Geschäftsstelle wird zum Jahresende geschlossen – ein Rückblick

Die Geschichte der Volksbank in Wechold ist nach 111 Jahren beendet

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Eine Ära geht mit Schließung der Bank zu Ende.

Wechold - Von Uwe Campe. Zum Jahresende schließt die Geschäftsstelle Wechold der Volksbank Aller-Weser endgültig ihre Pforten – Grund genug, einmal auf 111 Jahre genossenschaftliches Kreditwesen im lokalen Raum zurückzublicken.

Auf der konstituierenden Versammlung am 10. März 1906 wurde unter Leitung von Bürgermeister Dietrich Otto (Wechold Nr. 44) von 33 anwesenden Mitgliedern die Gründung der Spar- und Darlehnskasse Wechold in der Rechtsform der „eingetragenen Genossenschaft mit unbeschränkter Haftung“ beschlossen. Ziel des Unternehmens war „der Betrieb einer Spar- und Darlehnskasse zum Zwecke der Abwicklung von Geldgeschäften für den Geschäfts- und Wirtschaftsbetrieb und der Erleichterung der Geldanlage und Förderung des Sparsinns.“

Die Regularien der Bank sahen unter anderem vor,

  • dass die Kreditgrenze, bis zu der sich die Bank beleihen durfte, bei 50 000 Mark lag,
  •  dass über die Kreditvergabe an Mitglieder bis zu 5 000 Mark der Vorstand und bis zu 10 000 Mark Vorstand und Aufsichtsrat entscheiden konnten,
  • dass die Zinsen für Spareinlagen und laufende Rechnung 3,3 Prozent betrugen,
  • dass die Zinsen auf Ausleihungen auf sichere Hypothek 3,8 Prozent und die Zinsen für Ausleihungen auf Handschein 4 Prozent betrugen.

Als Geschäftszimmer der Bank fungierte die gute Stube des Rendanten Heinrich Bischoff (Wechold Nr. 16), die Geschäftsausstattung wird im Wesentlichen aus einem Schreibtisch, einem Hauptbuch, etwas Büromaterial und einer kleinen Bargeldkasse bestanden haben.

Im darauffolgenden Jahr wurden auf der ersten Generalversammlung bereits 43 Mitglieder gezählt, der erwirtschaftete Überschuss betrug immerhin 34,29 Mark.

Ines Mohrmann war 25 Jahre lang in der Wecholder Volksbank tätig. Sie wird zukünftig in Bücken arbeiten.

Bis 1914 wuchs der Mitgliederbestand auf 61 an, der im zurückliegenden Geschäftsjahr erzielte Überschuss lag bei 427,11 Mark.

Schwierige Zeiten durchlebte die Spadaka im Jahr 1923. Die galoppierende Inflation führte im November zur völligen Geldentwertung, zum damit verbundenen Ende des bisherigen Währungssystems und zur Einführung der Rentenmark. Die Inflationszeit brachte die Spadaka an den Rand ihrer Existenz. Zu ihrer Fortführung sollte im darauffolgenden Jahr jedes der Mitglieder zehn Prozent seines Pflichtanteils, also 50 Mark, einzahlen. Aus Protest gegen diese Maßnahme traten jedoch auf der ordentlichen Generalversammlung alle 27 anwesenden Mitglieder aus. Bei zwei außerordentlichen Generalversammlungen im Juni und Juli 1924 kam die für eine Auflösung der Bank erforderliche Zwei-Drittel-Mehrheit allerdings auch nicht zustande.

1925 wurde mit der Wahl neuer Gremien ein Neubeginn gewagt und in diesem Zusammenhang das Geschäftslokal in das Haus der neuen Rendantin Adele Holze (Fredelake Nr. 52) verlegt.

„eGmbH“ ab 1947

Um die Haftungsverpflichtungen der Mitglieder zu reduzieren, entschloss man sich um 1947, die Rechtsform in „eingetragene Genossenschaft mit beschränkter Haftung“ zu ändern.

