Große Textvielfalt bei „LiteraTouren“

Anregende Lesung mitten auf der Weser

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Der tolle Sommerabend ermöglichte eine lange „LiteraTour“ auf der Weserfähre, sodass am Ende das Tageslicht kaum noch zum Lesen ausreichte.

Schweringen - Von Heide Wirtz-Naujoks. Im Rahmen der Veranstaltungsreihe „LiteraTouren“, einer Lesung mit Musik auf der Weserfähre Schweringen, begrüßte die Organisatorin Elke Bormann am Freitag bereits zum achten Mal viele Gäste an diesem besonderen Ort.

Die Veranstaltung lebte von der Spontaneität des Publikums, denn die Teilnehmer gestalteten das Programm selbst. Entweder kamen sie zum Zuhören oder lasen etwas vor, um andere an ihrer Lesefreude und an schönen Geschichten teilhaben zu lassen. Auf diese Weise entstand ein abwechslungsreiches Programm, das die Bremer „Josie White Revival Band“ mit irischen Balladen untermalte.

Den heiteren Auftakt machte der Holtruper Gerhard Tolle-Deike mit dem Buch „Gregor: oder wohin die Träume tragen“ von Friedrich Ani. Es handelt von dem kleinen Pinguin Gregor, der sich von seiner antarktischen Eisscholle nach Oberbayern träumt. Es ist eine skurrile und witzige Geschichte vom Mut, Träume zu verwirklichen.

Der Theologe Ulrich Bach aus Steyerberg trug selbst verfasste Lyrik vor. Seit vielen Jahren ist er Mitglied der „Werkstattgruppe Literatur“ des Klosters Loccum, die bereits drei Anthologien (Textsammlungen) veröffentlicht hat. Seine Gedichte zeichnen sich durch gedankliche Tiefe und sein Gefühl für eine schöne Sprache aus.

Nachdenklich stimmte ein Ausschnitt aus dem Buch „Der alte König in seinem Exil“ von Arno Geiger, das vom demenzkranken Vater des Autors handelt. Klaus Schittko aus Schweringen las Auszüge, die einen Eindruck davon vermittelten, wie ein an Demenz Erkrankter von seinen Angehörigen wahrgenommen wird.

Frau Witte aus Glissen und Uta Kloss aus Nienburg hatten Stücke von ihren Lieblingsautoren Kurt Tucholsky und Mascha Kaléko im Gepäck. In „Die fünfte Jahreszeit“ schildert Tucholsky eindrucksvoll die kurze Zeitspanne der wenigen Tage zwischen Spätsommer und Frühherbst. Der Titel „Sozusagen grundlos vergnügt“ von Mascha Kaléko ist selbstredend für den Inhalt des Gedichts. Es beschreibt ein allgemeines Glücksgefühl, das keinen konkreten Auslöser benötigt. Die Autorin sieht den Lebenssinn in der Freude.

Weitere Beiträge handelten vom Glück der Muße, darüber, einfach mal die Gedanken schweifen zu lassen und vom banalen Alltagsleben aus einem ungewöhnlichen Blickwinkel.

Spannend wurde es noch einmal am Schluss: Gerhard Tolle-Deike las die Geschichte vom kleinen Pinguin Gregor zu Ende und verriet somit den Ausgang der Traum-Odyssee.

Im späteren Verlauf des wunderbaren Sommerabends reichte allmählich das Tageslicht zum Lesen nicht mehr aus. In der einzigartigen Atmosphäre auf der Weser bildete sich aus Vorlesenden und Zuhörenden eine Gemeinschaft, aus der sich die Meisten Anregungen für ihre Lesefreude mitgenommen haben.

Veranstalterin Elke Bormann zeigte sich zufrieden mit der gelungenen Mischung des Programms aus Lesung und Musik und freut sich schon auf eine weitere Auflage der „LiteraTouren“ im nächsten Jahr.

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