Bürger möchten mitgestalten / Veranstaltung zur sozialen Dorfentwicklung in Hoyerhagen

„Es gibt keine Denkverbote“

Markus Knüppel, Christa Frese und Wilhelm Schumacher (von links) sprechen darüber, was in ihren Dörfern gut ist und was vielleicht noch verbessert werden könnte. Foto: Regine Suling

Hoyerhagen - Von Regine Suling. Rund 30 Menschen wollten mehr über das Modellvorhaben „Soziale Dorfentwicklung“ erfahren und kamen am Mittwochabend zu einem ersten Treffen ins Dorfgemeinschaftshaus nach Hoyerhagen. Gleich am ersten Abend sollten sie miteinander ins Gespräch kommen. Über ihre Erwartungshaltung an das Projekt. Und über das, was in ihren Gemeinden gut läuft – und was vielleicht verbesserungswürdig ist.

Die angestrebte Vernetzung der Dorfregion Hoyerhagen/Bruchhausen-Vilsen zeigte bei den Teilnehmern erste Ansätze: Mehrere Menschen kamen aus der Samtgemeinde Bruchhausen-Vilsen, unter ihnen Christa Frese aus Wöpse. Sie fand sich spontan mit Markus Knüppel und Wilhelm Schumacher aus Bücken am Stehtisch zusammen. Gemeinsam diskutierten sie angeregt und schrieben auf ihren mit Papier ausgelegten Tisch das, was ihnen wichtig ist: Beispielsweise Lösungen zu finden, um Bürger im Dorf zu halten. Dazu gehöre es auch, das oft allzu starre Baurecht aufzulösen, befand Christa Frese. Viele junge Leute hätten Wöpse verlassen, weil sie nicht dort neu bauen konnten, wo sie es vorhatten. In andere vorhandene Bausubstanz wiederum würden Städter ziehen, denen die Landwirtschaft fremd sei. „Die sagen: ‚Wir sind aufs Land gekommen, um unsere Ruhe zu haben.‘“, sagte Christa Frese.

Die Infrastruktur im Dorf stärken, Fördermöglichkeiten für den Erhalt vorhandener Bausubstanz zu finden und auch alternative Energieversorgungsmöglichkeiten, zum Beispiel durch Blockheizkraftwerke, für mehrere Häuser aufzuzeigen, waren weitere Ideen, die gleich im ersten Gespräch gesammelt wurden.

„Miteinander reden, nur dann kann man etwas erreichen“, war für Wilhelm Schumacher ganz klar. Zuvor hatte Holger Brörkens von der Niedersächsischen Landgesellschaft (NLG) über die Modellregion informiert, die eine von elf in ganz Niedersachsen ist. Die Samtgemeinden Hoya und Bruchhausen-Vilsen haben die NLG als Projektbüro beauftragt, um den Prozess anzustoßen und zu begleiten. „Soziale Dorfentwicklung lebt davon, gemeinsam etwas voranzubringen“, führte Brörkens aus. Ziel sei es, miteinander ins Gespräch zu kommen, die Perspektive zu wechseln und gemeinsam Ideen zu entwickeln, die zu einem späteren Zeitpunkt in förderungswürdige Vorhaben münden. Für diesen Prozess werden Dorfmoderatoren gesucht, die Veranstaltungen moderieren und Projektgruppen unterstützen. Schon bei der ersten Veranstaltung in Bruchhausen-Vilsen hätten daran mehrere Leute Interesse gezeigt. Und auch in Hoyerhagen gab es schon vor der Veranstaltung erste Interessenten an dieser ehrenamtlichen Tätigkeit.

„Es gibt keine Denkverbote. Das muss für uns alle Ansporn sein“, freute sich einer der Teilnehmer auf den Austausch untereinander. Auch Holger Brörkens unterstrich: „Man muss über den Tellerrand hinaus denken.“ Samtgemeindebürgermeister Detlef Meyer nannte zu Beginn das langfristige Ziel, einen Dorfentwicklungsplan zu erstellen und mit entsprechenden Fördergeldern zu hinterlegen.

Unterstützt werden die zu entwickelnden Vorhaben vom Niedersächsischen Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz. „Die Höhe der Förderung ist aber noch nicht klar“, sagte Holger Brörkens. Zunächst aber gilt es, den Prozess anzustoßen, Ideen zu entwickeln, Projektgruppen zu gründen und Dorfmoderatoren zu finden. Spannend ist das auch für Samtgemeindebürgermeister Detlef Meyer, insbesondere angesichts der Region, die die Flecken Bruchhausen-Vilsen, die Gemeinde Hoyerhagen, die Stadt Hoya im Bereich Scheibenwiese und den Flecken Bücken mit dem nördlichen Teil Bückens beinhaltet: „Uns interessiert auch, was das Gemeinsame ist“, erklärte er.

Nach diesem Auftakt mit vielen motivierten Interessierten geht das Modellvorhaben am 22. Juni mit einem Intensivworkshop in die nächste Runde. „Da steigen wir dann tiefer ein, und die Dorfregion steht im Fokus“, kündigte Holger Brörkens an.

Weitere Informationen gibt es bei Holger Brörkens unter Telefon 0441/9509428 oder bei den Verwaltungen in Bruchhausen-Vilsen (Christa Gluschak, Telefon 04252/391410) und Hoya (Antje Hill, Telefon 04251/81566).

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