PORTRÄT

Otto Heidecke hat zahllose Archivalien über Hoya gesammelt und aufgearbeitet

Otto Heidecke vor dem selbstgefertigten Luftbild von Hoya.
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Otto Heidecke vor dem selbstgefertigten Luftbild von Hoya.

Hoya – Es gibt Mitbürger, die – unbeachtet von der Öffentlichkeit und ohne selbst viel Aufhebens um ihre Person zu machen – mehr oder weniger im stillen Kämmerlein kaum für möglich zu haltende Schätze zusammengetragen haben. Der 1948 nur wenige Schritte von seinem heutigen Wohnsitz in der Bücker Straße Nummer 15 geborene Otto Heidecke aus Hoya ist einer von ihnen.

Seit nunmehr 2005 sammelt der pensionierte Bundesbahnbeamte, der seit 1974 mit Rosemarie, geborene Grimm, aus Altenbücken verheiratet ist, alles Erdenkliche, was in Bild und Schrift über Hoya veröffentlicht worden ist. Hatte er in den 1970er-Jahren nach der Geburt von Tochter Inga zunächst damit begonnen, Bestehendes, aber auch Veränderungen seiner Heimatstadt mit der Filmkamera zu dokumentieren, wandte er sich später zunehmend der Fotografie zu. „Als ich dann vor 20 Jahren krankheitsbedingt vorzeitig in den Ruhestand gehen musste, stellte sich mir die Frage, was ich mit der vielen mir nun zur Verfügung stehenden Zeit anfangen sollte. Ich fasste daher den weitreichenden Entschluss, mich vermehrt mit der Geschichte und der Entwicklung Hoyas, die mich eigentlich schon immer sehr interessiert haben, zu beschäftigen“, antwortet der gelernte Techniker in einem Gespräch mit dieser Zeitung auf die Frage nach seinen Beweggründen.

Jedoch nicht nur das inzwischen fast schon zur Leidenschaft gewordene Stöbern in Archiven, etwa dem der Kreiszeitung, mit dem Otto Heidecke in den vergangenen Jahren ungezählte Stunden zugebracht hat, oder der regelmäßige Austausch mit Gleichgesinnten wie Elfriede Hornecker oder Henry Meyer bestimmen seinen Tagesablauf. Schon im Jahr 2008 hat er sämtliche Häuser der Stadt fotografiert und zudem zahlreiche Filmaufnahmen angefertigt. Weit mehr als 6 000 Aufnahmen sind dabei entstanden. Ein großes, sich aus vielen Einzelbildern zusammensetzendes Wandluftbild Hoyas, das in seinem Arbeitszimmer hängt, gibt darüber Auskunft. Alles in allem umfasst allein sein digitales Archiv an die 200 000 Dateien.

Allerdings machen nicht allein das Sammeln von hoyabezogenen Archivalien den Wert der Arbeit von Otto Heidecke aus. Vielmehr versteht er es auch meisterhaft, diese in selbst angefertigten Büchern zu veredeln. Bald an die 55 Bände mit bislang insgesamt 19 600 Seiten dieser in Handarbeit entstandenen Werke – allesamt in blaues Leinen eingebundene Unikate – decken inzwischen ein breites Spektrum rund um den alten Grafensitz ab. Straßenzüge, bedeutende Einwohner, den Bürgerpark, das Schloss, die Martinskirche, die Weserbrücken, Gaststätten, das Krankenhaus, Schulen, Vereine, Unternehmen und vieles, vieles mehr hat er inzwischen auf diese Weise abgearbeitet. Eine beeindruckende, nach wie vor ständig wachsende Sammlung ist die Folge, in der das allein 574 Seiten starke Werk über die Geschichte Hoyas zwischen den Jahren 400 bis 2000 n. Chr. einen herausragenden Platz einnimmt.

Darüber hinaus hat der hier Vorgestellte aber auch unermüdlich Zeitungsartikel mit Inhalten zur Stadt Hoya gesammelt und seit 1950 jahrgangsweise in Buchform zusammengefasst.

Bei aller Freude an dieser Form von Beschäftigung sind Otto Heidecke aber auch eine deutliche Enttäuschung und unverhohlenes Unverständnis anzumerken, dass nicht nur seitens der Stadt Hoya, sondern auch bei überregionalen Institutionen so gut wie kein Interesse an seiner Tätigkeit besteht. Dabei wäre zumindest die örtliche Kommune zweifellos gut beraten, sich diesen einzigartigen, noch dazu erstklassig aufgearbeiteten und gepflegten Fundus bei Zeiten zu sichern. Es wäre jedenfalls ein Jammer und nicht wieder gutzumachender Schaden, wenn dieser eines Tages aus Unkenntnis oder Oberflächlichkeit, und dafür gibt es genügend vergleichbare Fälle, den Weg in den Altpapiercontainer antreten müsste.

Kontakt

Für Anregungen oder weiteres Archiv-Material ist der Hoyaer stets zugänglich. Bei Interesse ist er auch bereit, das eine oder andere Buch zu verkaufen. Zu kontaktieren ist er unter der Telefonnummer 04251/92084 oder per E-Mail an otto.heidecke@t-online.de.

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