Ein brillanter Henning Scherf spricht über Senioren-WGs und das Älterwerden

„Einsamkeit ist die Last des Alters – tut euch zusammen“

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Publikumsnähe suchte Henning Scherf in der voll besetzten alten Hoyaer Martinskirche. Während seine Co-Redner sprachen, setzte er sich zu den Zuhörern.

Von Horst Friedrichs. Ein Mann schiebt sich durch die Publikumsreihen, still und bescheiden und fast so, als wollte er nicht auffallen. Doch für jeden Einzelnen, dem er die Hand gibt, ist es eine überwältigende Geste überbordender Herzlichkeit und Sympathie. Hochgewachsen ist dieser Mann, überragend im wahrsten Wortsinn, und deutschlandweit als Mensch bekannt, zu dem man bewundernd aufblickt: Henning Scherf nutzt die Zeit vor dem Beginn seines Vortrags, um jeden seiner Zuhörer im Hoyaer Kulturzentrum persönlich zu begrüßen.

Dafür war Scherf schon zu seinen Zeiten als Bremer Bürgermeister bekannt. Neider und Missgünstige hielten seine Suche nach Bürgernähe für aufgesetzt, für Wahlkampf. Heute steht der 77-Jährige wohl bei niemandem mehr im Verdacht, um Wählergunst zu heischen. Am Donnerstagabend zeigt er mit verblüffender Selbstverständlichkeit, dass ihm der Kontakt zu den Menschen ein Herzensanliegen ist.

Ein Glanzlicht im Hoyaer Veranstaltungsreigen hatte die Volksbank Aller-Weser mit der Einladung an Henning Scherf gesetzt, über das „Wohnen im Alter“ und über das Altern schlechthin zu sprechen. Die Zuhörer erleben einen brillanten wie faszinierenden Redner, der es versteht, die ganze Bandbreite menschlichen Empfindens in treffende Worte zu packen. Und wie ein roter Faden zieht sich durch seine energiegeladene Mitteilsamkeit jene Verve, mit der er sich für die Idee der Wohngemeinschaft im Alter einsetzt.

Die seit 28 Jahren bestehende Senioren-WG, in der Scherf in der Bremer Innenstadt lebt, hat bundesweit bereits viele Nachahmer gefunden. „Ich kann schon ganz gut kochen“, plaudert Scherf aus dem Nähkästchen. „So gut wie die anderen bin ich noch nicht. Aber ich lerne dazu, und mein Essen schmeckt ihnen schon.“ Ebendies haben die Gastgeber wohl bedacht, und so gibt ihm Volksbank-Vorstandsmitglied Wolfgang Dreyer einen großen Geschenkkorb voller Lebensmittelprodukte aus der Region mit auf den Rückweg an den heimischen Herd.

„Wir haben nur noch ein Auto“, beschreibt Ex-Bürgermeister Scherf einen weiteren Entwicklungs-Aspekt seiner zehnköpfigen WG. „Zu Anfang hatte jeder eins.“ Mit etlichen Details aus dem WG-Alltag teilt er Insider-Wissen: „Unsere Singles genießen zum ersten Mal seit langer Zeit ein richtiges Familienleben. Ja, unsere Wohngemeinschaft ist ein Lebenselixier.“

Scherf sagt: „Die Hauptlast im Alter ist die Einsamkeit. Tut euch mit anderen Leuten zusammen. Dadurch schafft ihr Lebensperspektive und Pflege-Vermeidendes.“ Dazu nennt er das Beispiel von sieben Nachbarinnen, von denen jeweils eine an einem Tag der Woche für die anderen kocht.

„Ich will Sie anstiften und neugierig machen“, ruft Henning Scherf seinem Publikum zu, „darauf nämlich, mit dem Altwerden im Leben zu stehen.“

Burschikos wie gewohnt spricht Scherf seine Gastgeber an: „Ihr Banker solltet euer Geld in Senioren-WGs anlegen. Das geht sowohl auf dem flachen Land als auch in der Stadt.“

Zu Beginn der Veranstaltung am Donnerstag sprach der ehemalige Rechtsanwalt und Notar Dr. Klaus Grantz über Vorsorgevollmachten und Patientenverfügungen. Das Thema Pflegeversicherungen beleuchtete Andreas Brandt von der R+V Krankenversicherung.

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