Henning Scherf berichtet packend über seine Erfahrungen als politisches Urgestein

Was geht mich Demokratie an?

Irmtrud Gläser begrüßte am Freitagabend Henning Scherf im Gasthaus Thöle in Bücken. - Foto: Horst Friedrichs

Bücken - Von Horst Friedrichs. „Mitmachen und sich kümmern – nicht nur machen lassen.“ So umriss Henning Scherf (SPD), ehemaliger Bremer Bürgermeister, sein Leitbild für demokratisches Denken und Handeln am Freitagabend im Gasthaus Thöle in Bücken. Am Beispiel seines eigenen politischen Lebenslaufs schilderte Scherf den Teilnehmern einer Veranstaltung der SPD-Ortsvereine Hoya und Eystrup seine Gedanken zum Thema des Abends: „Was bedeutet uns Demokratie, und was geht mich das an?“.

Packend plauderte Scherf über seine Erfahrungswerte als politisches Urgestein und überzeugter Demokrat der ersten Stunde. Mit Kindheitserinnerungen aus der Nazizeit leitete Scherf zum Erleben der Nachkriegsjahre über, in denen Wilhelm Kaisen, Bremens legendärer erster Bürgermeister nach 1945, zu seinem großen Idol wurde. „Ich hatte nie vor, hauptamtlicher Politiker zu werden“, gestand Scherf – und: „Eine Zeit lang war ich auch in Niedersachsen tätig, habe dort Verwaltung gelernt, wollte Oberkreisdirektor werden.“

„Zur Demokratie gehören auch Basisorganisationen“, erläuterte Henning Scherf. „Es braucht viele Menschen, die sich verantwortlich fühlen und nicht nur Zuschauer sein wollen.“ Dass es Situationen gebe, in denen viele kleine Schritte erforderlich seien, um ans Ziel zu gelangen, habe er in den Nachkriegsjahren in Bremen gelernt, als er dort als junger Sozialdemokrat am Aufbau eines SPD-Ortsvereins beteiligt war.

Zur bevorstehenden Kommunalwahl in diesem Jahr gab Scherf seinen Parteifreunden aus der Grafschaft Hoya eine Empfehlung: „Junge Leute kann man über Projekte gewinnen. Und Erfolgserlebnisse geben Durchsetzungskraft.“ Als herausragende Projekte der Zivilgesellschaft nannte Scherf zum Beispiel die freiwilligen Feuerwehren und Sportvereine. Mit der Bewältigung der Flüchtlingssituation habe sich gezeigt, dass erstaunlich viele Menschen bereit seien, zu helfen.

Die Wahlbeteiligung, so Scherf weiter, könne man wieder nach oben bringen – und zwar durch politische Profilierung einer Person, damit Menschen sich mit ihr identifizieren können, wenn sie als Kandidat auftrete.

Vor dem Hintergrund seiner Erinnerungen an die Kriegs- und Nachkriegszeit wies Bremens früherer Bürgermeister nachdrücklich auf seinen Grundsatz hin: „Wenn man sich fest vorgenommen hat, Nazi-Gräuel für alle Zeiten zu verhindern, dann kann man sich nicht zurücklehnen und sagen, ,lass die anderen mal machen‘.“ Chancen, das durchzusetzen, gebe es nur mit demokratischen, rechtsstaatlichen Strukturen. Alleiniges Verwalten des Erreichten genüge nicht.

Irmtrud Gläser (Bücken), Vorsitzende des SPD-Ortsvereins Grafschaft Hoya, und ihre Stellvertreterin Heide Wirtz-Naujoks, zugleich stellvertretende Hoyaer Bürgermeisterin, begrüßten die Teilnehmer im Gasthaus Thöle. Irmtrud Gläser nutzte die Verspätung des Bremer Gasts, um auf die Kommunalwahl am 11. September hinzuweisen.

Ebendiese und die seit geraumer Zeit sinkende Wahlbeteiligung seien Gründe genug gewesen, Henning Scherf als Referenten einzuladen. Gläser erinnerte an ihre Zeit als Mitarbeiterin im Bremer Senat, wo Scherf als Bildungssenator lange Jahre ihr Vorgesetzter gewesen sei. Überdies sei er auch Justizsenator und Sozialsenator gewesen, bevor er zum Bürgermeister gewählt wurde.

Spannend wurde es, als der vorgesehene Versammlungsbeginn 18.30 Uhr näher und näher rückte – und schließlich verstrich, ohne dass die Hauptperson des Abends eingetroffen wäre. Henning Scherf, so erfuhren die Anwesenden, komme per Bundesbahn direkt von einem Termin in Hannover, werde am Bahnhof in Eystrup abgeholt und trete wiederum von dort aus – nach der Veranstaltung in Bücken – seine Heimfahrt nach Bremen an.

Eine gute Stunde lang war Irmtrud Gläser gefordert, die Gäste zum Durchhalten zu bewegen. Das gelang ihr auch ausnahmslos. Persönliche Erfahrungen mit der (Un-) Pünktlichkeit der Bundesbahn machten die Runde, und schließlich war es Steffen Lühring vom SPD-Ortsverein Eystrup, der am Bahnhof seiner Heimatgemeinde gewartet hatte und Henning Scherf wohlbehalten und unter Beifall ins Gasthaus Thöle brachte. Nach dem Vortrag des prominenten hansestädtischen Politikers hatten seine Zuhörer Gelegenheit, Fragen an ihn zu richten.

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