Fahrzeug war lange unbenutzt

Huhn brütet Küken in Trecker aus – und wird gerade noch rechtzeitig entdeckt

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Ein ungewöhnlicher Platz zum Brüten: Unter der Motorhaube eines alten Treckers machte es sich diese Henne gemütlich.

Eystrup - Von Andree Wächter. Da hat eine Henne ganz viel Glück gehabt. Sie brütete ihre Eier unter der Motorhaube eines alten Bautz‘. Als Heiko Dörfer den 18-PS-Trecker aus einer Scheune fuhr, befanden sich das Muttertier und die frisch geschlüpften Küken noch unter der Haube. „Ich wusste nicht, dass sie dort sind. Zum Glück bin ich nur einige Meter gefahren“, sagt der Eystruper. Den Tieren ist nichts passiert.

Der Trecker hatte lange in der Scheune gestanden. Diesen Umstand machte sich die Henne zunutze. Sie guckte sich das landwirtschaftliche Gefährt aus, um dort zu brüten. Vor einigen Tagen schlüpften die Jungen. 

Im Anschluss fuhr Dörfer den grünen Trecker zufällig aus der Scheune auf den Hof. „Als er dort stand, habe ich komische Geräusche gehört“, sagt er. Nach dem Öffnen der Motorhaube machte der Eystruper große Augen. Er entdeckte die Henne samt Küken.

Das Nest hatte das Muttertier zwischen Kühlergrill und Keilriemen gebaut. Dazwischen befinden sich rund 30 Zentimeter Platz. Der Versuch, die Hühner umzuquartieren, schlug fehl. „Die Henne ging samt der Kinderschar immer wieder zurück“, sagt der 52-Jährige. 

Die Motorwärme hätte den Tieren schaden können

Wäre der gelernte Schäfer, der heute in einer Fabrik für Freizeitgeräte arbeitet, weiter als die paar Meter auf den Hof gefahren, wären die Tiere der für sie gefährlichen Motorwärme ausgesetzt gewesen. Und beim Verlassen des Nests hätten die Hühner in den laufenden Keilriemen gelangen können.

Neben einigen Hühnern leben noch weitere Tiere auf dem Hof: Kaninchen, Zwerghühner, Tauben und Hund „Biene Maja“. Viele Kinder aus der Nachbarschaft kommen gerne zu Besuch. Sie lernen von Dörfer viel über den Umgang mit Tieren.

Heiko Dörfer hat neben dem Bautz noch einen weiteren Trecker: einen Deutz. Mit dem 55 Jahre alten Gefährt hat er schon viele Reisen unternommen. „Ich war schon zweimal in meiner Heimat, der Uckermark an der polnischen Grenze“, erzählt er. Der 20-PS-Deutz-Trecker fährt bis zu 16 Stundenkilometer. 

Heiko Dörfer am Steuer des Deutz‘. Mit dabei: (von links) Hündin „Biene Maja“, Nachbarskind Marta und Ehefrau Angelika.

Von Eystrup bis in seine Heimat benötigt Dörfer rund drei Tage. Übernachtet wird in einem angehängten Schäferwagen. Der Einachser ist ausgestattet mit Ofen, Bett und einem kleinen Kühlschrank. „Mehr brauche ich nicht“, sagt der 52-Jährige. Ein- bis zweimal im Jahr schlüpft der Eystruper in seinen alten Beruf. Dann fährt er mit dem Deutz zum Schafehüten in die Lüneburger Heide.

Mit seinem Trecker-Schäferwagen-Gespann ist Dörfer ein Blickfang. Doch nicht überall kommt der Eystruper damit hin: „Beim Versuch, auf den Brocken zu fahren, hat mich die Polizei angehalten und die Weiterfahrt untersagt. Ich musste umkehren.“

Von solchen Rückschlägen lässt sich Heiko Dörfer aber nicht entmutigen. Für die kommenden Jahre hat er sich ein großes Ziel gesteckt: „Ich möchte mit Trecker und Anhänger nach Paris, zum Eiffelturm.“

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