Heimatmuseum im Aktenzeichen-XY-Modus: Suche nach Buch aus 17. Jahrhundert

Wo sind die alten Hoyaer Gerichtsakten geblieben?

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So könnte das verschollene Buch aussehen: Museumsleiterin Elfriede Hornecker zeigt einen ähnlich alten Wälzer aus den Beständen des Hoyaer Heimatmuseums.

Hoya - Von Horst Friedrichs. Ein Buch mit sieben Siegeln ist es wohl nicht, aber zumindest ebenso rätselhaft: Ein Hoyaer Protokollbuch aus dem Jahr 1600 ist verschwunden und wird noch immer vermisst. Nun aber soll die Suche in eine entscheidende Phase treten.

Die Einwohner Hoyas und die der Umgebung werden gebeten, mitzuhelfen. „Wenn es gelänge, den Folianten aufzuspüren und zu sichern, wäre es das älteste Buch im Fundus des Hoyaer Heimatmuseums“, sagte dessen Leiterin Elfriede Hornecker in einem Pressegespräch. Hartmut Koppermann, der vor Jahren als ABM-Kraft im ehemaligen von-Staffhorstschen Gutshaus arbeitete und dem Museum, das dort untergebracht ist, seither treu blieb, ist dem Buch mit akribischer Ermittlungsarbeit auf der Spur. Auch Elfriede Hornecker ist vom Jagdfieber gepackt und unterstützt den Hoyaer mit allen Mitteln, die das Museum aufbieten kann. Doch die Zielfahndung der Buchdetektive führte bislang zu keiner heißen Spur. Deshalb haben beide jetzt beschlossen, in den Aktenzeichen-XY-Modus überzugehen, sich an die Öffentlichkeit zu wenden und die Leser der Kreiszeitung um Mithilfe zu bitten.

„Wo steckt der alte Wälzer?“, lautet die spannende Frage, die sich nach Hartmut Koppermanns Hoffnung möglicherweise eingrenzen lässt: „Vielleicht steht das Buch irgendwo in einem Regal und wartet nur darauf, entdeckt zu werden. Es kann ja sein, dass die heutigen Besitzer gar nicht ahnen, welchen Schatz sie da bei sich bewahren.“ So werden die 500 Jahre alten Buchdeckel mit ihrem gewichtigen Inhalt zur „Hauptperson“ eines Krimis, der nun im Hoyaer Heimatmuseum abläuft. Beim besagten Inhalt handelt es sich auch um Kriminelles: um handschriftliche Gerichtsprotokolle aus den Jahren von 1600 bis etwa 1620 nämlich.

Die neuzeitliche Geschichte der historisch wertvollen Textsammlung begann vor etwa 30 Jahren, als Eberhard Greis, der damalige Vorsitzende des Museumsvereins Hoya, gemeinsam mit Hartmut Koppermann eine Handwerkerfamilie in Hassel besuchte. „Dort wurde uns ein großes, braunes, von den Jahrhunderten gezeichnetes Buch gezeigt“, berichtet Koppermann. „In den Protokollen lasen wir über Grenzstreitigkeiten, Kindesunterhaltsverfahren und ähnliche Fälle.“ Lange Zeit, so vermutet der Buchfahnder, habe das Werk wohl im Hoyaer Amtshaus am Hasseler Steinweg gestanden – in unmittelbarer Nachbarschaft des heutigen Rathauses und des Wasser- und Schifffahrtsamts und späteren Sportinstituts.

In den 1930er-Jahren wurde das Amtshaus zum Kinderheim umgebaut. „Während der Bauarbeiten landeten viele Akten und Bücher auf einem großen Haufen im Keller des Gebäudes“, erzählt Hartmut Koppermann weiter. „Eigentlich sollte das alles entsorgt werden, aber einer der Handwerker entdeckte das Gerichtsbuch und nahm es mit nach Hause.“ Der Erbe des historischen Kleinods bot es dem damals noch jungen Hoyaer Museum an, doch ein Ankauf fand nicht statt. Später, so Koppermann, sei das Buch in andere Hände gelangt; wer es bekommen hat, sei jedoch nicht bekannt.

„Schon vor fünf Jahrhunderten wurde im Hoyaer Schloss Recht gesprochen“, sagt Hartmut Koppermann. „Schön wäre es, wenn das Buch wieder dorthin, an seinen angestammten Platz, käme und von vielen Menschen betrachtet werden könnte. Eine Präsentation der Jahrhunderte alten Rechtssprechungspraxis an diesem Ort würde wie das Tüpfelchen auf dem I zum neuen Nutzungskonzept des Schlosses passen.“ Mithilfe elektronischer Medien werde es vielen Menschen ermöglicht, die alten Gerichtsverfahren zu studieren – womit nicht zuletzt auch Schulen und Heimatforschern eine neue Quelle zur Verfügung stünde.

„Alle Anrufe bei Sammlern und Heimatforschern hatten bislang leider kein Ergebnis“, sagt Koppermann. „Das Buch ist verschollen.“ Dankbar wären er und Elfriede Hornecker schon, wenn sie nur wüssten, wo sich das Buch befindet.

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