Gewässer forderte in der Vergangenheit mehrere Tote / Neue Brücke jetzt freigegeben

Die Gefahren des Alveser Sees

Für den Verkehr freigegeben wurde jetzt, nach umfangreichen Erneuerungsarbeiten, die Brücke über den Alveser See beim Hof Meyer, auf dem Bild aus Richtung Eitzendorf gesehen. Mit dem Seeübergang an dieser Stelle verbinden sich teilweise tragische Geschehnisse im Laufe der Jahrzehnte und Jahrhunderte. Foto: Horst Friedrichs

Eitzendorf /Magelsen - Von Horst Friedrichs. Schwarzgraue Wolken ballen sich über dem See zusammen, Sturmböen peitschen schaumgekrönte Wellen, und das aufgewühlte Wasser scheint einen schwefligen Geruch auszuströmen. Für den gottesfürchtigen jungen Mann am Alveser Ufer kann es nur der Teufel persönlich sein, der dieses Unwetter heraufziehen und stockfinstere Nacht schon am Nachmittag hereinbrechen lässt. Es muss ihn stören, dass die Menschen in Magelsen und Eitzendorf nach schwerer Arbeit ein paar Stunden ausgelassen und fröhlich sein und dem Herrn für eine gute Ernte danken wollen.

Erntefest mit Folgen

Und schon zucken am Horizont die ersten Blitze auf und werfen taghelles Licht auf den Kirchturm und das Festzelt drüben in Eitzendorf. Dort, auf dem Tanzboden, wird er seine Angebetete treffen, und der Gedanke an sie ist es schließlich, der für den jungen Mann den Ausschlag gibt. Immerhin durfte er heute auf dem Hof am See auch seine Arbeit etwas früher beenden, und so hat er sich in seinen Sonntagsstaat geworfen und Eichengrün ans Revers des Jacketts seines guten Anzugs gesteckt.

So steigt er ins schwankende Boot und rudert mit aller Kraft gegen die immer heftiger an den Rumpf klatschenden Wellen an. Er kommt sich vor wie auf hoher See, glaubt mehr als einmal, mit seinem Boot kentern zu müssen, doch die Aussicht auf das verlockende Fest lässt ihn durchhalten. Und er schafft es. Als die ersten Regentropfen auf das Zeltdach prasseln, lässt er sich das Tanzband anlegen und hält im Festgewühl Ausschau nach dem Mädchen seiner Träume, während draußen immer wieder Blitze aufglühen, krachender Donner rollt und sintflutartiger Regen niedergeht.

Als der junge Mann sich vier Stunden später durch aufgeweichten, schlammigen Boden auf den Heimweg macht, hat er seine Liebste nicht getroffen. Vielleicht ist sie krank, denkt er, doch schlimme Befürchtungen, dass sie womöglich nichts mehr von ihm wissen will, quälen ihn. So hat er seinen Kummer in Erntefestbier ertränkt und bekommt kaum noch mit, dass ihm der Morast am Seeufer oben in die Stiefel quillt. Er merkt auch nicht, dass es immer noch stürmt, die Nacht rabenschwarz ist und das Boot auf dem Weg über das Wasser nach Alvesen immer stärker ins Schwanken gerät. Dass es kentert, merkt er erst, als es schon zu spät ist. Das Dollbord des umstürzenden Boots trifft ihn auf den Kopf, und so kann er nicht einmal um Hilfe rufen.

Er versinkt in den schwarzen Fluten und wird nie wieder gesehen. Später erzählt man sich, dass die Retter selbst mit einem Bindebaum den Grund des Sees nicht erreichen konnten. Diese Geschichte ist erfunden, enthält aber Elemente von Begebenheiten, die in früheren Jahrzehnten und Jahrhunderten an Kachelöfen und Kaminen rund um den Alveser See erzählt wurden.

Traurige Schicksale

Der Leichnam des traurigen jungen Mannes wurde nie gefunden, doch sein Schicksal verdeutlicht die Gefahren, die es früher am Alveser See gab, bevor dort die ersten Brücken gebaut wurden. Anfangs waren es noch behelfsmäßige Lösungen, aber schon in den 60er-Jahren des 20. Jahrhunderts gab es dann die erste „richtige“ Brücke, die vom Magelser Ortsteil Alvesen über eine Engstelle des Sees nach Eitzendorf führte. Jetzt wurde die Brücke beim Hof Werner Meyer erneuert und vor wenigen Tagen als schmucker Neubau für den Verkehr freigegeben. Hartmut Westermann und Manfred Strahmann vom Magelser Verein „De ole Schüün“ wussten jetzt in einem Gespräch mit der Kreiszeitung von tragischen Todesfällen zu berichten, die sich am Alveser See wirklich ereignet haben.

So stürzte im April 1900 ein 77-Jähriger beim Weidenrutenschneiden am Seeufer ins Wasser und ertrank, vermutlich nach einem Herzschlag. 1817, 1855 und 1863 ertranken Männer beim Baden im See, und schon 1770 kenterte in der Tat ein Schiff – so wurden die Boote damals genannt – mit insgesamt neun Personen an Bord beim Übersetzen von Alvesen nach Eitzendorf, und alle neun ertranken. Die jüngsten Opfer waren eine 16-Jährige und eine 18-Jährige.

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