Gedenkstätte für Zwangsarbeiter auf Friedhof in Hoya eingeweiht

Im Krieg Verscharrte bekommen einen Namen

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Stelen mit Namensschildern erinnern an die im Zweiten Weltkrieg verstorbenen Zwangsarbeiter.

Hoya - Von Anne Schmidtke. Die auf dem Hoyaer Friedhof zwischen 1939 und 1945 beerdigten Zwangsarbeiter sind nicht mehr „namenlos“. Eine jetzt eingeweihte Gedenkstätte an der Von-Kronenfeldt-Straße erinnert an im Zweiten Weltkrieg gestorbene Männer, Frauen und Kinder.

21 Granitstelen von unterschiedlicher Höhe markieren die Gräber. Sie sind jeweils mit einer Namenstafel versehen. Zusätzlich gibt es zwei große Säulen, zwischen denen eine Glastafel hängt, auf der steht: „Zur Erinnerung an die Oper von Zwangsarbeit, Krieg und Verschleppung in den Jahren 1939 bis 1945“.

„Hierbei handelt es sich um ein gemeinsames Projekt der evangelischen Kirche und der Hoyaer Verwaltung, das vom Land Niedersachsen mit circa 5700 Euro gefördert wurde“, berichtete Pastor Andreas Ruh während der Einweihungsfeier in der Kapelle auf dem örtlichen Friedhof. Ehrenamtliche Helfer, zum Beispiel Rolf Evers, Reinhard Endres und Klaus Lange, haben bei der Umsetzung geholfen. Unterstützung in Form von Spenden gab es von Verdener und Hoyaer Unternehmen.

Andreas Ruh erinnerte an die Anfänge des Projekts. „2002 kam ein polnischer Historiker ins Pfarramt und sagte, dass hier Gräber seiner Landsleute existieren müssten“, berichtete Ruh. Er sei über den Friedhof gegangen und habe außer einem Gedenkkreuz nichts entdeckt. Während seiner Suche fand Ruh schließlich Listen, die die Aussage des Historikers unterstützten. Ruh forschte weiter und fand heraus, dass in Hoya Zwangsarbeiter zum Beispiel aus Polen, Russland und der Slowakei sowie deren Kinder bestattet sind.

Passend dazu erläuterte der Verdener Historiker Dr. Joachim Woock geschichtliche Hintergründe. Er beschäftigt sich seit mehr als 30 Jahren mit dem Thema Zwangsarbeit in Verden und Umgebung. Der Experte erklärte, dass es im Zweiten Weltkrieg spezielle Entbindungsstationen für Zwangsarbeiterinnen gegeben habe. Die Deutschen hätten den Frauen die Babys nach sechs Wochen weggenommen und die Säuglinge in sogenannte Verwahranstalten für osteuropäische Babys und Kleinkinder gebracht. „Dort sind sie zu Tode gepflegt worden“, erklärte Woock. In den Einrichtungen im Landkreis Verden habe die Sterblichkeit zum Beispiel bei über 50 Prozent gelegen.

In diesem Zusammenhang wies Pastor Ruh darauf hin, dass fünf in Hoya bestattete Zwangsarbeiterkinder in einem Heim in Oerdinghausen starben. Die anderen fünf starben im Hoyaer Krankenhaus, das sich ganz in der Nähe des Friedhofs befand. Die elf erwachsenen Zwangsarbeiter, die überwiegend in der Landwirtschaft und Industrie eingesetzt waren, starben ebenfalls in der Klinik. Denn deren Personal behandelte alle in den Ausländerbarracken untergebrachten Patienten nur notdürftig.

„Wir erinnern uns heute an die Verstorbenen, die damals ohne Spuren beseitigt werden sollten“, betonte Superintendent Dr. Jörn-Michael Schröder. Die Toten hätten endlich einen Namen erhalten.

„Die Gedenkstätte ist nicht nur ein Ort der Trauer, sondern auch einer des Erinnerns“, berichtete Ottmar Strehler, Geschäftsführer des Volksbunds (Bezirksverband Hannover). Diese Meinung vertrat auch Stadtdirektor Detlef Meyer: „Kriegsgräberstätten werden zunehmend zu Lernorten.“ Er fand, dass die Gedenkstätte der Stadt Hoya sehr gut tut.

„Sie soll dokumentieren, dass hier unterschiedliche Menschen mit gleichem Schicksal begraben sind“, berichtete die Architektin Marianne Wehr.

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