Handyakkus können Großbrände verursachen

Gefahrenquelle im Altpapier

Das Feuer hätte vermieden werden können: Die Ursache für den Brand im Juni 2019 bei Smurfit Kappa waren beschädigte Lithium-Ionen-Akkus.
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Das Feuer hätte vermieden werden können: Die Ursache für den Brand im Juni 2019 bei Smurfit Kappa waren beschädigte Lithium-Ionen-Akkus.
  • Rebecca Göllner-Martin
    vonRebecca Göllner-Martin
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Samtgemeinde – Als kleine Ursache mit großen Auswirkungen beschreibt Andreas Noss, Werkleiter vom Karton- und Papierhersteller Smurfit Kappa, den Grund für die in den vergangenen Monaten wiederholten Brandgeschehen auf dem Betriebsgelände in Hoya. Drei von fünf Feuer verursachten nachweislich Handyakkus und Batterien, die sich zwischen dem angelieferten Altpapier befanden.

„Die Vermutung ist groß, dass auch die beiden weiteren Brände dadurch ausgelöst wurden“, sagt Noss während eines Pressegesprächs. Ebenfalls vor Ort sind Arne Henrik Meyer, Geschäftsführer der Abfallwirtschaftsgesellschaft Nienburg/Weser (AWN), sowie Marc Brümmer, Geschäftsführer der Weser Wertstoff Gesellschaft (WWG). Aus der Praxis berichten zudem René Altenau als Leiter der Werksfeuerwehr und die Sicherheitsbeauftragte Kirsten Bake.

„Das Thema steht bei uns ganz weit oben auf der Agenda“, schildert Noss weiter. Zwar sei das Unternehmen bisher „mit einem blauen Auge“ davongekommen, aber das könne sich ganz schnell ändern. Insgesamt sei im vergangenen Jahr ein Schaden von circa 140 000 Euro entstanden. „Personen sind glücklicherweise nicht verletzt worden“, erklärt Noss.

Es gehe nun darum, die Menschen im Landkreis zu sensibilisieren. Oftmals sei es Gedankenlosigkeit, warum Elektrokleingeräte überhaupt im Altpapier landen würden. „Böse Absicht möchten wir niemanden unterstellen“, so der Werkleiter.

Altpapier sei für Smurfit Kappa sozusagen das Lebenselixier, immerhin macht dieses laut Noss etwa 99 Prozent des Rohstoffes aus, welcher später zu Wellpappenrohpapier und Faltschachteln verarbeitet werde. Jährlich benötigt das Unternehmen 500 000 Tonnen Altpapier, rund zehn Prozent davon kommen durch Sammlungen und Anlieferungen aus den Landkreisen Delmenhorst, Diepholz, Nienburg und Verden. Eine vorherige Sichtung und Sortierung auf Fremdstoffe gibt es nicht. „Wir machen uns aber Gedanken, wie wir dem entgegensteuern können“, sagt Andreas Noss. Eine Kontrolle aller angelieferten Rohstoffe sei aufgrund des großen Volumens jedoch unwahrscheinlich. Vielmehr sei angedacht, eine Thermoüberwachung zu installieren, um Brände schon in der Entstehung frühzeitig zu erkennen.

„Fremdstoffe im Altpapier, die da nicht reingehören, machen auch etwa nur ein Prozent aus“, stellt Arne Henrik Meyer klar. Aber eben dieser verschwindend geringe Anteil reiche aus, um Großfeuer zu verursachen. So sei es auch 2013 passiert, als bei der AWN eine Lagerhalle abbrannte. Das Resultat: ein Millionenschaden.

Sobald ein Lithium-Ionen-Akku beschädigt werde, könne er eine Temperatur von mehr als 600 Grad Celsius entwickeln – eine große Gefahrenquelle. Für Arne Henrik Meyer ist es deshalb wichtig, künftig niedrigschwellige Angebote zu schaffen, Elektrokleingeräte zu entsorgen. Bisher gebe es zwar mehrere Abgabestellen im Landkreis, besser wären jedoch Abholungen. Da im Zusammenhang mit der Technisierung immer mehr dieser Gefahrenquellen im Umlauf seien, würde die Abfallwirtschaftsgesellschaft das Thema sehr ernst nehmen. Das Unternehmen stehe in der Pflicht, Aufklärungsarbeit zu leisten und die Menschen zu sensibilisieren, dass Elektrokleingeräte nicht in die Altpapiertonne gehören. Sein Appell lautet daher, diese Geräte gebührenfrei an den vorgesehenen Stellen abzugeben, um weitere Feuer – möglicherweise dann mit Personenschaden – zu vermeiden.

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