche Eingriffe in den Straßenverkehr

Gosse fertig, Leitungen im Bau, Asphalt kommt

Gosse fertig, Leitungen im Bau, Asphalt kommt

Kommentare