„Die Hoyaer haben Selbstbewusstsein“

Viele Gäste beim Neujahrsempfang im Kulturzentrum Martinskirche

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Landrat Detlev Kohlmeier hielt die Festrede.

Hoya – „Hoya – Nienburgs starker Norden“ hatte Landrat Detlev Kohlmeier seine Festrede überschrieben. Hoya sei kein Anhängsel Nienburgs, sondern eher verhalte es sich umgekehrt, präzisierte er in seiner Ansprache während des Neujahrsempfangs der Grafenstadt im Kulturzentrum Martinskirche am Samstagnachmittag. Und, mit einem verbalen Ausflug in die Jahrhunderte vor der Kreisreform von 1977, durch die die Grafschaft Teil des Landkreises Nienburg wurde: „Ohne die Hoyaer Grafen und deren Kauf Nienburgs würde die Kreisstadt heute sicherlich anders aussehen.“

„Überlegungen für einen Exit bringen nichts“, formulierte Kohlmeier und plädierte für ein Miteinander des „starken Nordens“ und des übrigen Landkreises. Hoya sei nach wie vor ein besonderes Zentrum, betonte der Landrat und ergänzte: „Die Hoyaer haben Selbstbewusstsein. Mit dem Titel ,Starker Norden Nienburgs‘ können sie sicherlich leben.“ Kohlmeier erinnerte daran, dass täglich weit mehr Arbeitnehmer in die Stadt Hoya einpendeln als diese Einwohner habe. In der Samtgemeinde Grafschaft Hoya gebe es über 500 Betriebe, darunter mehrere große und viele kleine, sowie eine beispielhaft niedrige Arbeitslosigkeit von 3,8 Prozent.

Insgesamt gebe es einen guten Branchenmix in der Samtgemeinde, wodurch die gute Arbeit der Wirtschaftsförderung belegt werde. Entsprechend eindrucksvoll sei auch die optimale Vernetzung der Wirtschaft in der Samtgemeinde, dokumentiert durch den Unternehmerstammtisch, den Kohlmeier als eine Keimzelle innovativer Ideen bezeichnete.

Die schulischen Bedingungen in der Samtgemeinde seien hervorragend; das zeige sich allein daran, dass das Hoyaer Johann-Beckmann-Gymnasium Projektschule der „Niedersächsischen Bildungscloud“ geworden sei.

Das Hoyaer Carsharing der Firma Lühmann bezeichnete Kohlmeier als ein beispielhaftes Modell, desgleichen die Himmelfahrts-Radtour „mobile Gewerbeschau“. Bei allem Positivem gebe es aber auch Schattenseiten. Der Landrat nannte in dem Zusammenhang den Flächenverbrauch und die Flächenknappheit. Der Breitbandausbau sei ein hartes Brett, das es noch zu bohren gelte.

Wie geht es weiter?, überschrieb Detlev Kohlmeier seine Zukunftsschilderung einer Fahrt im Elektro-Auto mit Stadtdirektor Detlef Meyer am Steuer und Bürgermeisterin Anne Sophie Wasner auf dem Beifahrersitz – begleitet von einem Hoyaer Schüler auf der hinteren Sitzbank, der im Begriff sei, ein Start-up für eine App zur Beseitigung von Mobilfunklöchern zu gründen. Die Zukunftsfahrt führe durch eine vollständig sanierte Hoyaer Innenstadt bis hin zum Grafenschloss, wo Stadtdirektor und Bürgermeisterin ihre Büros haben und es eine florierende Gastronomie am Weserufer gebe. Kohlmeier schloss seine Rede mit dem Aufruf an die Hoyaer: „Bewahren Sie Ihre Freude am Unternehmen, dann wird Hoya Nienburgs starker Norden bleiben.“

Marion Koppermann (Mitte) erhielt für die Fördergemeinschaft Hoya eine lobende Anerkennung von Stadtdirektor Detlef Meyer und Bürgermeisterin Anne Sophie Wasner.

Pastor Andreas Ruh textete in seiner Schlussrede einen Untertitel zur Redeüberschrift des Landrats: „Hoya rettet die Kreisumlage“. Für seine gewohnt humorige, ans Satirische grenzende Rede erhielt Andreas Ruh begeisterten Beifall von den vielen Gästen des Neujahrsempfangs, insbesondere auch dann, als er dem Landrats-Lob seinen eigenen Superlativ hinzufügte: „Wir, hier in Hoya, sind nicht nur die Mitte Niedersachsens, wir sind auch top!“ Dabei beließ es Hoyas Pastor allerdings nicht; er zählte eine ganze Reihe weiterer bemerkenswerter Dinge auf, derentwegen Hoya spitze sei – vom dicksten Aal (dem Wasserspeier an der Bahnhofstraße) über einen „Flughafen“ mit funktionierendem Brandschutz bis hin zu einem Kirchenneubau aus den 60er-Jahren, der durchaus als Sprungschanze dienen könne. Andreas Ruhs Neujahrs-Worte gipfelten schließlich in dem refrainhaft wiederkehrenden Motto: „Wir sind gut gestimmt, weil wir in Hoya vorne sind.“

Jens Sommerfeld (links, Tenorsaxofon und Altsaxofon) aus Nienburg und Claudio Lanz (Piano) aus Hannover spielten Jazztitel für die Gäste des Neujahrsempfangs der Stadt Hoya. 

Dass Hoya sich einst einen Eintrag ins Guinness-Buch der Rekorde durch Bierkistenstapeln gesichert habe, hatte Bürgermeisterin Anne Sophie Wasner bereits in ihrer Neujahrsansprache erwähnt. „Die Kreisreform von 1977 hatte viele Gegner, unter ihnen kein Geringerer als Rudi Carrell“, sagte sie im ernsteren Teil ihrer Rede und hieß den Landrat im „starken Norden“ willkommen. Wasner lobte die Helfer bei der Errichtung des Hauses im Bürgerpark, unter der organisatorischen Leitung von Thomas Stukenborg. Ein gleichfalls großes Lob der Bürgermeisterin galt der Fördergemeinschaft Hoya und den Ruderern – nach ihrer Weltmeisterschaft – für ihren Erfolg bei der Europameisterschaft. Logische Folge sei nun die Olympia-Teilnahme.

Stadtdirektor Detlef Meyer hatte den 22. Neujahrsempfang mit der Begrüßung der Gäste und einem ausführlichen Jahresrückblick eröffnet. Im Rahmen des Letzteren unterstrich Meyer die wichtige Rolle der Regionalzeitungen bei der Meinungsbildung. Großen Beifall erhielt er, als er seine Wiederwahl als Samtgemeindebürgermeister erwähnte. Die Samtgemeinde Grafschaft Hoya als zweitgrößte Verwaltungseinheit im Landkreis sei in der Tat Nienburgs starker Norden.

Für den musikalischen Teil der Veranstaltung sorgte das Jens-Sommerfeld-Jazz-Duo. Die beiden exzellenten Musiker fanden allerdings kaum Gehör, denn die Lautstärke der Gesprächs-Geräuschkulisse konnten sie mit Saxofon und Flügel nicht durchdringen.

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