Marion Blumenthal Lazan in ihrer Heimat 

Holocaust-Überlebende mit wichtigen Botschaften in Hoya

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„Der Judenstern war ein schönes Symbol, bis die Nazis es missbraucht haben“, findet Marion Blumenthal Lazan.

Hoya - Von Anika Bokelmann. Ihre große Vorstellungskraft und ihr Glaube haben Marion Blumenthal Lazan die schreckliche Zeit des Nationalsozialismus überleben lassen. Davon ist die 82-Jährige fest überzeugt. „Trotz einer schweren Kindheit habe ich heute ein erfülltes Leben“, berichtete sie am Dienstag den Schülern in der Aula der Hoyaer Oberschule.

Dorthin hatte die Stiftung niedersächsischer Gedenkstätten eingeladen, um den Erinnerungsbericht von Marion Blumenthal Lazan vorzustellen. Unter dem Titel „Vier Kieselsteine“ schildert Blumenthal den Schrecken und Momente ihrer jüdischen Familie – angefangen bei der Verfolgung durch die Nationalsozialisten über gescheiterte Auswanderungsversuche, die Verhaftung bis zur Befreiung und endgültigen Auswanderung in die USA.

„Schmutz, Gestank und Angst lassen sich nicht in Worte und Bilder fassen“, sagt Blumenthal Lazane, die mit ihrem Ehemann Nathaniel Lazan nach Hoya gekommen war. In der Grafenstadt wurde sie einst geboren, lebte bis zu ihrem vierten Lebensjahr in Hoya und ist seit zwei Jahren Ehrenbürgerin.

Ausgrenzung in Hoya

„Unser Leben in Hoya war ähnlich wie eures heute“, richtet sich die Zeitzeugin an die Schüler des fünften bis siebten Jahrgangs. Doch die Nürnberger Gesetze änderten 1935 alles. „Ab diesem Zeitpunkt wurden die Juden ausgegrenzt. Mit der Kristallnacht begann die Massenzerstörung.“ Als Marion Blumenthal mit neun Jahren auf dem „Boulevard de misère“ ins Konzentrationslager gebracht wurde, sei sie naiv gewesen: „Wir freuten uns über die Abwechslung.“

Kälte, Dunkelheit und Schmerz begleiteten die Familie Blumenthal ab diesem Zeitpunkt. Was sie in den anderthalb Jahren in Bergen-Belsen erlebte, beschreibt die 82-Jährige in der Oberschule eindrücklich. Denn ihr oberstes Ziel ist es, „das Grauen weiterzugeben“. „Für mich ist es zwar schwer, über meine Kindheit zu sprechen, aber es ist wichtig. Irgendwann bin ich als Zeitzeugin nicht mehr da, und dann müsst ihr meine Geschichte euren Kindern erzählen“, lautet eine ihrer Botschaften.

Elend in Bergen-Belsen 

In dieser Geschichte gehe es um viel Leid, das „meinen Körper und meine Seele gebrochen hat“, so Blumenthal Lazan bezüglich des Anblicks der zahlreichen Toten im Konzentrationslager in Bergen-Belsen und später beim Transport in den Osten. „Ich denke immer, das war alles nur ein Traum“, sagt die Frau, die selber noch immer kaum glauben kann, dass Menschen die Qualen des Nationalsozialismus überlebten.

Abgelenkt hat sich Marion Blumenthal durch selbst erfundene Spiele. Eines davon liefert nun den Titel für die neue Publikation „Vier Kieselsteine – die Geschichte der Familie Blumenthal aus Hoya“. Diese Kiesel symbolisieren die Familienmitglieder: Vater Walter Blumenthal, der im Sommer 1945 kurz nach seiner Befreiung an Fleckfieber stirbt, Mutter Ruth Moses, die im Dezember 2012 mit 104 Jahren in Amerika stirbt, sowie die Geschwister Albert und Marion.

Eigenes Verhalten hinterfragen 

Letzte führt Jugendlichen nun vor Augen, dass sie Respekt, Achtung und Liebe füreinander aufbringen sollten – „das fängt bei euch zu Hause an und verbreitet sich“. „Diese einfache Botschaft ist so schwer zu erreichen“, bedauert Hoyas Ehrenbürgerin. Als weiteren Rat merkt Blumenthal Lazan an: „Wir haben zwar keine Kontrolle über das Weltgeschehen, aber über unser eigenes Verhalten: Folgt niemals blind einer Forderung.“

Nach ihrem ersten Besuch in der Bundesrepublik, 1995, war Marion Blumenthal Lazan mehrfach wieder in ihrer Heimat. Und vielleicht wird es schon bald ein Wiedersehen mit der Ehrenbürgerin in Hoya geben. 

Denn die örtliche Oberschule soll ab Sommer ihren Namen tragen, sagte Schulleiter Marc Badermann. bereits die die ehemalige Hoyaer Hauptschule hieß Marion-Blumenthal-Schule

Lesen Sie dazu auch: IG Synagoge fordert Schul-Umbenennung

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