Schulausschuss empfiehlt, Standort im Sommer aufzugeben

Hassel verliert Grundschule

Große bauliche Mängel: Lehrkräfte berichten, dass in der Außenstelle Hassel der Gretel-Bergmann-Grundschule die Barrierefreiheit und der Brandschutz nicht gewährleistet sind. Die Heizung ist abgängig. Es fehlen Fachräume.
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Große bauliche Mängel: Lehrkräfte berichten, dass in der Außenstelle Hassel der Gretel-Bergmann-Grundschule die Barrierefreiheit und der Brandschutz nicht gewährleistet sind. Die Heizung ist abgängig. Es fehlen Fachräume.

Hassel/Eystrup – Der Countdown für den Schulstandort Hassel läuft. Die Samtgemeinde Grafschaft Hoya plant, die Genehmigung zum Betrieb der Außenstelle der Gretel-Bergmann-Grundschule Eystrup am Ende dieses Schuljahres nicht zu verlängern. Eine entsprechende Beschlussempfehlung fasste der Schulausschuss am Donnerstagabend. Die finale Entscheidung des Samtgemeinderats steht noch aus, gilt aber als Formsache.

Die 37 Schüler, die derzeit in zwei Kombiklassen – erster und zweiter Jahrgang sowie dritter und vierter Jahrgang gemeinsam – unterrichtet werden, müssen also aller Voraussicht nach ab dem Sommer 2022 an die Grundschule in Eystrup (193 Schüler) wechseln. Im Prinzip könnten die Hasseler Kinder dort ohne große Probleme integriert werden. Rein rechnerisch müsste nur eine neue Klasse hinzukommen, sagte Britta Grohs, Leiterin des Fachbereichs Bildung. Praktisch stehen am Schulstandort Eystrup umfangreiche Bauarbeiten aus. Und das macht die Angelegenheit kompliziert.

Der 2020 beschlossene Plan sieht vor, dass die Gretel-Bergmann-Grundschule Eystrup mit der Außenstelle Hassel und der benachbarte Kindergarten enger zusammenrücken. Die Einrichtungen sollen sich in Zukunft eine Mensa teilen. Das dazu benötigte Gebäude muss allerdings erst noch gebaut werden. Es ist Teil einer aufwendigen Umgestaltung, damit die Schule den Anforderungen beim Brandschutz und bei der Inklusion gerecht werden kann.

Die Kosten für das Vorhaben bezifferte Samtgemeindebürgermeister Detlef Meyer zu Jahresbeginn auf rund 3,5 Millionen Euro. Zuletzt kalkulierte die Samtgemeinde mit 4,2 Millionen Euro. In Anbetracht weiter steigender Preise für Baustoffe sagte Meyer am Donnerstag: „Das wird nicht reichen.“

Ein derart umfangreiches Projekt lässt sich nicht einfach mal so eben in den Sommerferien oder außerhalb der Unterrichtszeiten umsetzen. Meyer schätzt, dass die Arbeiten eineinhalb Jahre dauern können – „wenn alles gut läuft“.

Zwei Architekturbüros haben von der Samtgemeinde als Schulträgerin den Auftrag erhalten, ein Konzept zur Umsetzung der einzelnen Maßnahmen zu entwickeln. Eines kümmert sich um die Objektplanung insgesamt, eines entwickelt Pläne für die technische Betriebsausstattung. Erst wenn die Architekten ihre Vorarbeiten erledigt haben, kann der Landkreis die Baugenehmigung erteilen. Dann ist es an der Samtgemeinde, die einzelnen Aufträge auszuschreiben. Spatenstich soll planmäßig im kommenden Jahr sein.

Wie genau die Bauarbeiten im laufenden Schulbetrieb organisiert werden, und welche Auswirkungen das auf die Zusammenführung der beiden Schulstandorte hat, ist bislang nicht klar. Eine Option ist es, einzelne Klassen zeitweise auszulagern, und zwar nach Hassel. Auch wenn die Außenstelle der Grundschule im Sommer aufgegeben wird, soll das Gebäude als Ausweichmöglichkeit vorerst erhalten bleiben.

Gegen eine Container-Lösung in Eystrup sprach sich im Schulausschuss Ratsherr Heiko Lange (Unabhängige Wählergemeinschaft) auch im Namen von CDU und FDP aus. Gleichzeitig mahnte er effektiven Schutz der Schüler vor Staub- und Lärmemissionen an. Weil er nicht nur Mitglied im Samtgemeinderat ist, sondern auch Bürgermeister von Hassel, bekannte er, dass die Entscheidung, die Außenstelle der Gretel-Bergmann-Grundschule aufzugeben, „sauschwer“ falle. Er sehe allerdings keine schlüssige Alternative zu dem nun eingeschlagenen Pfad.

Bereits 2019 hatte der Samtgemeinderat beschlossen, die Grundschule Hassel in eine Außenstelle der Schule in Eystrup umzuwandeln. Grund waren fehlende Lehrkräfte und die vergebliche Suche nach einer neuen Leitung. Seither hat sich die Situation offenbar nicht verbessert. Lehrkräfte berichteten, dass es ihnen aufgrund ihres Einsatzes in Eystrup und Hassel zunehmend schwerfalle, ihre Aufgaben und Pflichten zu erfüllen. Zudem weise das Schulgebäude in Hassel große Mängel auf: fehlender Brandschutz, abgängige Heizung, nicht gewährleistete Barrierefreiheit oder fehlende Fachräume.

Ratsherr Steffen Lühring (SPD), selbst Grundschullehrer, sagte, dass es in den Kombi-Klassen schwierig sei, den Ansprüchen der Schüler unterschiedlicher Jahrgänge gerecht zu werden. Daher befürwortete auch er, die Außenstelle Hassel aufzugeben. Von den Mitgliedern des Schulausschusses stimmte lediglich Elternvertreterin Anita Scheffelmeier gegen die Auflösung des Standorts Hassel im Sommer. Hans-Werner Kaufmann (Grüne) enthielt sich.

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