Am 10. Februar 1956 feierten die Landwirtschaftliche Bezugs- und Absatzgenossenschaft sowie die Spar- und Darlehnskasse auch aufgrund von personellen Überschneidungen im Gasthaus Clausen gemeinsam ihr 50-jähriges Bestehen. Auf die jeweiligen Generalversammlungen folgte ein Festakt.

1961 löste Wilhelm Kracke aus Hoyerhagen Adele Holze als Rendant ab. Das Geschäftslokal wurde erneut verlegt, diesmal in einen angemieteten Raum des Hauses Thalmann (Wechold Nr. 83).

In den 1960er-Jahren machten sich die beiden Hauptprobleme der kleinen Spar- und Darlehnskassen bemerkbar, ihre geringen Geschäftsvolumina und ihre schmalen Eigenkapitalausstattungen. Diese machten es zunehmend schwerer, den strengen Anforderungen des Kreditwesengesetzes gerecht zu werden, und sie führten nach und nach zu zahlreichen Verschmelzungen. Die Wecholder Spadaka fusionierte 1963 mit der etwa gleichgroßen Spadaka Eitzendorf.

Da die bisherigen Büroräume nicht mehr den üblichen Standards entsprachen, wurde 1971 in Wechold auf einem von Ehler Thalmann erworbenen Grundstück ein eigenes, neues Bankgebäude (Nr. 134) errichtet. Das bis in die Gegenwart genutzte Haus hatte zunächst ein Flachdach. Schon bald erfolgte die Fusion mit der Spar- und Darlehnskasse Bücken, womit die 65-jährige Eigenständigkeit der Spadaka in Wechold – und auch jene der Bank in Eitzendorf – endete. Bücken fusionierte schließlich mit der Volksbank Hoya.

Gebäude 2001 gründlich renoviert

Das Filialgebäude in Wechold wurde 2001 grundlegend renoviert und modernisiert. Nach einer dreimonatigen Umbauphase stand am 23. Juli die Wiedereröffnung an. Neben einer Schalterhalle mit Geldautomat und Kontoauszugsdrucker verfügte das Haus nunmehr über einen Nachttresor, einen großzügigen Büroraum, ein Besprechungszimmer sowie Räumlichkeiten für die Mitarbeiter. Auf eine große Einweihungsfeier wurde bewusst verzichtet, stattdessen wurde für Kunden und Gäste ein zwangloser Umtrunk veranstaltet.

Die Volksbank hat sich in besonderem Maße immer wieder mit Spenden für die dörflichen Belange engagiert. So leistete sie, um nur ein Beispiel zu nennen, 2003 einen wesentlichen finanziellen Beitrag in Höhe von 5 000 Euro zur Sanierung der Orgel in der Wecholder Kirche.

Langjähriger Leiter der Wecholder Geschäftsstelle war Heinrich Wallmann aus Duddenhausen, der nach 40-jähriger Firmenzugehörigkeit 2011 in den Ruhestand verabschiedet wurde.

Zuletzt hatte die 2012 aus der Fusion der Volksbanken Hoya und Verden entstandene Volksbank Aller-Weser die Öffnungszeiten der Geschäftsstelle Wechold reduziert. Ansprechpartnerin für die Kunden war die Wienbergerin Ines Mohrmann. In diesem Jahr entschied sich die Volksbank nun aus wirtschaftlichen Gründen für die Schließung. Mohrmann wird künftig in der Volksbank-Filiale in Bücken arbeiten.

Mit der Schließung der Geschäftsstelle endet eine Ära. Auch wenn die betriebswirtschaftlichen Gründe dafür vielleicht nachvollziehbar sein mögen, für die Bevölkerung der Gemeinde Hilgermissen stellt sie nach der bereits vor einigen Jahren erfolgten Schließung der Kreissparkasse einen weiteren bedauerlichen Verlust dar.

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