AUS DEM LANDGERICHT Begehung bringt Aufschluss über den Tatablauf in Hoya

Der Ort des Geschehens

Bei einer ersten Tat attackieren drei Personen den Radfahrer an dem Weg zwischen Gymnasium und Sporthalle in Höhe der Raucherecke (linkes Bild). Der zweite Angriff erfolgt auf dem angrenzenden Parkplatz (rechtes Bild). Fotos: Nala Harries

Hoya/Verden - Von Wiebke Bruns. Ein Video einer Tatortbegehung wurde gestern am Landgericht Verden in Rahmen des Sicherungsverfahrens gegen den 23 Jahre alten Beschuldigten aus Hoya gezeigt. Es verdeutlichte, wie nah das 35 Jahre alte Opfer an der siebenköpfigen Gruppe mit dem Fahrrad vorbeifahren musste. Der Mann war dabei am 9. Mai 2019 von fünf Tätern angegriffen und lebensgefährlich verletzt worden. Der Beschuldigte gilt als psychisch krank. Er soll dem Opfer an diesem Tag diverse Stich- und Schnittverletzungen zugefügt haben.

Bei einem Ortstermin hatte eine 17 Jahre alte Augenzeugin, die damals mit der Gruppe dort war, den Tatablauf beschrieben. Selbst habe sie die ganze Zeit auf einer Mauer gesessen. Genauer gesagt handelt es sich um einen mit Beton abgefangenen Höhenversatz. Dieser Platz sei auch bekannt als eine von Schülern genutzte Raucherecke, welche direkt an den Fuß- und Radweg, der zwischen Gymnasium und Sportplatz verläuft, angrenzt.

Dort war am Tatabend der Radfahrer auf die siebenköpfige Gruppe getroffen. Der 35-Jährige soll von einem der Täter angesprochen und dann bei einem ersten Angriff von drei Personen attackiert worden sein. Bereits zu diesem Zeitpunkt soll der 23-Jährige sein Messer eingesetzt haben. Dennoch konnte das Opfer sich aufrappeln und einen Fluchtversuch unternehmen. Ein Täter soll ihm gefolgt sein und ihn auf einem angrenzenden Parkplatz eingeholt haben.

Die Zeugin zeigt in dem Video die Stelle, wo der zweite Angriff erfolgt war, den sie aber nicht genau gesehen haben will, weil ein Zaun davor gewesen sei und sie ihre Brille nicht aufgehabt habe.

Die Täter sollen unter einer Laterne stehend auf den Mann eingeschlagen, eingetreten und der 23-Jährige wiederholt zugestochen haben. Die fünf Angreifer und die beiden Zeugen flüchteten. Mit letzter Kraft konnte sich das Opfer zu einem nahegelegenen Wohnhaus schleppen.

Zwei weitere Zeugen sollen noch etwa eine Stunde zuvor – im Anschluss an einen Dienstabend in der nahegelegenen DRK-Rettungswache – am Tatort gewesen sein. „Wir hatten das Gebäude verlassen und Lärm gehört. Da bei uns an der Schule, an der Raucherecke“, berichtete ein 17-Jähriger aus Wechold. Er habe sich mit der gleichaltrigen Zeugin, die er schon länger kannte unterhalten. Der im Sicherungsverfahren Beschuldigte habe angelehnt an die Mauer auf dem Boden gelegen. Genauso wie alle anderen aus der Gruppe, habe er alkoholisiert gewirkt. Der Wecholder habe ihm helfen wollen, doch das habe der 23-Jährige abgelehnt.

Keiner der drei Zeugen berichtete etwas davon, dass der Angeklagte verwirrt gewirkt habe. Ein psychiatrischer Sachverständiger habe beim gescheiterten Prozessauftakt im November 2019 jedoch erklärt, dass er „keine Zweifel“ habe, dass der Angeklagte Stimmen höre.

Vorgeworfen wird dem 23-Jährigen ein versuchter Totschlag. Sollte das Gericht zu der Überzeugung gelangen, dass er die Tat begangen hat und dies im Zustand der Schuldunfähigkeit, droht ihm keine Gefängnisstrafe, sondern die unbefristete Unterbringung in einem psychiatrischen Krankenhaus.

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