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Kein Hautarzt für Hoya in Sicht

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Von: Horst Friedrichs

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Dr. Frank Wehner
Dr. Frank Wehner © Horst Friedrichs

Hoya – Hautarzt Dr. Frank Wehner schließt seine Praxis in Hoya zum 1. April. Jetzt entschied sich auch die Hautärztin, die der Grafschaft als mögliche Nachfolgerin Hoffnung gemacht hatte, anders.

Der schlechten Nachricht folgt keine gute: Hautarzt Dr. Frank Wehner schließt seine Praxis in Hoya zum 1. April. Das ist bereits bekannt. Die Kreiszeitung berichtete im Dezember vorigen Jahres darüber. Doch nun folgt die neue Hiobsbotschaft: Eine junge Hautärztin, die der Grafschaft Hoya als mögliche Nachfolgerin Dr. Wehners Hoffnung gemacht hatte, entschied sich anders. Weder in Hoya, noch in Nienburg will sie sich niederlassen. Stattdessen fiel ihre Wahl auf Düsseldorf.

Das teilte York Schmelter, Leiter der Stabsstelle Wirtschaft und Tourismus im Hoyaer Rathaus, der Kreiszeitung auf Anfrage mit. Schmelter: „Wir hatten mehrfach Kontakt mit der Hautärztin, die zumindest Interesse gezeigt hatte, Dr. Wehners Praxis zu übernehmen.“ Aber, wie auch Dr. Wehner selbst erfuhr, zeigte seine Kollegin mehr Interesse daran, in einer Großstadt zu leben und zu arbeiten.

„Letztlich konnten wir mit Düsseldorf wohl nicht konkurrieren“, zieht York Schmelter sein Resümee. Das galt auch für Nienburg, wo die Hautärztin ebenfalls Niederlassungs-Interesse bekundet hatte. Aber auch die beträchtlichen finanziellen Starthilfen, die ihr sowohl in Hoya als auch in Nienburg gewunken hätten, konnten die Hautärztin nicht überzeugen, an der Mittelweser eine Existenz zu gründen. Nun bleibt der Stadt Hoya keine weitere Möglichkeit, als erst einmal wieder die Werbetrommel zu rühren.

Großzügige Räumlichkeiten für eine neue Hautarztpraxis wären sowohl am bisherigen Standort im Ärztehaus an der Von-Kronenfeldt-Straße als auch im neuen Ärztehaus an der Promenade vorhanden. „Wir stehen in ständigem Kontakt mit der Kassenärztlichen Vereinigung“, sagt York Schmelter. „Aber leider gibt es dort keine Anfrage nach der Hautarztstelle in Hoya.“

Wie die Erfahrung aus der Umgebung zeigt, ist eine hautärztliche Neuansiedlung in der Grafenstadt damit erst einmal in weite Ferne gerückt. Die Kassenärztliche Vereinigung Niedersachsen (KVN) regelt die Zulassung von Arztpraxen nach Kreisgrenzen. So ist die KVN Verden für die Landkreise Nienburg, Diepholz und Verden zuständig. Einziger Hautarzt im Landkreis Nienburg ist nach dem Weggang Dr. Wehners aus Hoya nun Dr. Torsten Opitz mit einer Praxis in Stolzenau. Überdies betreibt er eine Praxis in Neustadt am Rübenberge.

Ich habe meine Arbeit in Hoya sehr gern gemacht.
Ich habe meine Arbeit in Hoya sehr gern gemacht. © Horst Friedrichs

In Nienburg gibt es schon seit Jahren keinen Hautarzt mehr. „Wir versuchen seit Langem, die beiden dort vorhandenen Praxisplätze zu besetzen“, sagt Geschäftsführer Michael Schmitz von der KVN-Bezirksstelle Verden im Gespräch mit der Kreiszeitung. „Insgesamt gesehen steuern wir jetzt im Landkreis Nienburg auf eine hautärztliche Unterversorgung zu. Dabei wäre in Hoya auch eine Hausarzt-Gemeinschaftspraxis für die Versorgung des gesamten Nordkreises Nienburg denkbar.“

Im Erdgeschoss des Hoyaer Ärztehauses an der Von-Kronenfeldt-Straße stehen bereits die Praxisräume der Augenärzte leer, die mittlerweile in das neue Ärztehaus an der Promenade umgezogen sind. Nach dem 1. April wird dann auch Dr. Wehners Praxis im Erdgeschoss des Gebäudes an der Von-Kronenfeldt-Straße geräumt sein.

Was die künftige Nutzung der beiden Praxen betrifft, ist Eigentümer Dirk Leiding aus Wechold durchaus optimistisch. „Es gibt Interessenten für die freigewordenen Praxisräume“, erklärt Leiding. „Das sind Ärzte oder auch Bürobetreiber. Auf jeden Fall werden wir mit den Bewerbern zusammenarbeiten und die Räume gegebenenfalls nach deren Vorstellungen einrichten.“

Auch Dr. Frank Wehner hat sich nach Kräften um eine Nachfolge in seiner Praxis bemüht. „Leider ohne Erfolg“, berichtet er im Gespräch mit der Kreiszeitung. Ursprünglich wollte der heute 62-Jährige die Praxis noch bis Ende dieses Jahres betreiben. Stressinduzierte Gesundheitsprobleme und die entstandene Überlastungssituation zwangen ihn jedoch zu der Aufgabe zum 1. April.

„Ich habe meine Arbeit in Hoya sehr gern gemacht“, sagt Dr. Wehner. Das begann vor 30 Jahren Tür an Tür mit seiner Ehefrau, der Augenärztin Dr. Astrid Wehner, die nebenan im Erdgeschoss des Ärztehauses ihre Praxis eröffnete. Beide hatte der damalige Hauseigentümer Dr. Kurt Ramsauer für eine Niederlassung in Hoya gewinnen können. Nachdem Dr. Astrid Wehner ihre Praxis bereits an die Augenpartner aus Walsrode übergeben hat, steht nun für das Ehepaar Wehner ein ausgefüllter Ruhestand bevor. Da ist zunächst die Betreuung ihres Enkels im britischen Oxford, wo Sohn und Schwiegertochter arbeiten, der wichtigste Punkt. „Später wollen wir die Zeit nutzen, Deutschland noch besser kennenzulernen“, sagt Dr. Wehner.

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