Klassische Philharmonie Nordwest brilliert auf Französisch

Glanzkonzert wie an der Elbe

Assia Cunego an der Harfe. - Foto: Horst Friedrichs

Hoya - Von Horst Friedrichs. Ein Hauch vom Glanz der Elbphilharmonie hielt am Sonntag Einzug in die Aula der Grundschule Hoya. In Konzertsaal-Atmosphäre bewirkten das eine formidable Akustik und die „Weinberg-Anordnung“ von Orchester und Publikum.

Von feinen Instrumentaltönen bis hin zur geballten harmonischen Wucht einer großen Orchesterbesetzung reichte der klangliche Hochgenuss, den die Klassische Philharmonie Nordwest unter Leitung von Ulrich Semrau mit Werken französischer Komponisten darbot. Glanzvolle Akzente setzte Harfenistin Assia Cunego, mit Recht als Weltklasse-Musikerin angekündigt.

Im 20. Jahr ihres Bestehens gastierte die Klassische Philharmonie Nordwest in Hoya ausnahmsweise an einem anderen Ort als in der gewohnten, zurzeit wegen Sanierungsarbeiten gesperrten Martinskirche, und zwar in der Schnittfläche geschichtsträchtiger Koordinaten: „An dieser Stelle, nur zehn Meter höher“, sagte Kulturkreis-Vorsitzender Georg Sättler zu Beginn des Konzerts in der Aula der Grundschule, „fing für den Kulturkreis Grafschaft Hoya einst alles an.“ 

Damals fanden Konzerte in der Aula im zweiten Stock des mittlerweile abgerissenen Grundschul-Gebäudes statt. Im Gegensatz zu dieser präsentierte sich die neue Aula als schalldichter Glaspalast, an dem der Fahrzeugverkehr auf der angrenzenden Weserstraße lautlos vorüberglitt.

Ungewöhnlich mutete die Platzierung von Orchester und Publikumsreihen nur auf den ersten Blick an. Das Klangerlebnis, das die Musiker den U-förmig um sie herum gruppierten Zuhörern boten, zerstreute rasch jegliches Gewohnheitsbedürfnis.

Georg Sättler erläuterte den Konzertgästen, weshalb man diese Form, nämlich die sogenannte Weinberg-Anordnung, gewählt hatte: Die eigentliche Bühne der Grundschul-Aula war für die große Orchester-Formation einfach zu klein. Dem kundigen Konzertbesucher erschloss sich indessen rasch, dass das Weinberg-Prinzip auch in Hamburgs Elbphilharmonie angewendet wird.

Frankreichs berühmter Komponist Maurice Ravel (1875-1937) war im Hoyaer Konzertprogramm gleich zwei Mal vertreten – zum Auftakt mit „Le tombeau de Couperin“, einem Werk, das Ravel sechs seiner im Ersten Weltkrieg gefallenen Soldatenkameraden gewidmet hat.

Es folgte ein Solostück der Harfenistin Assia Cunego, „Cordée – Sonatine pour harpe“ von Pierre-Max Dubois (1930-1995). Wie die Italienerin erläuterte, ist dieses Werk entstanden, nachdem die Harfenistinnen am Pariser Konservatorium mehr Kompositionen für Harfe verlangt hatten.

Von Camille Saint-Saëns (1835-1921) stammt das anschließende Konzertstück für Harfe und Orchester, in dem Assia Cunego den kraftvollen Klangkörper mit perlender Saiten-Virtuosität ergänzte. Nach der Pause folgten Ravels „Pavane pur une infante defunte“ und schließlich als furioser Abschluss die Sinfonie d-moll von César Franck (1835-1921).

Nach lang anhaltendem Applaus für das Orchester und seinen Dirigenten ging ein Konzerterlebnis zu Ende. Georg Sättler dankte Stadt und Grundschule für die Unterstützung und teilte mit, dass das Neujahrskonzert der Philharmonie am 15. Januar 2017 stattfinden werde, wiederum in der Aula der Grundschule.

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