Gymnasiasten füttern Stolperstein-App mit Daten zu Hoyaer Juden

Mit dem Smartphone von Erinnerung zu Erinnerung

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Die Klasse 9a des Johann-Beckmann-Gymnasiums arbeitete mit ihren Lehrern Ulrike Friese und Maik Landsmann am Stolperstein-Projekt. An der dazugehörigen App waren federführend die Schüler (am Tisch, von links) Thorben Schumacher, Steffen Baethke, Isabel Geflitter, Henrik Schumacher und Niklas Bonk beteiligt.

Von Horst Friedrichs. Auf die Stein gewordene Spur des Grauens begaben sich Schüler des Johann-Beckmann-Gymnasiums in Hoya: Als erste im norddeutschen Raum fassten sie Informationen über Stolpersteine, die an ermordete jüdische Mitbürger erinnern, zu einer Dokumentation zusammen, die per Smartphone abrufbar ist. Das Ergebnis dieser Spurensuche können Einwohner und Besucher Hoyas sich nun auf den Bildschirm holen.

Das ermöglicht die kostenlose „Stolperstein-App“, mit deren Hilfe sich das Schicksal der jüdischen Familien, die einst hier lebten, per Touchscreen vor Augen führen lässt.

Stolpersteine sind auffällig durch ihre glänzende metallene Oberfläche mit eingeprägten Namen. Ihre Abmessungen unterscheiden sich nicht von denen der sie umgebenden Pflastersteine. Doch das glänzende Messing sticht ins Auge und zeigt, an welchen Stellen einmal ein Haus stand oder noch steht, dessen Bewohner der Judenverfolgung im Dritten Reich zum Opfer fielen.

Mehr als Personalien kann der Pflasterstein allerdings nicht liefern. Wer mehr wissen will, kann sich an die örtlichen Fachleute wenden – wie etwa Sylke Linke von der Hoyaer Interessengemeinschaft Synagoge oder Stadtarchivar Henry Meyer. Das ist die eine Möglichkeit.

Zusätzlich gibt es nun die Stolperstein-App mit ihren verblüffend umfangreichen Infos über ein düsteres Kapitel deutscher Geschichte – auf den örtlichen Punkt gebracht. Sofort und ohne Zeitverlust erfährt der Smartphone-Nutzer, was über die auf dem Stolperstein genannte Person bekannt ist. Oftmals gibt es dazu auch Fotos.

Um dieses Informations-Ziel zu erreichen, erforschten die 31 Schüler der jetzigen Gymnasialklasse 9a zusammen mit ihrer Deutsch- und Geschichtslehrerin Ulrike Friese die Lebenswege von neun jüdischen Hoyaer Familien zwischen 1933 und 1945. „Unsere Klasse hat sich dazu in drei Arbeitsgruppen aufgeteilt“, berichtet Schüler Thorben Schumacher, „in je eine für den örtlichen Bereich, die Materialsammlung und die Technik.“

Lehrer Maik Landsmann arrangierte derweil die Materialien zu den Stolpersteinen, die von Sylke Linke und Henry Meyer zusammengestellt worden waren. Überdies organisierte Landsmann die Zugangsdaten für die Stolperstein-App des Radiosenders SWR2. Danach konnten die Schüler die gesammelten Informationen in die App-Datenbank einbinden.

Maik Landsmann, der am Johann-Beckmann-Gymnasium für das Schulprojekt „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ verantwortlich ist, nennt in diesem Zusammenhang die Webadresse www.stolpersteine-guide.de. Dort gibt es ausführliche Informationen, und auf einer Landkarte ist auch das Johann-Beckmann-Gymnasium in Hoya markiert – neben der Stadt Celle, wo nach Hoya eine weitere Stolperstein-App ins Leben gerufen wurde. Ein drittes niedersächsisches Projekt gleicher Art läuft derzeit in Lüneburg an.

„Wer unsere App nutzen möchte“, erläutert Schüler Niklas Bonk, „braucht lediglich ein Smartphone und eine Internetverbindung. Dann muss man sich nur noch die App herunterladen, und schon kann es losgehen.“ Beispielsweise die Suche nach bestimmten Stolpersteinen über ein GPS-basiertes Navigationssystem. Zu Fuß, per Fahrrad oder im Auto leitet die App den Suchenden ans Ziel.

Die App gibt es sowohl füriOS als auch für Android. Ihr kompletter Name lautet „Stolpersteine Guide inkl. SWR2 Stolpersteine“.

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